Rekordzahlen bei der Polizeiinspektion Roding: 2023 passierten im Schnitt drei Unfälle pro Tag

Von Oliver Hausladen · 23. März 2024 um 05:00

Während die Zahl der Straftaten im Bereich der Rodinger Polizeiinspektion 2023 rückläufig war, sieht es bei den Verkehrsunfällen anders aus: Mit 1053 Fällen wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Das entspricht im Schnitt etwa drei Unfällen pro Tag.

Mit Kontrollen und Präventionsmaßnahmen werde die Rodinger Polizei versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken, sagte Verkehrsexperte Joachim Zisler bei der Vorstellung der Statistik.

Erst zum zweiten Mal wurde die Zahl von 1000 Verkehrsunfällen überschritten. 2022 waren „nur“ 940 Unfälle im Dienstgebiet der Rodinger Polizei, das elf Gemeinden und rund 35000 Einwohner umfasst, gemeldet. Ebenso gestiegen seien die Zahlen der Verletzten, der Unfallfluchten sowie der Alkohol- und Wildunfälle, erläuterte Zisler. 740 Unfälle haben sich außerorts ereignet, 313 innerorts.

Zwei Verkehrstote

Verletzt wurden durch Unfälle 110 Personen (Vorjahr: 95), ebenso wie 2022 gab es zwei Verkehrstote. Diese ereigneten sich in kurzer Zeit: Am 25. September verstarb ein 75-jähriger Radfahrer, nachdem er auf der Staatsstraße 2650 auf Höhe Regenpeilstein von einem Auto erfasst wurde. Nur einen Tag später wurde ein 76-jähriger Motorradfahrer getötet, nachdem er auf der Staatsstraße 2147 auf Höhe Kalsing beim Einbiegen von einem Pkw erfasst worden war.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschäden wuchs von 845 auf 943, ebenso gab es Steigerungen bei Klein- (von 709 auf 787) und Wildunfällen (von 492 auf 709). Positiv sei, so Zisler, dass es keine Schulwegunfälle gegeben hat. Eine Unfallflucht sei kein Kavaliersdelikt, machte der Verkehrsexperte deutlich. Auch die Zahl in diesem Bereich stieg von 93 auf 108. Der Großteil der Fälle ereigne sich dabei im ruhenden Verkehr, sagte Zisler.

Die häufigsten Unfallursachen

Häufigste Unfallursache waren Fehler bei Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (85 Fälle) vor Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot (56), zu geringer Sicherheitsabstand (53), Missachtung von Vorfahrt oder Vorrang (45), Geschwindigkeit (22), Alkohol (15) und Überholen (13).

Als Fahrzeuge am meisten beteiligt (außer Kleinunfälle) waren Autos (299). Dazu waren 30 Lastwägen, 29 Krafträder, 20 Fahrräder/Pedelecs, neun Fußgänger, vier Busse und 55 sonstige unbekannte Fahrzeuge bei den Unfällen involviert.

Auch nach dem Alter der Beteiligten hat Zisler die Unfälle statistisch ausgewertet. Am größten ist dabei die Altersgruppe von 25 bis 44 Jahren (29,4 Prozent) vor den 45- bis 64-Jährigen (25,3). Bei den Alkoholunfällen ist die Häufung beim Alter zwischen 25 bis 34 Jahren auffällig, mit acht Fällen stellt diese Gruppe 53 Prozent des Gesamtwerts. Allgemein werde auf Alkoholkontrollen verstärkt Wert gelegt, sagten Zisler und Inspektionsleiter Bernhard Hager, zumal auch der Wert von Alkoholfahrten ohne Unfälle um 30 Prozent gestiegen sei. „Bei Alkoholkonsum steigt die mögliche Unfallursache schon mit in den Wagen ein“, warnte Zisler.

