Ins Regensburger Wiedamann-Haus zieht bald neues Leben ein

Im Sommer wird das Wiedamann-Haus in der Regensburger Brückstraße die neuen Bewohner aufnehmen – beim Klemens-Anwesen dauert das noch.
Die Fassade des Wiedamann-Hauses in der Brückstraße leuchtet wieder in Rot, der dazugehörende Patrizierturm in Grün. Das Gerüst ist verschwunden. Innen aber arbeiten weiterhin die Handwerker. Im Sommer können die neuen Bewohner einziehen.
Die zweite große Baustelle in der Brückstraße dagegen wird sich noch eine Weile hinziehen. Seit fast einem Jahr saniert der frühere Vorstandschef des Jahn, Matthias Klemens, das Eckhaus zur Goliathstraße. Ein Gerüst und Planen verhüllen das mächtige Ensemble mit 800 Quadratmetern, das bis zum Posthorngässchen reicht und auch diese Adresse trägt. Ganz oben telefoniert am Montag lautstark ein Arbeiter. Passanten blicken suchend hoch.
Bögen wie an der Steinernen
Das Wiedamann-Haus, dessen Grundfesten auf das zehnte Jahrhundert zurückgehen, steht unter Denkmalschutz. Es vereint vier Gebäude, die zwei an der Brückstraße und zwei im Posthorngässchen. Für das Klemens-Haus gilt nur der Ensembleschutz. Wegen der Altstadtlage musste der Investor für Veränderungen der Gebäudehülle, also von Fassaden und Dach, eine denkmalrechtliche Erlaubnis einholen.
Ab dem ersten Stock ist die beigefarbene Fassade mit den Fensterrahmen aus Eiche bereits fertig. Der Immobilienunternehmer Klemens wartet noch auf die hohen Schaufenster mit Rundbögen für das Erdgeschoss.
Bis zu zehn Wohnungen und drei Läden entstehen. „Jetzt beginnt der Innenausbau“, sagt Matthias Klemens. Im Erdgeschoss an der Goliathstraße, wo ein Juwelier Trauringe anbot, soll eine Bäckerei mit Tagescafé einziehen. Klemens hat vor, die Sanierung bis Mitte des Jahres abzuschließen. Die Wohnungen werden nicht vor Mai oder Juni vermietet.
Prisca Schank vom Architekturbüro Weber leitet die Sanierung des Wiedamann-Hauses. Gegenwärtig laufen der Trockenbau und der Innenputz. Handwerker verkleiden die Decken. Das Gebäude hat die Fachleute immer wieder überrascht. Mauerbögen wie an der Steinernen Brücke, Balken mit floralen Mustern, Schlupfgänge in Nachbarkeller und eine Bohlenstube haben sie entdeckt. Das mittelalterliche Wunder ist viele Male umgebaut worden. Das Haus wurde wohl als Stadtquartier des Oberpfälzer Klosters Kastl genutzt. Später schenkten dort mehr als 350 Jahre lang Wirte im Gasthaus „Zum wilden Mann“ aus.
Prisca Schank kündigt die Fertigstellung für den Sommer 2025 an. Dann können die neuen Bewohner in das außergewöhnliche Denkmal einziehen. „Jede Wohnung ist ein Unikat“, sagt Schank. Ihr gefällt am besten eine Wohnung, „die ganz viele Bauzeiten enthält“. Das zeigen historische Holzbalken und eine ungewöhnliche Dachterrasse. „Man nimmt 80 Zentimeter dicke Wände wahr“, beschreibt Schank. „Das ist die Wand des Patrizierturms.“
Seit Dezember 2023 vermarktet das Maklerbüro Engel & Völkers die 16 Wohnungen: für Quadratmeterpreise zwischen unter 10.000 und 13.200 Euro. Sechs Wohnungen sind noch zu haben, zum Beispiel 88 Quadratmeter für 1,05 Millionen Euro oder 50 Quadratmeter für 621.000 Euro. Roberto Pecis, Chef von Engel & Völkers in Regensburg, hat auch die Apartments in der sanierten Schnupftabakfabrik vermittelt. Das habe sich über drei Jahre hingezogen. Ähnlich werde es beim Wiedamann-Haus mit seinen 1100 Quadratmetern Wohnfläche sein. Bisher hätten Kapitalanleger gekauft, die im Alter einziehen wollen und „Eigennutzer, die in die Altstadt verliebt sind“. In den früheren Zinngießer-Werkstätten zum Posthorngässchen hin werden für ein Artist-in-Residence-Programm zwei Künstlerateliers eingerichtet, in denen die Gäste auch wohnen können.
Im Herbst ziehen Künstler ein
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra kündigt am Donnerstag an, dass die Ateliers ab dem Herbst zur Verfügung stehen werden. Die Stadt geht von Kosten in Höhe von 120.000 Euro jährlich für Einrichtung und Betrieb des Artist-in-Residence-Projekts aus. Die Künstlerresidenzen in der Brückstraße 4 werden über das europaweite Netzwerk „CreArt“ ausgeschrieben, an dem sich das Kulturreferat beteiligt.
Mitte des Jahres will auch Matthias Klemens die Sanierung seines Ensembles abschließen. Bald werden also auch am Eck Brückstraße/Goliathstraße das Gerüst und die Baufahrzeuge weichen.


