Elfriede Baumann aus Neukirchen b. Hl. Blut näht Herzkissen für Brustkrebs-Patienten

Von Sabrina Kauer · 26. März 2025 um 19:00

Auf dem Bügelbrett stapeln sich etliche farbenfrohe Kissen in Herzform. Manche haben Punkte, andere haben Streifen, wieder andere sind von Blumen- oder Sternchenmustern überzogen. Daneben steht ein großer Karton. Er reicht bis zur Hüfte und ist ebenfalls mit unzähligen dieser weichen Exemplare gefüllt. Die Herzkissen sehen nicht nur toll aus, sie haben auch eine wichtige Funktion. Besser gesagt zwei, wie Elfriede Baumann aus Jägershof in der Gemeinde Neukirchen b. Hl. Blut weiß. Sie hat bereits Tausende dieser Kissen genäht und kann aus gutem Grund nicht mehr damit aufhören.

Die Herzkissen bekommen Brustkrebs-Patienten in der Klinik nach einer Operation geschenkt. In Krankenhäuser in der näheren Umgebung wie München oder Passau liefere Baumann die Kissen selbst aus. Gehen die Kissen an Krankenhäuser weiter weg, beispielsweise in Trier, werden sie dorthin versendet.

Wenn die Betroffenen das herzförmige Kissen zwischen der Brust und der Achselhöhle platzieren, diesen Bereich also polstern, lindert es die Wundschmerzen nach dem operativen Eingriff, weiß Elfriede Baumann. Aber nicht nur das: „Das Kissen ist auch ein wenig ein Seelentröster während der Chemotherapie“, sagt die 68-Jährige.

Das weiß sie anhand der vielen positiven Rückmeldungen von Brustkrebs-Patientinnen. Regelmäßig bekommt Elfriede E-Mails oder Briefe von Frauen, die eines der weichen Exemplare „Made in Jägershof“ erhalten haben. Elfriede Baumann holt beim Treffen bei ihr zuhause einen Ordner hervor: Jeder Brief wird abgeheftet; jede E-Mail druckt sie aus und legt sie ebenfalls dazu. „Ich hebe mir alles auf“, sagt Baumann.

Emotionale Telefonate mit den Patienten

Eine Betroffene schreibt beispielsweise: „(...) Das Herz stützt in Seitenlage mein Implantat mit der operierten Brust ab. (...) Außerdem kann es ganz toll trösten und gibt mir Kraft für weitere Therapien.“ Manchmal rufen die Patientinnen Elfriede aber auch an. „Das ist so emotional“, sagt sie. Die Frauen würden sich in erster Linie für das Herzkissen bedanken. Im Gespräch erfahre Elfriede dann aber auch mehr über die Leidenswege der Frauen. „Oft haben wir dann schon zusammen geweint“, so die 68-Jährige.

Seit Dezember 2021 beteiligt sich die Rentnerin an der Herzkissen-Aktion des Frauenbundes. Als sie davon erfahren hat, habe sich die gelernte Floristin, die in einem Designerbetrieb gearbeitet und nach eigener Aussage schon immer für den eigenen Gebrauch genäht hat, sofort gedacht: „Genau das ist es.“

Mittlerweile hat Elfriede etwa 3600 Herzkissen ehrenamtlich genäht – ein Ende ist laut der Rentnerin nicht in Sicht. Das alles hätte sie aber nicht ohne die Hilfe von Lisa Amberger, Frauenbunds-Bezirkstagsvorsitzende aus Bad Kötzting, Martina Wiesmeier, Frauenbundsvorsitzende aus Grafenwiesen, sowie die Schneiderinnen Luise Vogl aus Gotzendorf und Kathrin Baumann aus Neukirchen b. Hl. Blut geschafft. „Alleine bleibt man auf der Strecke“, sagt Elfriede Baumann. Denn: Die Herstellung eines Kissens inklusive Stoff und Füllmaterial koste die 68-Jährige 4,50 Euro. Anfangs habe sie im Monat 100 Kissen genäht – und alles selbst finanziert. Auf Dauer sei das alleine „nicht mehr zu schaffen“, sagt Elfriede.

Ihren „Mädls“ hat Elfriede Baumann viel zu verdanken

Durch die Zusammenarbeit mit ihren „Mädls“, wie Baumann die Helferinnen liebevoll bezeichnet, erfahre sie Unterstützung beim Nähen, aber auch bei der Spendenbeschaffung. „Ich habe ihnen echt viel zu verdanken“, betont Elfriede.

Für die ehrenamtliche Tätigkeit hat die Rentnerin ein ehemaliges Kinderzimmer in ein Nähzimmer umfunktioniert. Nähmaschine, Schere, Stoffe, Füllmaterial und vieles mehr liegen jederzeit für ihren Einsatz bereit. „Ich habe immer was auf Lager und produziere vor“, sagt Elfriede Baumann.

Für ein Kissen benötigt sie etwa 40 Minuten. „Manchmal gehe ich abends noch rein (in das Nähzimmer, Anm. d. Redaktion), nähe fünf Stück und dann geht’s mir schon wieder gut. Das gibt mir auch etwas zurück, ich brauche das einfach“, sagt Elfriede, die nach eigener Aussage hofft, dass sie den Patienten mit ihren Herzkissen „etwas Gutes tun“ und für einen „kleinen Lichtblick“ sorgen kann.

Der „Hänsn“ verkündet: Die Ranchers spielen ein Benefizkonzert und sammeln Spenden für die Herzkissen-Aktion

Apropos etwas Gutes tun: Die Ranchers, die bekannte Waidler Countryband aus Neukirchen b. Hl. Blut, veranstalten ein Benefizkonzert zugunsten der Herzkissen-Aktion von Elfriede Baumann (siehe Infokasten). Das kündigt Hans „Hänsn“ Christoph, der Kopf der Band, in einer E-Mail an. Zur Freude von Elfriede. Sie sagt dazu: „Das ist der Wahnsinn. Ich finde das super und hoffe, dass viele kommen. Ich hab’ schon meine Kinder und Familie mobilisiert, die dürfen sich an dem Tag nichts vornehmen.“

Benefizkonzert der Ranchers in Warzenried

Anlass: Zugunsten der Herzkissen-Aktion veranstalten Die Ranchers ein Benefizkonzert auf Spendenbasis am Sonntag, 27. April, ab 14 Uhr im Gasthaus Menacher in Warzenried.

Unterstützen: Wer die ehrenamtliche Arbeit unterstützen will, kann sich unter Tel. (0 99 47) 27 85 oder per E-Mail an baumann-josef@freenet.de an Elfriede Baumann wenden.

Eingeklemmt zwischen Brust und Achsel können die weichen Herzkissen nach einer Brustoperation zur Linderung der Wundschmerzen beitragen.
Im Schrank liegt alles parat: bereits ausgeschnittene Stoffherzen und Utensilien für die liebevoll per Hand gefertigten Grußkärtchen.
So sehen die Grußkärtchen aus.
Die Nähmaschine steht stets für ihren Einsatz bereit.
Elfriede Baumann näht auch Portkissen. Diese werden am Autogurt befestigt und schützen so den Portzugang, der bei Krebspatienten meist unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eingepflanzt ist.