Das Wichtigste in Frauenhand: Lichtkunst konterkariert überholte Rollenbilder

Betty Mü, international gefragte Videokünstlerin, hat im Auftrag der Donumenta fünf Tugenden aus einem historischen Gemälde mit aktueller Botschaft aufgeladen. Eine wichtige Frau fehlte allerdings bei der Preview.
Am Dachauplatz verbreitet Feuer in einer Schale wohlige Wärme, eine eisgefüllte Truhe voller Sekt steht bereit, die Menschen – viele Frauen, einige solidarische Männer – reden über Frauenrechte. Die Hauptsache tritt Samstagnacht, beim Finale zum Frauentag, fast in den Hintergrund: Vier animierte Gestalten, die sich in den Sprossenfenstern des Historischen Museums zeigen, nicken, auf die Betrachter draußen blicken und ihre Insignien für Frieden, Gerechtigkeit, Liebe und Stärke präsentieren.
Halt mal – vier Frauen, keine fünf? Tatsächlich fehlte in der Lichtkunst-Show „Inside/Out“ die fünfte der Allegorien, die die international gefragte Videokünstlerin Betty Mü im Auftrag des Donumenta-Vereins aus einem historischen Gemälde von 1592 destilliert und mit zeitaktueller Botschaft aufgeladen hatte: Die Weisheit, Tugend Nummer fünf, scheiterte an einer Stellwand in einem Schausaal des Museums, die vor dem ihr zugedachten Fenster stand und für die Preview aus organisatorischen Gründen nicht weichen konnte.
Eine punktgenaue Störung des Events, möchte man sagen. Später sprechen die Rednerinnen viel von der gläsernen Decke, an die Frauen stoßen, von den nicht recht greifbaren Hindernissen, die Gleichstellung überall im Weg stehen, und von komplexen Verwaltungsakten, die es der Kunst im öffentlichen Raum schwer machen.
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Betty Müs Botschaft: „Sie sollen Mut und Zuversicht geben“
Betty Mü kreiert in Deutschland und weltweit Videomappings und immersive Installationen, fast immer im XXL-Format. Die Regensburger Arbeit fällt vergleichsweise zurückhaltend aus. Wer mit einer visuell überwältigenden Intervention im Stadtraum gerechnet hatte, muss die Sinne erst mal runterdimmen. Dann aber wirkt die Installation sehr stimmig. Die Platzierung verweist auf alte Rollenbilder: Frauen haben hübsch drinnen zu bleiben, im Heim, am Herd, im Hintertreffen. Den Weg in die offene Gesellschaft verwehren hier hölzerne Fenstergitter. Betty Mü macht die Frauen in ihrer Arbeit sichtbar und widerspricht dem Klischee in ihren fünf Figuren, die sie mit Augmented Reality und KI schafft. Keine hold lächelnden Heimchen agieren hier, sondern selbstbewusste, starke Frauen, eine mit stolz entblößten Brüsten, die die Waage der Gerechtigkeit, den Palmzweig des Friedens und andere Werte fest in Händen halten. „Sie sollen Mut und Zuversicht geben“, formuliert Betty Mü ihre Botschaft.
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Von einer „großartigen Idee“ spricht Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Donumenta-Vorsitzende Regina Hellwig-Schmid unterstreicht: „Unser Traum ist eigentlich schon seit Jahrzehnten, dass der Frauentag überflüssig wird.“ Ihr Eindruck aber, angesichts von Gewalt gegen Frauen weltweit: „Wir brauchen diesen Tag heute sogar mehr denn je.“ Vielleicht richtet es ja die Weisheit: Im April, wenn „Inside/Out“ jede Nacht auf den Platz leuchtet, ist auch die fünfte Tugend zur Stelle.
Betty Mü im April in Regensburg
„Inside/Out“: Die Licht-Show am Historischen Museums Dachauplatz ist von 4. bis 30. April jeden Abend ab Einbruch der Dunkelheit bis 23 Uhr angeschaltet.
„Vortex“: Eine Rauminstallation von Betty Mü ist von 4. bis 30. April im Atelier am Wiedfang 5 zu sehen, jeweils Donnerstag bis Samstag (14 bis 19 Uhr).
„Inside/Out“: Die Licht-Show am Historischen Museums Dachauplatz ist von 4. bis 30. April jeden Abend ab Einbruch der Dunkelheit bis 23 Uhr angeschaltet.
„Vortex“: Eine Rauminstallation von Betty Mü ist von 4. bis 30. April im Atelier am Wiedfang 5 zu sehen, jeweils Donnerstag bis Samstag (14 bis 19 Uhr).