Zahl der Fahrradunfälle ist gestiegen

Neun Fußgänger wurden in die Unfälle verwickelt, einer mehr als im Vorjahr. Dabei gab es fünf Leicht- und zwei Schwerverletzte sowie ein verletztes Kind. Auch die Zahl der Fahrradunfälle stieg von 17 auf 20. Bei den Motorradunfällen gab es mit 29 vier mehr als im Vorjahr.

Am häufigsten scheppert es im Vergleich nach Wochentagen DDonnerstags, hat Zisler herausgefunden. 198 Unfälle haben sich an diesen Tagen ereignet. Am ruhigsten ist es wenig verwunderlich SSonntags mit „nur“ 110 Fällen.

Die Hauptunfallzeiten sind im Berufsverkehr zwischen 5 und 8 Uhr (221 Fälle) sowie zwischen 16 und 19 Uhr (158). Auch im Zeitraum von 19 und 22 Uhr (257) ist es statistisch gesehen gefährlicher auf den Straßen als zu anderen Zeiten.

Viel mehr Wildunfälle

Einen deutlichen Anstieg um 61 auf 556 gab es bei den Wildunfällen. Woran das liegt, darüber kann Zisler nur spekulieren. Die meisten Vorfälle ereigneten sich zwischen 4 und 8 Uhr (183) sowie zwischen 20 und 24 Uhr (166), oft in der Dämmerung. Zum Großteil kommt es dabei zu Unfällen mit Rehen (486), eine kleinere Rolle spielen Hasen (32), Füchse (15), Dachse (zehn), Greifvögel (neun), Schwarzwild (zwei) und sonstiges Wild (zwei).

Die Zahl der Unfälle nach Gemeinden gegliedert hängt stark von deren Größe ab, erläutert Zisler. So gab es in Roding 384, in Pösing dagegen nur 24 Vorfälle. „Das ist aber ganz normal“, sagte Zisler, „wo mehr los ist, passiert auch mehr.“

Auch einige Verkehrsdelikte

Zusätzlich zu den Unfällen kamen auch einige Verkehrsdelikte. So wurden 39 Alkohol- und zehn Drogenfahrten registriert. Vier Mal wurden Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss unterbunden. Es gab 55 weitere Verkehrsstraftaten, davon 27 Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis.

223 Geschwindigkeitsmessungen führten die Beamten der Rodinger Polizei im vergangenen Jahr durch, dabei gab es 545 Beanstandungen sowie 13 Fahrverbote. Außerdem wurden die Polizisten auf 157 Handyverstöße aufmerksam.

Kontrolle, Überwachung und Prävention

Gegen hohe Unfallzahlen: Um die hohe Zahl an Unfällen vielleicht wieder etwas nach unten schrauben zu können, setzt die Polizeiinspektion Roding auf Kontrolle, Überwachung und Prävention.

Verstärkte und spezielle Kontrollen: So wird es weiter verstärkt Verkehrskontrollen geben, etwa auf den Gebieten Alkohol, Drogen, Geschwindigkeit, Sicherheitsgurt, Handy und Überwachung von Überholverbots-Strecken. Auch spezielle Kontrollen von Motorrädern (Geschwindigkeit, technische Ausrüstung), Fahrrädern (Pedelecs, E-Bikes, Scooter) und Autos (Tuning-Kontrollen) sind geplant.

Schulwege besonders überwacht: Besonders überwacht werden von der Polizei Schulwege, Wege zu Kindertagesstätten und der ruhende Verkehr.

Vorträge und Aktionen für alle Altersklassen: Für alle Altersgruppen sind Präventionsmaßnahmen geplant. So gibt es etwa Schulwegtraining für Kinder, Info-Abende für Eltern von Schulanfängern und Fahrradausbildung in den vierten Klassen. An den Schulen gibt es Vorträge zum Thema „Sucht“ (Alkohol, Drogen), ebenso wie für die Älteren zum Thema „Senioren im Straßenverkehr“. Unter anderem ist in diesem Jahr in Roding auch die Aktion „Fußgänger im Blick“ geplant.