Filmemacher Max Kronawitter wirbt am Aschermittwoch für die Botschaft der Hoffnung

Von Marianne Sperb · 5. März 2025 um 18:30

Der Journalist und Theologe erhielt die Diagnose Hirntumor, zweifelte aber nie an seinem Glauben. Beim Aschermittwoch der Künstler, veranstaltet von der Diözese, sprach er über das, was ihn trägt.

Sandra war 15, magersüchtig und einsam, als sie im Netz einen Mann kennenlernt. Der vermeintliche Beschützer wurde später ihr Zuhälter und ließ ihr einen Drachen auf den Rücken tätowieren, wie eine Kuh eine Brandzeichen bekommt als Zeichen des Besitzers. Sechs Jahre lang schaffte die junge Frau aus Niederbayern im Bordell an, nicht weit weg von Regensburg. Der brennende Wunsch, den Zuhälter vor Gericht zu bringen, führte sie zum Studium in Passau. Heute vertritt Sandra juristisch Prostituierte – Frauen, die die gleiche Hölle erlebten wie sie selbst.

Max Kronawitter erzählt den Weg vom Puff zum Justizpalast in ruhigen Bildern und langen Schnitten, geht oft nah ran und lässt sich viel Zeit: Er besucht Sandra bei ihrem Pferd, er steht mit der Kamera vor der Uni, als sie aus der Prüfung kommt. Die kurze Doku seiner Filmgeselschaft „Ikarus“ sendet eine starke Botschaft: Sei zuversichtlich, das Leben kann sich ändern. Dieser Botschaft wegen ist der Filmemacher, Journalist und Theologe auch zu Gast beim Aschermittwoch der Künstler. Der Nachmittag im Andreasstadel, veranstaltet von der Diözese Regensburg, ist überschrieben mit „Leben. Jetzt! Mit der Kamera unterwegs zu den Menschen.“

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Die Hoffnung hat auch Max Kronawitter nicht verloren, als er 2022 die Diagnose Hirntumor erhielt. Die linke Hälfte „war weg“, erzählt er im Gespräch mit Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums. „Ich kannte nicht einmal die Namen meiner Kinder“, bis heute sieht er nur eingeschränkt. Seine Erfahrungen nach der OP schildert er in „Ikarus stürzt“: ein Buch, das für den positiven Blick aufs Leben wirbt und das ihn in Kontakt mit vielen Menschen mit einem ähnlichem Einschnitt brachte. „Das war eine Riesen-Bereicherung!“

Für Max Kronawitter, 1962 geboren auf dem Land, im Bayerischen Wald, war immer klar: Er wird Pfarrer. „Die Kirche war unser zweites Wohnzimmer“, sagt er. Beim Freisemester in Rom orientierte er sich neu, praktizierte bei Radio Vatikan, drehte den ersten Film in München. „Da kommt ja der Weihrauch zum Lautsprecher raus!“, sagte Jesuitenpater und Filmemacher Reinhold Iblacker, der ihn betreute – und der ihm trotzdem eine sündteure Kamera kaufte. Für die Steyler Missionare, BR und Ordensgemeinschaften drehte Kronawitter rund 200 Dokumentationen. Viele porträtieren Menschen, die existenzielle Schnittpunkte kennen. Irmgard Walchensee zum Beispiel, die zu oft erlebt hatte, dass Kinder leblos aus dem Wasser gezogen wurden, und die deshalb Schwimmlehrerin wurde. Vor dem Unterricht betet sie um den Beistand des Schutzengels. Oder der 92-Jährige, der als Kind das Schlimmste erlitten, seine Familie im KZ Auschwitz verloren hat. Trotzdem – oder sogar: deshalb – ist ihm ein gutes und erfolgreiches Leben gelungen: Er wollte nicht, dass die Mörder siegen, sagt er sinngemäß im Film.

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Die Streifen sind handwerklich gut, ansonsten konventionell gemacht. Sie beeindrucken vor allem, weil es Max Kronawitter gelingt, seinen Porträtierten so nah zu kommen. Um Vertrauen wachsen zu lassen, „braucht es vor allem Zeit“, sagt er. Sandra zum Beispiel: „Die war anfangs sehr abweisend.“ Bis sie merkte: Da will einer zuhören.

Ob er nach seiner Diagnose Hirntumor an Gott gezweifelt hat, will Maria Baumann noch wissen. „Nie“, sagt Kronawitter. „Die Kirche ist der Soundtrack meines Lebens.“ Die Summe seiner Erfahrungen formuliert er so: „Wir können letztlich nicht stürzen.“

Heike und Max Kronawitter mit Bischof Rudolf Voderholzer (von links) im Andreasstadel Foto: Tino Lex