Die Regensburger Donumenta startet spektakulär ins Kunstjahr

Hinter Betty Mü, international gefragte Videokünstlerin, ist die Donumenta schon seit Jahren her. Jetzt klappt’s: Mit animierter Lichtkunst, die am Internationalen Frauentag Uraufführung hat, und hypnotisierenden Wirbeln im Atelier am Wiedfang.
Künstliche Intelligenz ist tückisch. Man darf ihr nicht trauen! Betty Mü machte die Erfahrung gerade bei ihrer Arbeit für Regensburg. Die Videokünstlerin animiert im Auftrag der Donumenta weibliche Allegorien aus einem historischen Gemälde. Als großflächige Figuren und aufgeladen mit neuer Stärke leuchten die fünf Tugenden aus Fenstern des Historischen Museums in den Stadtraum und künden von Frieden, Stärke, Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit.
Die KI blieb lang störrisch, präsentierte die Figuren hartnäckig und stereotyp als lieb und nett – so gar nicht im Sinn von Betty Mü, der es um starke Frauen geht. Es brauchte vier Programme und sehr entschiedene Ansagen, bis den Figuren das milde KI-Lächeln ausgetrieben war. Am Internationalen Frauentag ist Uraufführung vor dem Museum, „mit Feuer, Sekt und Wasser“, wie Regina Hellwig-Schmid, Vorsitzende des Vereins, gestern im Atelier am Wiedfang ankündigte.
Die Donumenta startet spektakulär ins Kunstjahr. Hinter der international gefragten Betty Mü war man schon Jahre her. Jetzt klappt’s. Unter dem Titel „Inside/Out“ war ein Regensburger Kunstwerk gesucht, um es aus dem Raum in die Stadt hinaus zu holen – ähnlich wie 2021: Damals, in Zeiten von Corona und Abstandsgebot, steuerte Betty Mü eine ihrer bislang größten Arbeiten zur Münchner Lichtaktion „Das Kunstareal verbindet“ bei.
Lesen Sie mehr: Filmemacher Max Kronawitter wirbt für die Botschaft der Hoffnung
In Regensburg fand die Künstlerin nach kompliziertem Auswahlprozess die ideale Vorlage in dem Bild „Das gute Regiment“, das Isaac Schwendner 1592 zur moralischen Erbauung des Magistrats malte und das heute im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses hängt.
Betty Mü löste die fünf Tugenden, die Engelein umflattern und die Gott von seiner Wolke aus segnet, aus dem Kontext und transformierte sie in kraftvolle Frauen, die gar nicht daran denken, sich einem patriarchalen System zu unterwerfen. Die Arbeit erinnert daran, dass aufstrebende Frauen bis heute an der gläsernen Decke scheitern und sich im männlichen Revierdenken verheddern.
„Das wird kein Videomapping“, stellt Betty Mü gestern klar. Die Figuren werden in den Fenstern nicht etwa statisch verharren, sondern sich bewegen – ein faszinierendes Schauspiel, das im April viele Besucher finden dürfte.
Parallel öffnet sich ein Erlebnisraum im Atelier am Wiedfang. Betty Mü präsentiert hier ihre Installation Vortex. Auf kreisrunden Glasscheiben ranken sich Muster und Pflanzen in schillernden psychodelischen Farben umeinander. Über QR-Code und eine Augmented Reality App verschmelzen sie mit bewegten Bildern. Wer das Handy auf die Vortex-Scheibe richtet, gerät in einen hypnotischen Wirbel. Blasen, Blüten und Ornamente fliegen einem zu. Ein herrlicher Spaß, wie der Testlauf gestern zeigte.
Lesen Sie mehr: Viele Preisträger beim Regensburger Kleinkunstfrühling
Seit einiger Zeit schickt die Donumenta einen mobilen Glaskubus in die Stadtviertel, in den weitgehend kunstfreien Raum also. Hier wohnt man, fährt Auto und kauft vielleicht noch ein. Orte für Begegnung und Anregung? Fehlanzeige. Immer samstags suchen die Macher am Kubus persönlich den Kontakt zu Menschen vor Ort und reden über Leben und Kunst. Die Reihe, sagt Regina Hellwig-Schmid, läuft ausgesprochen erfolgreich. „Wenn wir die Reaktionen sehen, haben wir die größte Freude!“
„Art Lab on the Move“ heißt das Format, zu dem auch die Animation am Museum gehört. 2025 werden zwei weitere Quartiere bespielt: Alexander Rosol ließ sich von der Konradsiedlung inspirieren, der Gegend, in der er aufgewachsen ist. Aus den Eindrücken ist eine klare, kühle, gleichzeitig spannungsgeladene Arbeit entstanden. Rosol schichtet Architekturfragmente und Strukturen, spielt mit Perspektiven, verzerrt Bildelemente oder bricht Symmetrien. Sein Kubus parkt von 2. Mai bis 26. Juli in der Aussigerstraße.
Musik von Nähmaschinen
Und noch ein Coup: Das Duo Rag*Treasure kommt. Es machte gerade an den Münchner Kammerspielen Furore, mit dem Projekt „Sharper than a needle“, einer Art multisensorischem Hand-Klang-Labor. Stefanie Müller und Klaus Erika Dietl erforschen den Sound von Strick- und Nähmaschinen, experimentieren mit Video und Elektromusik und verwenden dazu verbrauchte Dinge, Recyceltes. In Regensburg hat das Duo den Brandlberg erkundet. In der Glashüttenstraße ist es von 2. August bis 26. Oktober mit seiner Arbeit „Das Glück der kalten Jahre beißt“ zu Gast. Stefanie Müller kommt zeitweise persönlich dazu: mit Bauchladen-Nähmaschine!
Betty Mü in Regensburg
Am Historischen Museum ist am 8. März (20.30 Uhr) Uraufführung von „Inside/Out“. Die Animation ist von 4. bis 30. April zu sehen: immer ab Einbruch der Dunkelheit bis 23 Uhr.
Im Atelier am Wiedfang zeigt Betty Mü im April „Vortex“: Donnerstag bis Sonntag (14 bis 19 Uhr).
Ein Video finden Sie bei www.mittelbayerische.de.