Olli Zilk: Konzert-Veranstalter aus Bad Kötzting über den Wandel der Szene durch die Pandemie

Von Stefan Weber · 26. März 2025 um 11:00

„Schee war’s“, sagt Olli Zilk und grinst dabei doch etwas gequält. Wobei: Im ersten Stock des historischen Bahnhof-Gebäudes in Bad Kötzting glaubt man ihm zumindest, dass es jetzt schön ist. Vor fünf Jahren, da sah das aber ganz anders aus.

Als die Corona-Pandemie mit Lockdowns und dem Verbot von öffentlichen Veranstaltungen begann, da hatte Zilk das Gebäude gerade erst gekauft, das Alte Spital in Viechtach als regelmäßigen Veranstaltungsort dazubekommen und 170 Konzerte auf dem Programm.

Auf einen Schlag nichts mehr

Mitte März 2020 waren die auf einen Schlag kein Thema mehr, und das gleich für ein ganzes Jahr. „Bands haben sich aufgelöst, weil die Mitglieder sich vor allem in Ländern, in denen es gar keine Hilfe gab, eine andere Arbeit suchen mussten“, erinnert sich Olli Zilk. In Ländern wie Italien oder Finnland, da seien Musiker ganz ohne staatliche Hilfe dagestanden. Darum sagt Zilk auch: „Ich finde, in Deutschland haben wir das ganz gut gestemmt.“

Zum Leben hätten die staatlichen Hilfen in der Regel gereicht, auch für ihn als Bühnen-Betreiber. Zudem seien etwa Belüftungsanlagen im Alten Spital staatlich bezuschusst worden. Schnell habe er sein Konzept mit Beginn der Pandemie auf Open Air umstellen können, und natürlich erinnere er sich noch gut auch an den bürokratischen Aufwand, der abseits der Fördermittel plötzlich notwendig geworden war: 3G, 2G oder 2Gplus – „Wir haben viele Zettel mit Adressen drauf erzeugt“, sagt er. Kontrolliert worden seien die aber nie, „man hat uns da schon auch vertraut.“

In der Zeit, in der keine 170 Konzerte im Jahr mehr auf dem Programm gestanden hatten, widmete er sich verstärkt der Renovierung des Bahnhofs-Gebäudes: Unten der Club, im mittleren Geschoss Zimmer für die Gäste und oben die eigene Wohnung.

Für ihn als Veranstalter habe sich als erstes geändert, dass er, anstatt wie in den Jahren zuvor auf Spendenbasis, Konzerte zuerst nur noch nach fünf Euro Vorkasse anbot. „Anders hätte man die Künstler, wenn nur noch 100 oder 200 Gäste zu einem Open Air kommen dürfen – oder vielleicht gar nicht, wenn alles ausfällt – nicht mehr bezahlen können“, sagt Olli Zilk. Die fünf Euro seien die Mindestbezahlung für die Künstler gewesen. Aus diesem Grund habe sich bei ihm nach dem Ende der Pandemie auch der Eintritt, den er erst eigentlich nicht haben wollte, durchgesetzt. Ein Risiko, schließlich könnten Gäste, die bisher gekommen waren, dadurch ausbleiben. Allerdings: Ausgeblieben seien viele auch nach dem Ende der Corona-Pandemie erst einmal sowieso. Ob aus Angst, aus Kostengründen – wer wisse das schon. „Schwurbler und Verschwörungs-Theoretiker, die sind dauerhaft ausgeblieben“, sagt Zilk und zuckt mit den Schultern.

Dafür habe sich ein weiteres Konzept, nämlich, Besucher bis zum Alter von 21 Jahren kostenlos in die Konzerte von Bands aus aller Welt zu lassen, sehr positiv entwickelt. Denn auch, wenn Gäste von früher heute vielleicht nicht kämen, steige die Zahl der jüngeren Besucher. Mittlerweile habe er das Angebot auf unter 25-Jährige erweitert. „Ich freue mich über jeden, der kommt“, sagt Zilk. Sichtlich Freude macht es ihm allerdings, dass eine „neue Generation von Gästen heranwächst“, die ein Live-Konzert zu schätzen wissen. „Am Anfang hingen viele noch nach ein paar Minuten am Handy, aber mittlerweile kommen die Leute und machen auch das ganze Konzert über mit, ganz ohne Internet.“

Was Social Media nicht kann

Auch wenn die Corona-Krise vorbei sei, so gebe es doch auch heute noch Krisen genug. „Es gibt immer zehn Gründe, nicht auf ein Konzert zu gehen, aber nur einen dafür, und das ist das Konzert selbst.“ Wenn er heute an vier Samstagen am Stück rund 100 Besucher habe, dann stimme ihn das positiv: „Dann geht es um die Atmosphäre und das gemeinsame Erleben, das kein soziales Netzwerk bieten kann“, zeigt sich Olli Zilk überzeugt. Vielleicht führen die vergangene Krise und die aktuellen weltweiten Probleme ja auch dazu, dass „Erleben noch mehr Leben hat“ – das wäre doch ein schöner Gedanke.

Wenn er sich ganz privat an die Corona-Pandemie erinnere, dann habe er schnell ein Foto vor Augen. Es stammt aus dem Juli 2022 und zeigt drei Männer aus Niger mit zwei Frauen: Die eine ist seine Tochter Zora, die andere seine Mutter Marlene. Die Männer der Band Etran De L'Aïr waren zu einem Konzert gekommen und Zilk saß mit positivem Corona-Test im zweiten Stock des Bahnhofs – es ging mit Hilfe auch ohne ihn, und das zeige auch, dass „in der Kultur jeder einzelne zählt“. In mancherlei Hinsicht habe vielen die Pandemie auch hier die Augen geöffnet.

Wenn Olli Zilk an Corona denkt, dann auch an dieses Foto, auf dem er gar nicht zu sehen ist, dafür aber seine Tochter Zora und seine Mutter Marlene und Etran De L'Aïr aus Niger. Foto: Zilk
Seit 2016 ist Olli Zilk Konzert-Veranstalter auf verschiedenen Bühnen in der Region. In einer davon, dem Bahnhof Kötzting, lebt er sogar. wf