Wild auf der Straße: Was ist zu tun? Verkehrsexperte der Rodinger Polizei gibt Tipps

Von Oliver Hausladen · 10. April 2024 um 15:14

Deutlich um 61 auf 556 ist die Zahl der Wildunfälle im Bereich der Polizeiinspektion Roding im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2022 gestiegen. Joachim Zisler, Verkehrsexperte der Rodinger Polizei, kann nur vermuten, woran das liegt, er kennt aber besonders betroffene Stellen und weiß, was zu tun ist, wenn sich ein Zusammenstoß nicht mehr vermeiden hat lassen.

Über die Gründe, warum es mehr Wildunfälle gegeben hat, lasse sich nur spekulieren, sagt Zisler, möglich sei etwa eine Zunahme der Population. In der großen Mehrheit der Fälle sind Rehe die Auslöser, andere Tiere spielen nur eine kleine Rolle.

Momentan gelte es generell, vorsichtig zu fahren, zumal die Tiere im Frühjahr wieder mehr Nahrung finden würden und aktiver seien. Vor allem auf Strecken, in denen links und rechts der Straße Wald oder Wiese sei, sollte der Autofahrer wachsam sein. Diese Strecken seien auch durch Warnhinweis-Schilder gekennzeichnet.

Gefährliche Strecken

Generell seien die Wildunfälle im kompletten Dienstgebiet der Polizeiinspektion Roding, das rund 432 Quadratkilometer Fläche und elf Kommunen umfasst, verstreut, es gäbe aber durchaus Schwerpunkte, sagt Zisler. So sei die Gefahr eines Wildunfalls etwa zwischen Falkenstein und Gfäll, zwischen Wald und Reichenbach, zwischen Michelsneukirchen und Völling sowie zwischen Dangelsdorf und Hirschenbühl statistisch gesehen besonders hoch.

Die große Mehrzahl der Fälle ereignet sich zwischen 4 und 8 Uhr sowie zwischen 20 und 24 Uhr, wenn die Tiere besonders aktiv sind, weiß Zisler. Besonders in der Dämmerung gelte es deshalb, vorausschauend zu fahren.

Wichtig zu beachten sei, dass es sich in den seltensten Fällen um ein einzelnes Tier handelt, das unterwegs ist, „da folgen normalerweise einige.“ Die Gefahr sei also nicht gebannt, wenn ein Reh in vermeintlich sicherer Entfernung über die Straße laufe.

Sieht man ein Reh, gelte es, die Geschwindigkeit zu reduzieren, abzublenden, damit das Tier im Lichtkegel stehenbleibt, und vor allem zu hupen, um es möglichst zu vertreiben, erklärt Zisler.

Wenn das Tier aber quasi direkt vor das Auto laufe und ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden sei, gelte es, Ruhe zu bewahren, das Lenkrad mit beiden Händen zu fassen und, falls möglich, leicht zu bremsen. Keinesfalls sollten dagegen hektische Lenk- oder Ausweichbewegungen erfolgen. „Dann ist das Risiko, dass die Insassen des Autos verletzt werden, viel größer“, erläutert der Verkehrsexperte.

Im Normalfall blieben diese unverletzt, den Sachschaden am Auto übernimmt eine Teil- oder Vollkaskoversicherung, „man sollte also im Hinterkopf haben, dass das fast sicher glimpflich ausgeht, was bei einem Unfall, der durch ein Ausweichen entstehen kann, nicht der Fall sein muss.“

Nach dem Zusammenstoß muss die Unfallstelle per Warndreieck und Warnblinkanlage abgesichert werden, sagt der Verkehrsexperte. Außerdem muss eine Warnweste getragen werden, um anderen Verkehrsteilnehmern klar zu signalisieren, das etwas passiert ist.

Sofort Polizei anrufen

„Verletzte Tiere sollten keinesfalls berührt werden, da nicht klar ist, wie sie reagieren“, so der Verkehrsexperte. Auch dürfen tote Tiere nicht aufgeladen und weggefahren werden, „das würde unter Wilderei fallen“, sagt Zisler.

Unverzüglich muss auch die Polizei informiert werden, die dann im Nachgang auch eine Wildunfall-Bescheinigung ausstellt, erläutert Zisler. Dies sei kein großer Aufwand für den Verkehrsteilnehmer und Routine für die Polizisten. Die Beamten verständigen dann auch den zuständigen Jagdpächter.