Hörbuch mit Udo Samel führt auf eine Reise nach Venedig

Von Gabrielle Pinkert · 5. März 2025 um 11:30

Ein sehr spezieller Kunst- und Kulturführer durch die Serenissima ist beim Regensburger Label TYXart erschienen. Babylon-Berlin-Star Samel leiht der Produktion seine Stimme.

Es gibt kaum einen Ort, der im Nebelgrau so magische Anziehungskraft besitzt wie bei strahlendem Sonnenschein: Venedig hat dieses Etwas. Da möchte man sein – ob einsam durch nächtliche Gassen bummelnd oder bei Tag über schaukelnde Gondeln in der Lagune blickend.

Dieser Dringlichkeit wird nun in betörender Unbedingtheit nachgeholfen: Die CD „Venezianische Reise – Ein Reisetagebuch aus dem Freundeskreis Franz Schuberts“ ist eine Liebeserklärung an eine Stadt, die „man wahrlich in einem anderen Welttheile“ vermutet und deren Zauber auch Joseph Kreil erlegen ist, der Urheber der poetischen Reiseschriften.

Die Beschreibungen sind in Kapitel unterteilt: Den Beginn macht die Fahrt von Mestre nach Venedig 1815. Es folgen Schilderungen von Markusplatz, Venedigs Kirchen, Dogenpalast oder Wasserfesten. Kreil schreibt mit großer Detailfreude und Liebe zur Architektur. Die gelungene Verbindung von Skulptur, Architektur und Malerei habe „die Heilgthümer der Andacht“ zu „Tempeln“gemacht. Voll des Lobes ist Kreil auch über die venezianische Malerschule. Es ist eine Freude für Kunst- und Sprachliebhaber, den Wortschöpfungen und der Stimme von Udo Samel zu lauschen. Der Babylon-Berlin-Star spricht in zügigem Tempo, mit leicht rauer, sonorer Stimme, die die Überlegenheit vermittelt, die Kreils Aufzeichnungen prägen.

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Als Sekretär von Graf von Lazanzki bereiste Kreil im Tross des österreichischen Kaiser Franz I. das besetzte lombardisch-venezianische Königreich. Seine Erfahrungen fasste Kreil in dem Werk „Mnemosyne“ zusammen, das ursprünglich an seinen Bruder Salesius gerichtet war und nun die Basis für die Doppel-CD liefert. Da Kreil zum Freundeskreis von Schubert zählte, liegt es nahe, mit Schubert-Liedern und ähnlichen Melodien einen sanften musikalischen Rahmen um die bewegten Ausführungen zu legen. Es spielen und singen unter anderem die Regensburger Künstler Wolfgang Hörlin, Achim Hoffmann und das Renner Ensemble unter Leitung von Hans Pritschet, am Klavier: Gerold Huber und Raphael Kohlhäufl. Der Hörer kann sich dem Sog kaum entziehen: Er wird hineingeworfen in mächtige Wortgebilde eines intellektuellen Kopfes, der mit Hingabe die Sprache nach seinen Gefühlen gestaltet und dabei auf politische Zusammenhänge und geschichtliche Entwicklungen verweist. Dafür muss der Hörer allerdings auch immer wieder Kreils moralischen Zeigefinger in Kauf nehmen und anhören, wie er sich gern zum Mensch als höheres Wesen aufschwingt und als politischer Mahner seine Begeisterung für die alte Republik kundtut. Das Booklet – mit Fotografien von Uwe Moosburger und Uta Poss – liefert Hintergründe, Wort- und Sacherläuterungen zu den Kapiteln und ein Nachwort. Den Regensburger Herausgebern Michael Kohlhäufl (Idee und Konzept), Stefan Lindinger und Miriam Pfad-Eder ist mit dem Hörbuch ein überzeugendes Zeitzeugnis der frühen Romantik und ein sehr spezieller Kunst- und Kulturführer durch das Venedig Anfang des 19. Jahrhunderts gelungen.

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Michael Kohlhäufl war im Rahmen seiner Doktorarbeit über den Schubert-Kreis auf Kreils Text gestoßen. Ihm war es wichtig, „diesen unbekannten Meilenstein der Venedig-Romantik erlebbar zu machen“. Udo Samel saß dafür zwei Tage im Tonstudio Cap à Pie in Neutraubling. Er war zum zweiten Mal mit Schubert und dessen Zeitgenossen konfrontiert: im TV-Dreiteiler „Mit meinen heißen Tränen“ (1986) war Udo Samel in der Rolle Franz Schubert zu sehen.

„Venezianische Reise – Ein Reisetagebuch aus dem Freundeskreis Franz Schuberts“ ist bei TYXart Regensburg erschienen.