Klare Linie des Direktors in Roding zu Masken und Attesten landet sogar vor dem Richter

Von Oliver Hausladen · 24. März 2025 um 05:00

„Ich würde es wieder so machen, auch wenn es zwischenzeitlich sehr, sehr viel Kraft und Nerven gekostet hat“, blickt Alexander Peintinger, Direktor der Staatlichen Realschule Roding, nach fünf Jahren zurück auf die Corona-Zeit, die für ihn neben den Herausforderungen an der Schule noch größere mit Querdenkern mit sich gebracht hat und ihn auch des Öfteren vor Gericht führte.

Letztlich habe er aber meist die richtigen Entscheidungen getroffen und die Schule sei „so gut es ging“ durch die schwierige Pandemie-Zeit gekommen, erläutert Peintinger, der schon seit 14 Jahren im Chefsessel sitzt.

Auch lesenswert dazu: Wegen falschen Maskenattests vor Gericht

Bundesweit hatte er damals für Schlagzeilen gesorgt, weil er Kinder mit Maskenattesten in einem eigenen Klassenzimmer unterrichten ließ. Wegen der Atteste brachte der Schulleiter auch ein Strafverfahren gegen eine Arztpraxis im südlichen Landkreis Schwandorf ins Rollen, die tausende solcher Bescheinigungen ausgestellt hatten. „Wir haben nicht alles umgesetzt, was wir von Seiten des Kultusministeriums aus hätten machen können oder sollen“, sagt Peintinger und meint damit unter anderem eine konzertierte Impf-Aktion an der Schule.

„Schnell entscheiden“

Es habe gegolten, mit gesundem Menschenverstand schnell zu entscheiden, was richtig und umsetzbar ist, „und hinter der Maskenpflicht haben ich und das Kollegium gestanden“, erläutert er – aus seiner Sicht ein „kleiner Preis dafür, dass die Schulen wieder geöffnet waren.“ Es sei ihm nicht um Einzelfälle gegangen, wenn es gesundheitlichen Gründen die Maske nicht getragen werden konnte, betont er dabei ausdrücklich, „aber das auf einmal so viele Schüler ein Attest hatten, war schon auffällig.“

Durch die strikte Gangart wurden allerdings nicht nur streitbare Eltern, sondern auch die Querdenker-Szene auf Peintinger aufmerksam. Er habe lernen müssen, sich nicht durch „gezielte Provokationen“ in die Rechtfertigung zwingen zu lassen. Einen Aktenordner voller Anfeindungen und Drohungen hat er gesammelt. In den Briefen musste er von KZ-Vergleichen lesen, er wurde als „Gefolgsmann“ der Regierung betitelt und mit Provokationen an der Grenze zur Strafbarkeit überzogen.

Es kam zu einigen Prozessen in Cham und Schwandorf. Dabei hat der Schulleiter in Sachen Maskenmaßnahmen auch vor dem Verwaltungsgericht Regensburg Recht erhalten. „Das ist schon eine Bestätigung, das Richtige gemacht zu haben“, sagt der Direktor, auf manche Erfahrung etwa im „Kreuzverhör“ hätte er aber auch verzichten können, blickt er zurück.

Nicht alles richtig

Nicht alle Entscheidungen seien im Nachhinein richtig gewesen, sagt Peintinger, weder im „Kleinen“ an der Schule noch bei der „großen Politik.“ Doch noch schlimmer wäre es gewesen, Sachen auszusitzen, findet er, auch wenn es schwierig gewesen sei, gefühlt alle zwei Wochen den nächsten Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums umzusetzen oder auf positive Tests unter den Schülern zu reagieren.

Rückblickend für falsch hält er die kompletten Schulschließungen. „Es hätte eigentlich von vorneherein klar sein müssen, dass man da bei den Schülern größeren Schaden anrichtet, als man Gutes tut“, meint er, eine solch einschneidende Maßnahme könne er sich deshalb auch künftig nicht mehr vorstellen.

Zwar seien die Schulen jetzt auf eine weitere Pandemie besser vorbereitet, sollte diese aber kommen, findet Peintinger, das einiges anders laufen sollte. „Es muss mehr Augenmerk auf die Kinder gelegt werden, auch Psychologen sollten mehr Mitspracherecht bekommen“, fordert er, nicht alleine auf Medizin und Mathematik zu blicken.

„Sind gut gewappnet“

Was ihm selber geholfen hat, trotz der Anfeindungen und schwierigen Entscheidungen durch die Zeit der Pandemie zu kommen? „Vor allem auch, den Humor nicht zu verlieren“, antwortet Peintinger und verweist dabei unter anderem auf die „Corona-Testtiere“ oder auch ein Foto, das ihn brütend mit Maske und vor zahleichen Tests mit der neuesten Rahmenhygieneverordnung zeigt.

Außerdem sei es wichtig gewesen, sich auf das Kollegium verlassen zu können, sagt Peintinger. „Wir wären für alles, was kommen kann, gut gewappnet“, sagt der Schulleiter – viel lieber wäre ihm aber, wenn keine neue Pandemie mit all ihren Folgen kommen würde.