Aus fünf werden zehn Wohnungen: Früherer Jahn-Chef baut im Posthorngässchen um

Der Regensburger Immobilienunternehmer Matthias Klemens saniert das Eckhaus zur Goliathstraße in der Altstadt – aus fünf Wohnungen werden zehn. Warum ist es kein Einzeldenkmal?
Zwei Nachbar-Anwesen in der Altstadt werden aufwendig saniert. Beim Wiedamann-Haus in der Brückstraße reden die Denkmalschützer ein gewichtiges Wort mit. Das Eckhaus daneben im Posthorngässchen3/Ecke Goliathstraße dagegen steht nur unter Ensembleschutz. Der Immobilienunternehmer Matthias Klemens, der es 2021 gekauft hat, sagt, er wundere sich selbst darüber. Was ist da los?
Der Investor saniert mit seiner Campus Group vor allem Altbauten in Leipzig und anderen Städten im Osten Deutschlands. Das Regensburger Ensemble mit 800 Quadratmetern hat Klemens privat erworben. Aus den bisherigen fünf Wohnungen und einer Werkstatt sollen zehn Wohnungen werden. Klemens sagt, er habe die Mieter abgefunden. Die künftige Kaltmiete werde zwölf bis 15 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen. Das Haus behält er im Familienbesitz.
Der 52-Jährige ist in Regensburg bekannt, weil er ab 2010 zwei Jahre lang Vorstandsvorsitzender des SSV Jahn und vorher „Vizepräsident“ war. Den SV Donaustauf unterstützte er jahrelang sehr intensiv.
Miete nicht über 15 Euro
Im Erdgeschoss des Posthorngässchens 3 befinden sich drei Gewerbeeinheiten. Juwelier Maximilian Dieterle führt sein Geschäft für Trauringe weiter. Seinen Hauptladen wird er in der Maximilianstraße 10 eröffnen. Ob er am alten Standort schließen wird, verrät der Juwelier nicht.
Schnell will Hausherr Matthias Klemens das Café Rauscher sanieren, dessen Mietvertrag weiterläuft. Der Gastronom Sascha Al Mahmoud führte es, ist jedoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Café erhält eine Kühlung und neue Sanitäranlagen im Keller. Im Mai soll es schon wieder eröffnen.
Die komplette Maßnahme möchte Matthias Klemens in rund einem Jahr abschließen. Der Gebäudekomplex wurde ihm 2021 von der Sparkasse Regensburg zum Kauf angeboten. Brandschutz und Haustechnik sind veraltet, Stromleitungen ungesichert und Gasleitungen teilweise in den Fehlböden verlegt worden.
Wegen der Lage im denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble benötigte der Investor für Veränderungen der Gebäudehülle, also von Fassaden und Dach, eine denkmalrechtliche Erlaubnis. Diese wurde laut Stadt Regensburg mit der Baugenehmigung erteilt.
Klemens sagt, seine Firma versuche, die historische Fassade zu rekonstruieren. Die Schaufenster seien einst höher gewesen. „Das streben wir wieder an, damit mehr Licht in die Gewerbeeinheiten kommt.“ Die Fassade wird beigefarben, das Anwesen bekommt zweiflügelige Holzfenster mit braunen Rahmen. „Wir wollen das Haus im alten Glanz erstrahlen lassen“, hat sich der Bauherr vorgenommen. Die historischen Holzbalken lässt er auf ihre Stabilität untersuchen. Zum Teil müssten sie jedoch verstärkt werden.
Auch das Wiedamann-Haus wollte der gebürtige Regensburger erwerben, erhielt jedoch den Zuschlag nicht. Weil die dortigen Denkmalschutz-Auflagen sehr streng sind, sei er mittlerweile ganz froh über die Absage.
Geschichte ist unbekannt
Das Posthorngässchen 3 war nie als Einzeldenkmal in die Denkmalliste eingetragen, sagt Sprecherin Maria Ebbinghaus vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München. „Das Innere des Gebäudes Posthorngäßchen 3 darf also verändert werden, wenn die in das Ensemble hineinwirkenden Bestandteile erhalten bleiben.“ Die Geschichte des Hauses kennt das Landesamt nicht.
