31. Kurzfilmwoche blickt auf Slowenien

Das reiche Filmschaffen des europäischen Nachbarlandes steht im Fokus, ebenso das Werk des Oberpfälzer „Idyllenstörers“ Max Bresele.
Zuletzt hatte die Kurzfilmwoche weit entfernte Länder in den Fokus genommen: Kanada und Mexiko. In diesem Jahr richtet sich der Blick des Festivals auf den filmischen Reichtum eines europäischen Nachbarn: Slowenien. Und wie immer, wenn es um Osteuropa geht, sind in Regensburg die Verbindungen schon da: „Unsere östlichen Nachbarn sind sehr spannend“, sagte Lisa Unger-Fischer bei der gestrigen Pressekonferenz zur 31. Festival-Ausgabe (20. bis 26. März). Sie ist Geschäftsführerin des Europeums, des Ost-West-Zentrums der Uni Regensburg.
Das Europaeum ist bei zwei Veranstaltungen mit im Boot: Zum einen kommt der slowenische Liedermacher und Autor Zoran Predin in den Jazzclub – mit der Damirov Django Group und einem Mix aus schwarzem Humor, Balkan-Gypsy-Swing, Jazz und Blues. Zum andern gibt es eine Lesung von Milena Miklavčič. Die Autorin veröffentlichte unter dem Titel „Feuer, Arsch und Schlangen sind kein Spielzeug“ tausende von Geschichten über Intimität und Beziehungen, die ihr die Interviewpartner über 40 Jahre hinweg anvertrauten. Aus einigen der Geschichten entstand ein Film: „Granny’s sexual life“ von Urška Djukic, ausgezeichnet mit dem französischen Caesar und dem europäischen Oscar für den besten Kurzfilm. Er ist Teil der Contemporary Slovenia Shorts und wird auch bei der Lesung am 24. März gezeigt.
Wer ist Max Bresele?
Das Programm Restored Slovenian Classics gibt einen Überblick über Höhepunkte slowenischer Filmgeschichte. New Queer sLOVEnia zeigt, wie sich queere Kultur nach Zeiten der Unterdrückung entwickelte. Gabriel Fieger, der mit Amrei Keul die Kurzfilmwoche leitet, betonte, die fünf Filmprogramme seien in enger Kooperation mit slowenischen Kultur-Institutionen zusammengestellt.
In der neuen Ausgabe, als deren Logo witzige bunte Kurzfilmwochen-Monster vom Cover des Programm-Hefts grinsen, will das Festival-Team eine Frage klären: Wer ist eigentlich dieser Max Bresele? Ein Preis, den die Kurzfilmwoche seit Jahren für einen politisch relevanten Beitrag vergibt, trägt seinen Namen. Bresele (1944-1998) war ein „Idyllenstörer“. So nennt ihn Julia Weigl-Wagner, die eine vom Kunstverein Weiden herausgegebene Biografie über den Recycling-Künstler, Außenseiter und Nonkonformisten verfasst hat, der wilde Kunst aus Schrott und Fundstücken machte und sich gegen Kommerz wandte. Der Kunstverein Weiden kuratiert eine Ausstellung mit Werken Breseles im M26. Zudem zeigt das Festival „4 Filme über den Krieg“, Videoarbeiten Breseles.
Diese gehören mit den Filmprogrammen „Erosionen“ und „On Fluid Ground“ zum Beitrag der Kurzfilmwoche zum kulturellen Jahresthema der Stadt Regensburg: „Großwetterlage“. Globale Politik lasse sich auch im Mikrokosmos finden, sagte Keul. Auch in den Filmen von Anna Zett, Max-Bresele-Preisträgerin 2024: Die zeigt sie in ihrer Werkschau „Schichten Erzählen“. Constanze Wolpers seziert in ihrer Doku „Eine einzelne Tat“ anhand von Ermittlungsakten den strukturellen Rassismus in ihrer Heimatstadt Celle. Auch die Ausstellung „Fables“, in der sich Thomas Bieniek, Marie Doerfler und Barbara Muhr vom Kunstverein GRAZ von Fabeln inspirieren ließen, gehört in diese Sektion.
Einige Neuerungen gibt es beim kommenden Festival: Nach zwei Jahrzehnten stellt die Kurzfilmwoche das Bayern-Fenster ein, den bayerischen Wettbewerb. „Wir achten darauf, dass Bayern weiter präsent ist, sagte Keul. Ab sofort laufen bayerische Produktionen im Deutschen Wettbewerb, der um ein Programm erweitert wurde.
Ein eigenes Filmprogramm bekommt der Nachhaltigkeitspreis. Zudem will die Kurzfilmwoche Ernst machen mit dem Motto „Kino für alle“ – mit dem barrierearmen Filmprogramm „Butterfahrt“. In Kooperation mit dem inklusiven „Klappe auf!-Kurzfilmfestival Hamburg“ werden acht Kurzfilme mit erweiterten Untertiteln in deutscher Sprache und einer Audiodeskription über Kopfhörer speziell für Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung gezeigt.
Zusätzliche Kinderfilme
Niedrigschwellig in anderer Hinsicht ist das Programm „Impuls“ für alle, die mit Kurzfilm noch nicht in Berührung gekommen sind. Darin gebe es keine expliziten oder gewaltvollen Inhalte. Einen Leckerbissen hält die Kurzfilmwoche für Tanzfans bereit: Wagner Moreira, Chef der Tanz-Company am Theater Regensburg, hat ein Programm mit neun Tanzfilmen kuratiert. Erweitert wurde das Angebot für Kinder: Neben Filmen ab vier Jahren ist auch ein Programm ab acht zu sehen.