100 Jahre Dombauhütte: Neues Buch gibt Einblick in Alltag der Steinmetze

Von Anna Häckel-König · 9. November 2023 um 10:00

Am 8. November 1923 wurde die Staatliche Dombauhütte Regensburg ins Leben gerufen. Zum Gründungsjubiläum widmete sich Peter Morsbach der Sozialgeschichte der Arbeitsstätte. In seinem Werk „Diesen Geist der mittelalterlichen Baukunst wach zu halten“ gibt er Einblicke in den historischen, aber auch gegenwärtigen Arbeitsalltag der Belegschaft und die Geschichte der Erhaltung des Doms.

Die Buchvorstellung fand am Vorabend des 100-jährigen Jahrestages in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes statt. In den liebevoll renovierten, klassizistischen Domkapitelsälen des Domkreuzgangs fanden sich nicht nur Mitglieder der aktuellen Belegschaft der Dombauhütte ein, auch Ehemalige, wie der 4. Hüttenmeister Helmut Stuhlfelder, ehrten an diesem Abend die Geschichte der kunstfertigen Domerhaltung mit ihrer Anwesenheit.

Verwitterte Steinfiguren

In seinem unterhaltsamen, kurzweiligen Vortrag führte Peter Morsbach durch den dreigliedrigen Band, für den er einen essayistischen Ansatz wählte. Gleich zu Beginn merkte er an, dass die Dombauhütte stets Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinde. Die Zeitlinie wird in den verwitterten Steinfiguren, den neuen Werkstücken und den Kalksteinblöcken im Umfeld der Hütte konkret sichtbar. Sie spiegelt sich aber auch in dem übergeordneten Konzept des traditionellen Handwerkbetriebs mit moderner Herangehensweise wider.

Morsbach ging zunächst auf das historische Bild des Steinmetzhandwerks ein. Er begann mit Goethes verklärtem Idealbild und verglich dieses mit weiteren Wahrnehmungsweisen im Lauf der Geschichte. Daran anschließend wurde die Fertigstellung des Doms im 19. Jahrhundert betrachtet und in vier Zeiträume untergliedert. Peter Morsbach stellte unter anderem die Mäzene, Architekten und Bischöfe von Regensburg vor und ging auf ihren Einfluss auf den Dombau ein. Herzstück des Buchs ist jedoch die Geschichte der Dombauhütte und der Menschen, die in ihr arbeiteten und arbeiten. Ihnen ist auch der gesamte Band gewidmet.

Morsbach ließ es sich entsprechend auch nicht nehmen, vor Veranstaltungsbeginn die Unterschriften der anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seinem Autorenexemplar zu sammeln. Eine Wertschätzung, die sich auch im geschriebenen Wort wiederfinden lässt. Peter Morsbach stellte sich zu Beginn seiner Arbeit die Frage, welche Menschen sich um den Dom bemühten. Es war dieser soziale Aspekt, der ihn an dem Projekt reizte.

Fünf Generationen

Entsprechend stellte er alle fünf Generationen der Dombauhüttler und ihr Wirken vor. Morsbach begann mit Heinrich Ullmanns flammendem Plädoyer für die Einrichtung einer Dombauhütte. Seine Worte gaben dem Werk den Titel. Er würdigte die unverzichtbare Arbeit des Assistenten Erwin Gurlitt, erläuterte die Vorgehensweise des künstlerischen Leiters und Beraters Theodor Georgii, der sich für eine reduzierte Formensprache und gegen exakte Kopien aussprach, und schloss auch den aktuellen Arbeitsbericht des Hüttenmeisters Matthias Baumüller in seine Abhandlung ein. Der Abend endete mit der Vorführung der BR-Dokumentation „Dombauhütte Regensburg“ von 1963.

Der 8. Band der Regensburger Domstiftung reiht sich ein in Ausarbeitungen zur Glasmalerei, der Westfassade oder den Türmen des Doms. Hans Weber (Stiftungsvorsitz) kündigte an, dass im nächsten Band der Domkreuzgang im Mittelpunkt stehen wird.

Bei der Vorstellung: Peter Morsbach, Hans Weber, Karl Stock und Felix Weiland stöbern im neu erschienenen Band.