Videokunst für das Handy in Regensburg: Betty Müs Werke haben ein geheimes Eigenleben

Bei der Vernissage zu „Vortex“ von Betty Mü wird es in der Galerie Am Wiedfang heute Abend aussehen, wie sonst nur vor der Mona Lisa im Louvre in Paris oder der Geburt der Venus in den Uffizien in Florenz. Denn auch hier werden Besucher mit gezückten Handys vor den Bildern stehen. Um Erinnerungsfotos geht es dabei aber nicht.
Die runden Scheiben, die die Künstlerin in Regensburg zeigt, sehen aus wie abstrakte Kunstwerke, die auf Glas gedruckt sind. Smartphone-Besitzern, die sich eine entsprechende App auf ihr Handy geladen haben, aber präsentieren sie ihr geheimes Doppelleben. In ihnen steckt mehr, als es der erste Blick erahnen lässt.
So sind auf dem Glas des Werks mit dem Titel „Transquility“ Segmente von Kreisen in den Farben Rosa, Rot oder Türkis zu sehen. Auf Betty Müs Handy-Bildschirm aber verwandeln sich diese Motive in dreidimensionale Kugeln, die wie Gummibälle aus der Glasscheibe in den Raum hüpfen.
Käfer, Blüten, Schillern
Daneben hängt das Werk „Gem“, das Muster wie einen Zebrastreifen oder einen Regenbogen zeigt. Für alle, die ihr Handy vor diese Scheibe halten, wird der Regenbogen zum Schillern eines Edelsteins hinter dem einige Ebenen zu rotieren beginnen. Dazu dringen sphärische Klänge aus dem Lautsprecher des Geräts. Andere Bilder zeigen Blüten oder Käfer in einer durchsichtigen Flüssigkeit.
Am Mittwochnachmittag stehen in dem Atelier auch einige Staffeleien mitten im Raum, die runde Scheiben aus Wellpappe halten. Es handelt sich dabei um Platzhalter für weitere dieser Kunstwerke, die heute Abend von beiden Seiten mit dem Handy betrachtet werden können, erklärt Betty Mü.
Bild im Bild
Auf die Idee dafür sei die Videokünstlerin vor vier Jahren gekommen. An dieser Arbeit reize sie die Möglichkeit, ein Kunstwerk in einem weiteren zu verstecken. Auf diese Weise könnten sich Menschen Videokunst in die eigenen vier Wände hängen, ohne dafür einen Beamer installieren zu müssen, der dafür ständig in Betrieb sein muss, verdeutlicht sie.
Die abstrakten Formen auf den Glasscheiben zeigen dabei einen „Frame“ aus dem Video für das Handy, erklärt Betty Mü. Die habe sie am Computer bearbeitet, um ein ansprechenderes Motiv zu erzeugen. Für sie sind die Bilder auf den Glasscheiben so etwas wie ein Teaser für die zweite Ebene. Die sei eine Überraschung für den Betrachter, die die Künstlerin mit dem Blick durch ein Kaleidoskop vergleicht. Wer sich mit dem Gedanken trägt, die Ausstellung zu besuchen, tut also gut daran, das Smartphone vorher ordentlich zu laden. Eine Powerbank im Gepäck schadet auch nicht. Ausstellungsmacherin Regina Hellwig-Schmid verspricht gutes Internet vor Ort, so dass sich die Besucher die notwendige App im Atelier laden und loslegen können.
Ausstellungseröffnung ist heute um 19 Uhr im Atelier Am Wiedfang. Sie ist bis 30. April donnerstags bis sonntags zwischen 15 und 19 Uhr zu sehen. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung soll heute um 20.30 Uhr am Dachauplatz vor dem Historischen Museum das Videomapping „Inside / Out – Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Stärke Weisheit“ erstmals gezeigt werden. Es wird ebenfalls bis 30. April zu sehen sein − täglich von 20 bis 23 Uhr.