„Conni scheißt auf alles“: Eine Kinderbuchheldin auf der Couch

Von Katharina Kellner · 19. März 2025 um 12:30

Sie kann einfach alles – und sie nervt. Jetzt lotet eine Schauspielproduktion die Untiefen der berühmten Schlaumeierin aus. Das Stück wurde nach den Pixi-Büchern extra für Regensburg geschrieben.

Sie ist eine ständig gut gelaunte Schlaumeierin mit Schleife im weizenblonden Haar und rot-weißem Ringel-Shirt. Kaum ein Kind kommt an Conni Klawitter vorbei, der Hauptfigur aus den überall präsenten Kinder- und Jugendbuch-Reihen „Meine Freundin Conni“, „Conni & Co“ und „Conni15“, die seit 1992 erscheinen. Die Geschichten von Conni gibt es auch als Hörbücher, manche sogar als Film.

„Conniversum“ nennt das Elena Höbarth. Mit ihr als Dramaturgin und Rachel Müller als Regisseurin kommt Conni nun ins Theater. Auf der Bühne am Haidplatz deutet sich bereits eine Richtung an: Einen freundlich blauen Himmel gibt es da mit fluffigen Wölkchen, die eher seine Heiterkeit betonen als eintrüben. Doch die Leinwand mit dem Himmel füllt den Raum nicht aus – Connis heile Welt findet hier ein abruptes Ende.

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An den Conni-Büchern gibt es Kritik: Kinder mögen sie, Erwachsene stöhnen über so viel Schablonenhaftigkeit. Conni gelingt stets alles, was ihr rosaroter Alltag bereithält. Müller und Höbarth fällt im Gespräch spontan ein: Conni schießt beim Fußball das entscheidende Tor, von ihrem Ballettauftritt ist am nächsten Tag sogar in der Zeitung zu lesen. Klappt etwas nicht beim ersten Mal, dann sicher beim zweiten Versuch. Wutanfälle? Null Bock? Das gibt es nicht bei Conni.

Ein weiterer Kritikpunkt: Connis Welt ist frei von Problemen. Sie lebt in einer wohlsituierten Familie mit traditioneller Rollenverteilung. Ob Pferd oder Katze, ihre Wünsche werden stets erfüllt. Bei Familie Klawitter liegt kein Stäubchen unterm Sofa. Während Connis Papa fast durchgehend abwesend ist, hat ihre Mutter eine Menge Zeit, um mit Conni zu backen, einzukaufen oder sie zu ihren Freizeitaktivitäten zu begleiten.

Vom Poetry-Slam ins Theater

Zu den Menschen, denen Conni unglaublich auf die Nerven geht, gehört Hannah Haberberger. Sie regte sich so sehr über die ihr aus ihrer eigenen Kindheit vertraute Kinderbuchfigur auf, dass sie einen Text über sie schrieb. Den trug sie März 2023 beim Poetry Slam zum Equal Pay Day im Regensburger Akademietheater der ADK Bayern vor. Im Publikum saß Antje Thoms, Schauspieldirektorin des Theaters Regensburg. Am nächsten Tag kontaktierte sie Haberberger: Ob sie einen Text über Conni für die Bühne schreiben wolle?

So macht in dieser Uraufführung Conni den Weg aus den Büchern über den Poetry-Slam auf die Theaterbühne. Mit Haberberger arbeiteten sie und Höbarth eng zusammen, sagt Rachel Müller. Es sei besonders, es mit einer lebenden Autorin zu tun zu haben.

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Das Theater dokumentiert auf seiner Homepage unter dem Titel „The First Page“ erstmals den Entstehungsprozess eines Schauspiels. Hier kann man sich den Auftritt von Haberberger beim Slam zum Equal Pay Day im Video anschauen. Sie sagt da, im Germanistik-Studium sei ihr schlagartig klar geworden, „was den Fortschritt und die Emanzipation aufhält: Das sind Connie Pixiebücher“. Sie schlägt einige alternative Buchtitel vor: „Conni manspreaded in der U-Bahn“ oder „Conni scheißt auf alles“. Letzteres wurde nun zum Titel des Theaterstücks.

Im Theater wollen sie sich nicht mit der Rekonstruktion von Connis heiler Welt aufhalten. Von der sind Versatzstücke übrig wie ein Klettergerüst vom Spielplatz (Ausstattung: Larissa Kramarek). Das Stück setzt an bei Conni als Mittdreißigerin. Bei der ist etwas schief gelaufen – gewaltig schief. Doch Conni hat als Kind nicht gelernt, Probleme zu händeln – sie hatte keine. Zumindest findet sie auf der Bühne zwei Diskussionspartnerinnen, die ihr helfen, sich zu reflektieren. Anna Kiesewetter, Johanna Kunze und Katharina Solzbacher sind die Darstellerinnen.

Conni im AfD-Protest

Müller und Höbarth macht es Spaß, die im kollektiven Gedächtnis verankerte Figur weiterzudenken – und ein wenig Quatsch mit ihr zu machen. Doch sie nehmen sie ernst, wie Müller betont. Auch wenn Conni nervt, ist sie für viele doch eine lieb gewordene Kindheitserinnerung. Zu sehen war das kürzlich bei der großen Demo gegen Rechtsextremismus: Da gab es mehrere selbst gemalte Schilder mit Conni-Figur. „Guerilla-Marketing oder der Einfluss einer Kindheitsheldin?“, fragen die Verantwortlichen des Theaters Regensburg auf „The First Page“. Mit Blick auch auf viele Conni-Memes im Netz sagt Müller: „Sie repräsentiert auch was Gutes, auf das sich alle einigen können. Wir wollen uns nicht so krass von ihr abgrenzen.“ Lieber legen sie Conni auf die Couch und erkunden, ob sie das Potenzial hat, gestärkt aus ihrem Tief hervor zu gehen.

Termine mit Conni

Öffentliche Probe ist am Freitag (21. März, 19 Uhr), Matinee am Sonntag (23. März, 11 Uhr), jeweils im Theater am Haidplatz.

Premiere ist am Samstag, 29. März (19.30 Uhr) im Theater am Haidplatz.

Auf The First Page ist der Entstehungsprozess dokumentiert: www.theaterregensburg. de/seiten/conni-scheisst-auf-alles-hannah-haberberger.html

Autorin Hannah Haberberger rät der Teenager-Conni zu weiblicher Solidarität. Foto: Felix And
Regisseurin Rachel Müller will eine neue Perspektive auf Conni zeigen. Foto: Nele Christoph