Dombauhüttengebäude wird erstmals saniert: Neues Dach und Umkleide für Steinmetzinnen

Von Christine Straßer · 29. März 2024 um 11:00

Erstmals in der rund 100-jährigen Geschichten der Regensburger Dombauhütte wird das Büro- und Archivgebäude grundlegend saniert. Das Dach wird erneuert und es kommt eine Umkleide für Steinmetzinnen in die oberste Etage.

Eine Kathedrale ist eine Baustelle für die Ewigkeit. Am Regensburger Dom gibt es immer etwas zu rütteln, zu hauen oder zu modellieren. Seit Jahren ist der Südturm eingerüstet. Danach wird es an anderer Stelle weitergehen. Der Domsockel etwa hat es laut Hüttenmeister Matthias Baumüller „bitter nötig“. Die Steinmetze der Regensburger Dombauhütte haben seit mehr als 100 Jahren gut zu tun. Ihre Arbeit hat sich in dieser Zeit kaum verändert. Nur mit Hammer und Eisen bearbeiten sie die Steine. Seit kurzem haben die Steinmetze aber auch ein Gerüst um ihre Dombauhütte. Sie wird grundlegend saniert – erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte.

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Deshalb staubt es derzeit nicht nur in der Werkstatt im Erdgeschoss, weil die Steine behauen werden, sondern auch ganz oben unterm Dachstuhl, weil der Putz runter kommt. „Am Dach sind die Eingriffe am größten“, schildert Architekt Michael Feil. Es wird gedämmt, Schäden an der Dachkonstruktion werden beseitigt, ein regensicheres Unterdach wird eingebaut und das Dach wird neu eingedeckt.

1,2 Millionen Euro an Kosten

Im November 1923 wurde die jetzige Dombauhütte eingerichtet. Das Dombaubürogebäude mit angrenzender Werkstatt liegt im Domgarten, gleich hinter dem Ostchor der Bischofskirche umgeben von behauenen und unbehauenen Steinen, von Figuren und Fialen. Hier wird Geschichte geatmet und das soll auch so bleiben. „Das wird keine Luxussanierung“, betont Baurätin Ulrike Paulik, die die Maßnahme seitens des staatlichen Bauamts Regensburg betreut.

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Die Kosten sind mit 1,24 Millionen Euro veranschlagt. Neben den Arbeiten am Dach soll die Dombauhütte etwa einen neuen Anstrich bekommen, der Putz wird ausgebessert, die Steinbodenplatten aus Solnhofener Juramarmor im Erdgeschoss sowie die Parkettböden in den Obergeschossen werden repariert, die Türen mit den noch originalen Beschlägen werden instand gesetzt genauso wie die Fenster.Möbel aus der Bauzeit werden aufpoliert. Im Grunde soll es hier später wieder so aussehen, wie zur Bauzeit. „Das Ziel ist, unsichtbar zu bleiben“, beschreibt Architekt die größte Herausforderung.

Ein paar Neuerrungen tun aber auch dringend Not: Die Haustechnik wird erneuert. Die letzten Umbau- und Instandsetzungsarbeiten fanden 1988 statt, nach dem Wechsel von Bauhüttenmeister Reinhard Triebe auf Helmut Stuhlfelder. Triebe hatte in den beiden Obergeschossen gewohnt. Seit Ende der 1980er Jahre wurden die Räume wieder als Büros und Archiv genutzt. Damals gab es aber noch keine Computer. Jetzt hat man vier und nicht nur deshalb platzt beispielsweise der Sicherungskasten aus allen Nähten.

Eine andere Änderung im Bürogebäude der Dombauhütte ist ebenso notwendig wie sie willkommen ist. Ein Sanitär- und Umkleidebereich für Frauen wird nun eingebaut. Denn die Belegschaft wird zusehends weiblicher. In der Werkstatt sind aktuell 14 Steinmetze und eine Steinmetzin beschäftigt, freut sich Dombauhüttenleiter Baumüller. Hinzu kommen zwei junge Frauen, die ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege machen und gerade haben wieder drei Bewerberinnen Interesse an der Mitarbeit angemeldet.

Eigentümer der Regensburger Kathedrale ist der Freistaat Bayern. Die Regensburger Dombauhütte ist insofern dem staatlichen Bauamt zugeordnet. „Das ist ein Kleinod hier“, sagt Baudirektor Christian Brunner, Abteilungsleiter beim staatlichen Bauamt, über die Dombauhütte, die gegen die Vergänglichkeit anarbeitet. Ähnlich sieht das Bauminister Christian Bernreiter (CSU). In einer Broschüre zu den staatlichen Dombauhütten schreibt er: „Die vielen historischen Bauten bereichern unser Leben und geben Stadt und Land ein unverwechselbares Gesicht.“ Die Unesco sieht das ebenso. Seit Ende 2020 würdigt sie die Arbeit der Dombauhütten als Immaterielles Kulturerbe.

Erster Hüttenmeister auf der Treppe verewigt

Viele Details machen die Regensburger Dombauhütte aus. Hüttenmeister Baumüller hat es zum Beispiel ein unscheinbares Holzkästchen angetan, das in der Schmiede an der Wand hängt – und seit 100 Jahren genutzt wird. Insbesondere auf der Platte der Werkbank haben 100 Jahre ihre Spuren hinterlassen. Aber auch die Holzplatte soll bewahrt werden. Auf sie wird allerdings eine Eisenplatte gesetzt werden.

Die Fenster mit der doppelten Verglasung sind einen näheren Blick Wert. An der Außenseite lässt sich fürs sparsame Lüften auch nur der Mittelteil öffnen. Die Isolierung funktioniert bis heute gut. Jetzt wird jedoch an der Innenseite eine Dichtung eingebaut, damit kein Wasser mehr zwischen den Fensterflügeln herunterläuft.

Ein besonderer Blickfang findet sich als Schnitzerei am Pfosten des Treppengeländers im Erdgeschoss. Sie stellt Josef Brandl dar, den ersten Hüttenmeister der Regensburger Dombauhütte. Entworfen und geschnitzt wurde er von Ludwig Zandt, dem Bildhauer der Dombauhütte. Seit dem Bau des Hauses 1924 ruht Brandls Blick also auf und wacht über die Arbeit seiner Nachfolger.

Architekt Michael Feil (2.v.r.) erörtert mit Hüttenmeister Michael Baumüller (v. l.), Baurätin Ulrike Paulik sowie Baudirektor und Abteilungsleiter Christian Brunner vom Staatlichen Bauamt den Plan. Foto: altrofoto.de
Im obersten Geschoss muss der Putz abgeschlagen werden. Das Dach wird gedämmt. Foto: altrofoto.de
Der erste Hüttenmeister Josef Brandl ist am Treppenpfosten verewigt. F.: Matthias Baumüller
Der Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten spielt sich am Dach ab. Foto: altrofoto.de