Hohe Aufklärungsquote und gutes Sicherheitsgefühl, aber Cybercrime lässt Zahl der Straftaten steigen

Auch wenn es im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 eine leichte Zunahme an Straftaten im Bereich der Polizeiinspektion Roding gab, könnten sich die Bürger sehr sicher fühlen, betonten Dienststellenleiter Bernhard Hager, sein Stellvertreter Wolfgang Straka und Verkehrsexperte Joachim Zisler bei der Vorstellung der Statistik. Erfreulich sei, dass die Fallzahlen im Bereich der Straßenkriminalität reduziert hätten, dies sei für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sehr wichtig, waren sie sich einig.
Der Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Roding erstreckt sich über etwa 432 Quadratkilometer und elf Gemeinden, in denen rund 35 000 Menschen leben. Die Zahl der Straftaten in diesem Gebiet ist im Vergleich zu 2023 von 675 auf 705 gestiegen, das entspricht einem Anstieg von 4,4 Prozent.
Entgegen dem Trend
Diese Entwicklung gehe entgegen dem Trend in Bayern (Abnahme um 4,4 Prozent) und der Oberpfalz (minus 4,8 Prozent) und habe seine Ursache darin, dass die Anzeigen wegen Cyber-Kriminalität stark gestiegen sind. „Die Online-Betrüger haben immer neue Maschen, keiner ist davor gefeit, ein Opfer zu werden“, verdeutlichte Hager. Ein Allzeit-Hoch bedeuten die 705 Straftaten nicht, 2022 hatte es 755 gegeben.
Praktisch gleich blieb die Aufklärungsquote, die von 71,3 auf 70,8 Prozent minimal sank. Damit liegt Roding über dem Schnitt Bayerns (67,9 Prozent) und des Bezirks (70,6). Hager lobte in diesem Zusammenhang seine Mitarbeiter für die sehr gute Arbeit, „mit diesem Wert können wir wieder sehr zufrieden sein.“
Neben der Cyberkriminalität sind die Delikte wegen der Verbreitung pornografischer Inhalte meist auf Handys stark angestiegen. Mit Präventionsarbeit an Schulen will die Rodinger Polizei so gut es geht verhindern, dass diese Dinge einfach ohne nachzudenken weiterverschickt werden und aufzeigen, welche Konsequenzen drohen, wie Straka erläuterte.
72 Prozent der Taten sind von Deutschen verübt worden, der Rest von anderen Staatsbürgern. Damit sieht die Lage in Roding und Umgebung deutlich anders aus als in ganz Bayern (59 Prozent deutsche Täter) und der Oberpfalz (61,1), allerdings machen in der Region ausländische Staatsbürger auch nur rund 15 Prozent der Bevölkerung aus.
Weniger Straßenkriminalität
„Sehr erfreulich“ nannte Straka die Entwicklung bei der Straßenkriminalität (Delikte, die sich vorwiegend auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen oder Verkehrsmitteln zugetragen haben). 80 Taten wurden im Vorjahr registriert, deutlich weniger als 2023 (91) oder 2022, wo es sogar noch 113 waren. „Dies trägt maßgeblich zum Sicherheitsbefinden der Bevölkerung teil, weil diese Taten öffentlich stattfinden“, erläuterte Hager.
Eine leichte Steigerung von 162 auf 169 gab es bei den Rohheitsdelikten, die fast alle (96,4 Prozent) aufgeklärt werden konnten. Deutlich zurück von 174 auf 156 ging dagegen die Zahl der registrierten Diebstähle. Besonders erfreulich registrierten Straka und Hager in diesem Zusammenhang, dass es keinen Wohnungseinbruchsdiebstahl gab, 2023 waren es noch vier gewesen.
Im Bereich Sachbeschädigung und Vandalismus hängen die Fallzahlen immer davon ab, ob es Serientaten gebe, so Hager, es gebe deshalb immer wieder Schwankungen. So wurden im Vorjahr 81 Fälle dokumentiert, mehr als 2023 (72), aber noch deutlich weniger als 2022 (105). Bei der Aufklärung seien die Polizisten auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, so hätten etwa auch die Täter, die jüngst den Waldkindergarten in Mitterkreith verwüstet hatten, ermittelt werden können.
„Es kann jeden treffen“
Enorm gestiegen sind Vermögens- und Fälschungsdelikte von 76 auf 112 Fälle. Vor allem die Cyberkriminalität, die immer mehr zunehme, habe dazu geführt, so die Leiter der Rodinger Polizeiinspektion. Sie vermuten auch eine sehr hohe Dunkelziffer, weil es oft nicht um hohe Beträge geht oder die Leute sich schämen, den Fall anzuzeigen, weil sie darauf „hereingefallen“ sind. Dies sei aber absolut unnötig, betont Hager, „es kann wirklich jeden treffen.“
Damit die Polizisten gewappnet sind und bleiben, gebe es regelmäßige Schulungen im Bereich der Cyberkriminalität. „Das ist ein ständiges Lernen, weil auch immer Neues dazukommt“, weiß Hager.
Ebenfalls eine hohe Dunkelziffer vermuten er und Straka bei den Fällen der häuslichen Gewalt. 49 Taten wurden im vergangenen Jahr angezeigt, sechs mehr als 2023.
Abgesackt von 50 auf 21 Fälle sind dagegen die Rauschgiftdelikte – was Hager und Straka aber in diesem Bereich nicht erfreut. Die Teil-Legalisierung von Cannabis habe zu dieser Entwicklung geführt, aber auch viele negative Auswirkungen, wie etwa die erhöhte Zahl der Drogenfahrten. Außerdem „bleibt Cannabis die Einstiegsdroge Nummer eins“, sagte Hager, die Rodinger Polizei würde deshalb in diesem Bereich gerne wieder mehr tätig sein können.
Polizeiliche Kriminalstatistik
Zusammenstellung strafrechtlicher Sachverhalte: Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Zusammenstellung aller der Polizei bekannt gewordenen strafrechtlichen Sachverhalte unter Beschränkung auf ihre erfassbaren wesentlichen Inhalte.
Verzerrungsfreies Bild der Kriminalität: Sie soll im Interesse einer wirksamen Kriminalitätsbekämpfung zu einem überschaubaren und möglichst verzerrungsfreien Bild der angezeigten Kriminalität führen.
Kriminalitätsphänomene frühzeitig erkennen: Sinn und Inhalte sind bundesweit einheitliche Erfassungskriterien, die frühzeitige Erkennung von Kriminalitätsphänomenen sowie die Auswertung von Opfer-, Täter- und Tatortspezifischen Umstände zur Präventionsarbeit.
Was nicht vorkommt: Ordnungswidrigkeiten, Verkehrsdelikte, politisch motivierte Delikte, Staatsdelikte und im Ausland begangene Straftaten werden in der Statistik nicht abgebildet.
Was mit einfließt: Mit einfließen dagegen auf den Dienstbereich der Polizeiinspektion Roding bezogene Straftaten im Ermittlungszuständigkeitsbereich von Kriminalpolizei, Zoll und Bundespolizei.