Kleinkunstfrühling der Alten Mälze mit vielen Preisträgern

Von Katharina Kellner · 5. März 2025 um 19:00

Dieser Humor soll Menschen verbinden: Die Alte Mälzerei hat ein Paket mit mehrfach preisgekrönten Comedians und Kabarettisten geschnürt, mit dem man gut gelaunt durch den Frühling kommt.

Manche stören sich an Dieter Nuhr, den Comedian, der regelmäßig öffentlich behauptet, er dürfe ja nichts mehr sagen. Standup-Comedian Moritz Neumeier, 2024 ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett, findet Nuhr geradezu inspirierend und produktiv, wie er bei einem Bühnenauftritt sagte: „Dieter Nuhr ist megawichtig. Es gibt keinen besseren Wutkatalysator. Wenn ich weiß, dass abends seine Sendung läuft, brülle ich tagsüber die Kinder nicht an, um mich aufzusparen.“ Sogar wenn die Tochter das Auto zerkratzt hat – all das kann Neumeier mithilfe von Nuhr bewältigen. Wofür er Nuhr allerdings nicht braucht: für Witze über Greta Thunberg. Die reißt Neumeier selbst: „Greta Thunberg sieht aus, als hätte Pippi Langstrumpf noch die Kurve bekommen und Germanistik studiert.“ Seine Spitze gegen Nuhr: „Dieter, Du weißt doch genauso wie ich: Das Problem waren nicht die Witze über Greta Thunberg, sondern dass die Hälfte der Fakten ausgedacht waren.“

Auch Trash und Schräges

Witzig sein, wo es wehtut, dafür ist Neumeier bekannt, wovon sich das Regensburger Publikum am 27. März überzeugen kann. Er fordert bei seinen Auftritten heraus – eine Eigenschaft, die Hans Krottenthaler, Geschäftsführer der Regensburger Alten Mälzerei, schätzt. Er diskutiert mit seinem Team jedes Jahr die Entwicklungen in der Szene, um die richtige Auswahl für den Kleinkunstfrühling zu treffen. Für 2025 hat die Mälze ein Paket aus Comedy, Kabarett und Musik geschnürt, das acht Trägerinnen und Träger des Deutschen Kabarett- und Kleinkunstpreises und des Bayerischen Kabarettpreises versammelt.

Krottenthaler erinnert daran, was Satire ausmacht: Ursprünglich war sie eine Waffe der Machtlosen gegen die Mächtigen. Comedians, die Minderheiten und Machtlose beleidigen, die Fake-News oder Sexismus verbreiten, könnten das nicht mit Meinungs- oder Kunstfreiheit rechtfertigen, sagt er. Er hat auch kein Verständnis dafür, dass man über Menschen mit anderer Meinung herfällt: Veganer als „Gschwerl“ zu beschimpfen, das ist in seinen Augen eine maximale Abwertung von Menschen, die anderen nichts tun. Lieber will Krottenthaler solchen Kabarettisten und Comedians eine Bühne bieten, die neben guter Unterhaltung ein positives Menschenbild haben und auf Missstände aufmerksam machen. Die besten Abende seien dabei jene, bei dem der Humor Menschen zusammenschweiße: „Lachen soll etwas Befreiendes haben“, sagt Krottenthaler.

Dabei dürfe gerne auch über Schräges oder Trashiges gelacht werden – wie beim Stand-up-Comedian Tino Bomelino. Der klärt gerne Fragen mithilfe von Zeichnungen auf einem Flipchart: „Was ist das Gegenteil von Schwein? Wurst – weil beim Schwein ist das Schwein außerhalb vom Darm!“

Oder Friedemann Weise, bekannt aus der „Heute-Show“, der im Mai zu Gast in der Mälze ist: Er macht hintergründigen „Satirepop“ und hält es in seinem vierten Soloprogramm „Das bisschen Content“ mit dem Philosophen Descartes, der dazu sagen würde: „Ich mache Content, also bin ich.“ Etwas anderen Content macht Hagen Rether, ein Schwergewicht des gesellschaftspolitischen Kabaretts. Seine Abende dauern schon mal zwei bis drei Stunden. Ausgestattet mit Pferdeschwanz, Bananen und schwarzem Konzertflügel ist sein Programm, wie Krottenthaler sagt, „das Gegenteil von schnellem Witz“.

Starke Lokalmatadorinnen

Matthias Egersdörfer gibt auf der Bühne den fränkischen Griesgram. 2024 hat er den Hauptpreis des Deutschen Kabarettpreises bekommen. Er wurde schon als Kabarett-Psychologe bezeichnet, weil er sein Publikum in emotionale Ausnahmezustände bringt: Er bekommt Wutausbrüche, steigert sich rein, doch das habe bei ihm eine Meta-Ebene, wie Krottenthaler sagt.

Lokalmatadorin Eva Karl Faltermeier bringt für ihren Auftritt zwei Gäste mit: Sara Brandhuber aus Landshut, die witziges Musikkabarett macht, und den Münchner Comedian Simon Pearce, der schon als Schauspieler in „Ziemlich beste Freunde“ am Regensburger Turmtheater zu sehen war. Teresa Reichls Auftritt mit ihrem neuen Programm „Bis jetzt“ war schnell ausverkauft – der Zusatztermin ebenfalls.

Dass Regensburg mit diesen beiden Senkrechtstarterinnen so gut aufgestellt ist, nennt Krottenthaler „einen Glücksfall“. Denn auch im Jahr 2025 ist die deutsche Kabarett- und Comedy-Szene überwiegend männlich.

Der Kleinkunstfrühling 2025

Ins Marinaforum kommen Hagen Rether (15. März) und Moritz Neumeier (27. März). Rether kommt mit seinem Programm „Liebe“ und dem Aufruf, sein Publikum solle sich von Angst und Wut befreien.

In den Mälze-Club kommt Tino Bomelino am 16. April und Friedemann Weise am 15. Mai.

Ausverkauft sind die Abende mit Matthias Egersdörfer am 30. März, mit Teresa Reichl am 9. und 10. April und das Format „ Eva & Gäste “ am 4. Juni.

Wettstreit: Beim Comedy Slam für Newcomer haben am 22. Mai die Teilnehmer maximal zehn Minuten, bevor das Publikum sein Votum spricht.

Moritz Neumeier kommt aus Hamburg. Foto: Daniel Dittus