Arbeitsmigration im Handwerk immer wichtiger: In Roding sind zwei Kirgisinnen in Ausbildung

Trotz eines Aufwärtstrends blieben 2024 zahlreiche Ausbildungsstellen im ostbayerischen Handwerk unbesetzt. Das stellt ein erhebliches Problem dar, wie HWK-Präsident Dr. Georg Haber betont. „Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für das Handwerk – besonders mit Blick auf die vielen Aufgaben, die uns bevorstehen.“ Um diesem Engpass entgegenzuwirken, setzt die Handwerkskammer auf verschiedene Strategien – auch im Landkreis Cham.
Neben der Stärkung von Berufsorientierungsangeboten spielt die gezielte Arbeitsmigration eine zentrale Rolle. Auch im Handwerk gewinnen Rekrutierungsprojekte im Ausland zunehmend an Bedeutung. Eines dieser Projekte wurde 2023 von der Arbeitsagentur Schwandorf ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die Rekrutierung kirgisischer Auszubildender für die Region. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist als Kooperationspartner beteiligt.
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Wie das Projekt in der Praxis funktioniert haben sich HWK-Präsident Haber und stellvertretender Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt bei zwei Betriebsbesuchen angeschaut.
Projekt ist ein voller Erfolg
In Roding absolvieren zwei junge Kirgisinnen ihre Ausbildung in der Bäckerei Kraus. Die 18-jährige Aiana Nazarbekova lernt den Beruf der Bäckerin, während ihre gleichaltrige Kollegin Kyial Dunganova zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk ausgebildet wird. Auch für Betriebsinhaber und Konditormeister Ulrich Kraus ist das Projekt ein voller Erfolg. „Die zwei sind schon voll integriert und zählen zum Team.“ Kraus ist so zufrieden, dass er dieses Jahr im September einer dritten Kirgisin eine Ausbildung in seiner Bäckerei anbieten wird.
Arbeitsmigration ist nicht nur ein Weg, Fachkräfte zu gewinnen – sie ist eine Chance für Innovation, kulturellen Austausch und gemeinsames Wachstum.
HWK-Präsident Dr. Georg Haber
Im ersten Jahr des Projektstarts sind 21 Auszubildende nach Ostbayern gekommen, im Jahr 2024 hat sich diese Zahl mit 49 mehr als verdoppelt. Insgesamt nahmen bislang 70 junge Menschen an dem Programm teil – mit einer beeindruckend niedrigen Abbruchquote von nur zwei Fällen. Was das Projekt so erfolgreich macht: Ein dichtes Netzwerk von Kooperationspartnern, das vom Landkreis über die Wirtschaftsförderung bis hin zu den Kammern reicht, ein enger Kontakt zu den Betrieben und eine engmaschige Betreuung der Auszubildenden.
Erweiterung des Projekts geplant
Für die Zukunft ist eine Erweiterung des Projekts auf weitere Agenturbezirke geplant. Schon jetzt haben zahlreiche Handwerksbetriebe ihr Interesse bekundet, sich daran zu beteiligen.
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Auch die Handwerkskammer wird sich verstärkt an Initiativen zur Arbeitsmigration engagieren: „Wir brauchen junge Menschen, die eine Ausbildung im Handwerk absolvieren und sich weiterentwickeln möchten. Deshalb ist die Fachkräftezuwanderung aus Drittstaaten in Verbindung mit einem guten Fachkräfteeinwanderungsgesetz so entscheidend“, erklärte Hans Schmidt im Zuge der Besuche.
„Arbeitsmigration ist nicht nur ein Weg, Fachkräfte zu gewinnen – sie ist eine Chance für Innovation, kulturellen Austausch und gemeinsames Wachstum“, schloss Haber.