Experimentelle Filme mit neuer Vertonung: Der Höllenschlund surrealer Bildwelten

Historische Experimentalfilme des visionären Regisseurs Vasko Pregelj sind im Ostentor-Kino zu Ambient-Musik zu erleben, produziert von einem Soundkünstler.
Ein Auge schaut durch ein geschlitztes Loch in den Zuschauerraum, unterlegt von düster-maschinellem Sound. Papierschnitzel voller wirrer Striche, Zeichen und Symbole, wie man sie vom Künstler A.R. Penck kennt, gehen in Flammen auf. Schaut das Auge zu? Neue Zeichen, ein Leiterwagen brennt. Totengerippe und das Bild eines Mannes, alles Opfer der Flammen, tauchen auf. Tief im akustischen Hintergrund sind hallende Stimmen zu hören, wie eine unverständliche Unterhaltung in einer unterirdischen Höhle. Die Stimmen gehen in eine Art liturgischen Gesang über, der dem vernichtenden und läuternden Feuer eine sakrale Komponente verleiht.
Die Bilder in dem 15-minütigen Schwarzweiß-Film „Rekvijem“ (Requiem) von Vasko Pregelj (1948-1985) aus dem Jahr 1966 verbinden abstrakte, halborganische Formen, Objekte und absurde Gestaltungen zu surrealen Eindrücken. Was mit nüchterner Distanz und zeitlichem Abstand zum Entstehungsjahr betrachtet wie ein wild improvisiertes Video eines Schulworkshops ausschaut, ist ein Experimentalfilm des früh verstorbenen Filmemachers, Fotografen, Filmautors und Künstlers. Lässt man sich auf die eigenwillige, groteske Filmsprache des damals 18-jährigen Künstlers ein, wird man wie in einen Höllenschlund immer tiefer hineingezogen.
Morbide und zeitgenössisch
Im Rahmen des Schwerpunkts Slowenien präsentiert die Internationale Kurzfilmwoche einige der historischen Werke des Visionärs. Da nur zwei der fünf präsentierten Filme in der Originalvertonung erhalten geblieben sind, wird die Tonspur der Filme in einer einzigartigen Live-Performance von DJ Tine Vrabič aka Nitz aus Ljubljana neu interpretiert. Dazu nutzt Nitz Samples bestehender Aufnahmen und formt sie um.
„Mein Ziel war es, möglichst viele von Pregeljs Klangideen zu integrieren“, beschreibt Nitz in einem Mail-Austausch seine Vorgehensweise. Da die Originalaufnahmen aber stark avantgardistisch geprägt sind, wollte er „ihre morbide Qualität bewahren und sie gleichzeitig in einen zeitgenössischen Ambient-Stil hüllen“.
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Als Mitarbeiter der slowenischen Kinemathek steht Nitz ständig in Kontakt mit Filmen dieser Zeit, also der 1960er und späterer Jahre, und entwickelte einen tiefen Respekt für das Filmmaterial, die Technologie und die Drehtechniken. Gleichzeitig bildete er ein tiefes Verständnis für die Geschichten aus. Am meisten Zeit habe ihn der Film „Rekvijem“ gekostet: „Es gab dafür keinen Originalton und er enthält zudem viel Symbolik.“ Um den Zeitgeist zu bewahren, habe er versucht, möglichst viele erhaltene Tonaufnahmen zu verwenden. Der Soundkünstler ist überzeugt: „Es ist mir gelungen, die unheimlichen Emotionen, die Symbolik des Todes und schließlich einen Hoffnungsschimmer mit einem Moog-Synthesizer, einem digitalen Granular-Sampler und Effekten einzufangen.“
Die Filme von Vasko Pregelj entstanden Mitte der 1960er – zu einer Zeit, als es in Jugoslawien eine ausgeprägte Kultur von Kinoclubs und Amateurfilmfestivals gab, wo seine Werke auch gezeigt wurden. Später verschwanden die Filme aus dem öffentlichen Bewusstsein und wurden erst in den 2000ern wieder entdeckt.
„Ein übersehenes Genie“
2010 widmete das slowenische Filmmagazin „Kino!“ Vasko Pregelj eine ganze Ausgabe. Publizist Jurij Meden schrieb, er sei „das vielleicht am meisten übersehene Genie des slowenischen Visionskinos“: „Er experimentierte mit Stilllebenkompositionen, assoziativem Schnitt, der Vervielfältigung von Bildern durch Mehrfachbelichtung und der Übersetzung unbeschreiblicher, fragiler Gefühle von Melancholie und Einsamkeit in die Sprache der Bilder.“ Als lyrisches Meisterwerk stehe sein Oeuvre der internationalen Avantgarde seiner Zeit in nichts nach.
Die Kurzfilmwoche startet
Das Festival: Die Internationale Kurzfilmwoche 2025 präsentiert von 20. bis 30. März 252 Filme in 50 Programmen. Eröffnung ist heute (20. März, 19 Uhr) im Ostentorkino Regensburg.
Die Performance: „The Constants of Vanishing“ zeigt am Montag (24. März, 19.30 Uhr) im Ostentor-Kino Filme von Vasko Preglj zu Livemusik von DJ Tine Vrabič aka Nitz.
