Mit Blech und Horn zum Gipfel: Die Berge inspirieren Harmonic Brass zu einer CD

15 Kompositionen summieren sich zu 75 Minuten bewegender, heiterer und schwungvoller Bläserkunst, quer durch Stile, Zeiten und Genres. Eine Empfehlung!
Kuhglocken, Donnermaschine oder gar Aerophone wie von Richard Strauss vorgesehen, sind in der „Alpensinfonietta“ von Harmonic Brass keine zu hören. Zudem würden die fünf Blechbläser und -bläserinnen heute statt der Luftpumpe die Technik des Zirkularatmens einsetzen, um Töne lang zu halten. Die in verschiedenen Kulturkreisen verwendete Technik, bei der man den Mundraum wie einen Blasebalg nutzt, während man gleichzeitig einatmet, hat sich auch in der europäischen Musik verbreitet. Vorreiter war Jazzposaunist Albert Mangelsdorff.
Die auf knapp zehn Minuten komprimierte „Alpensinfonietta“ von Strauss steht als Welt-Ersteinspielung für Blechbläserquintett im Mittelpunkt des neuen Albums „Gipfelstürmer“. Das vorzügliche Arrangement hat Trompeter Hans Zellner geschrieben. „Die Berge“, schreiben die musikalischen Gipfelstürmer im Booklet über die Themenwahl, seien „seit jeher eine Inspirationsquelle“. Dieses Bekenntnis nimmt man den Bläsern und der aus dem Allgäu stammenden Trompeterin Elisabeth Fessler durchaus ab. Mehrere Ensemblemitglieder outen sich als Alpinisten, Extremkletterer (Tubist Karl-Wilhelm Hultsch) oder Skifahrerlegende, wie Posaunist Alexander Steixner aus dem Karwendelgebirge.
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Die 15 Kompositionen, die sich zu 75 Minuten bewegender, heiterer und schwungvoller Bläserkunst summieren, gehen quer durch Stile, Zeiten und Genres. „Nature Boy“ des skurrilen Aussteigers eden ahbez findet hier ebenso Platz wie ein eindringliches Medley aus Queen-Songs. Schöpft Harmonic Brass im ersten Teil aus Werken vom Barock bis zur Neuzeit, dominieren im zweiten Teil populäre Melodien wie Alan Silvestris „Forrest Gump Suite“ aus dem gleichnamigen Film. Im Titelstück „Gipfelstürmer“ – eine stimmungsvolle Komposition von Fessler – kosten die Fünf den Ehrgeiz von Bergsteigern, die endlosen Weiten im Hochgebirge, die Wanderlust und den Anblick von Alpenketten aus.
Den Schlusspunkt des in der Aufmachung konventionell gestalteten Albums setzt ein Walzer des Südtiroler Multiinstrumentalisten Herbert Pixner – „Vierteljahrhundert Dreiviertler“. Mit Feingefühl und Hingabe lotet das Bläserensemble dessen emotionale Nuancen von Wehmut bis Nachdenklichkeit aus. Zu den eindrücklichsten Momenten der CD zählen Massenets „Meditation aus Thais“ und das programmatische „Auffi aufn Berg“ aus der Anfangszeit von Harmonic Brass. Hornist Andreas Binder, der 2017 als bester Instrumentalist für den Jazz-Echo nominiert war, wirbt von Hemau aus, wo er lebt, für die Musik seines Ensembles.
„Gipfelstürmer“ kann man hier bestellen: harmonicbrass.de/