Zwischen Bonanza und Heimatliebe: „Hänsn“ aus Rittsteig schreibt bayerische Countrysongs

Ein Osser-Pils steht vor ihm auf dem Tisch, der aus einem Baumstumpf besteht. Eine rote Katze huscht über die Hofeinfahrt am Hinterhelmhof in Rittsteig, dann noch eine graue. Auf dem Kopf trägt er einen braunen Trachtenhut. So sitzt der „Hänsn vom Helmhof“ auf seinem Gredbankerl. Dort, wo er sich gerade mit seiner Lebenspartnerin Angelika Müller unterhält, sind schon viele seiner bekannten Lieder entstanden.
„Hänsn“ ist der Kopf der Ranchers, der bekannten Waidler Countryband aus Neukirchen beim Heiligen Blut. Hans Christoph, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, wurde 1960 in Rittsteig geboren.
„Damals noch zu Hause“, sagt er. Seine Kindheit sei von Bonanza und anderen Cowboyfilmen geprägt gewesen. „Das hat mich immer fasziniert. Dann ist das mit der Country-Musik und der Steel-Gitarre losgegangen. Das hast du als Kind aufgeschnappt und das hat mir sehr gefallen“, erzählt der gelernte Schreiner.
Grüne Salem ohne Filter
Mit etwa zehn Jahren habe er begonnen, Gitarre spielen zu lernen. „Der ‚Bloschn Alfred’, also Alfred Altmann, war mein Coach. Er war Musikant. Er hat mit dem Akkordeon gespielt und ich mit der Gitarre.“
Wie „Hänsn“ sagt, habe der „Bloschn Alfred“ nichts für den Gitarrenunterricht verlangt. „Aber mein Papa wollte, dass ich ihm dafür was geb’“, sagt er. Also habe er ihm als Bezahlung regelmäßig Minzenschusser und Salem-Zigaretten gekauft – „die grünen ohne Filter“.
Im Alter von etwa 14 Jahren habe „Hänsn“ sein Umfeld nicht mit seiner bayerischen Musik beeindrucken können. Im Gegenteil: „Es war die Zeit von ‚Smoke on the Water’. Jeder wollte das hören, aber nicht das, was ich gespielt habe.“ Davon habe er sich so beeinflussen lassen, dass er für kurze Zeit aufgehört hatte, Musik zu machen.
Mit etwa 16 Jahren habe er dann eine E-Gitarre bekommen. „Das hat mir dann so Spaß gemacht und dann bin ich auch drangeblieben“, erinnert sich der 63-Jährige. Bald hat er begonnen, eigene Liedtexte zu schreiben. Sein erster Song war das „Brodheringlied“(Bratheringlied). „Anfangs habe ich auch die Leute ausgesungen, beispielsweise einen Freund, der keinen Führerschein hatte, oder meinen Nachbarn, der immer Lotto gespielt, aber nie gewonnen hat.“
Es folgten die Lieder, die später zum Repertoire der Ranchers wurden und noch heute bekannt sind – „Meine Rocky Mountains ist der Osser“, „Cowboystiefel“ oder „I tramp’ amoi auf Nashville“ sind nur einige davon. Durch die Cowboy-Filme und Sänger wie Johnny Cash habe sich bei „Hänsn“ der „Traum von Amerika“ entwickelt. „Ich wollte da immer hin und das alles sehen, die Konzerte, die Plattengeschäfte und Nashville. Das war immer mein Ding.“
Aus diesem Grund seien seine eigenen Songs sehr vom Country Stil geprägt, sagt er. „Meine Musik ist aber trotzdem auf die Heimat bezogen. Es ist halt eine Mischung. So wie ich bin, ist auch meine Musik.“ Den Traum von Amerika konnte sich „Hänsn“ nicht erfüllen. „Ich habe es leider nicht geschafft und ich habe es für mich auch abgehakt“, sagt er. Immer sei etwas anderes dazwischengekommen, vielleicht habe ihm aber auch einfach die Courage gefehlt, zu sagen: „So, und jetzt dou i furt!“, erzählt der Musiker.
Diagnose ließ Traum platzen
In erster Linie hat sein geplatzter Traum aber mit seiner Gesundheit – besser gesagt, mit seiner Krankheit – zu tun. Er erkrankte an Darmkrebs. 2012 hatte er die Diagnose bekommen. „Das war eine Lebenserfahrung. Da war von heute auf morgen nichts mehr so wie vorher.“ Operation folgte auf Operation, Chemotherapie – „die volle Dröhnung“: „Anfangs hat es nicht gut ausgeschaut. Aber ich wusste, da muss man was machen. Ich wollte leben“, sagt „Hänsn“.
Seit 2017 gilt er als geheilt. „Die Ärztin meinte damals zu mir: ‚Ich kann es medizinisch nicht belegen, aber 60 bis 70 Prozent Ihrer Genesung liegt an Ihrer positiven Einstellung zum Leben’“, erzählt er. Die Musik habe ihm durch diese schwere Zeit geholfen. „Egal wie dreckig es mir ging, die Gitarre hatte ich jeden Tag in der Hand, zur Ablenkung.“
Heute musiziert „Hänsn“ immer noch regelmäßig. Ein Pflichttermin für ihn ist das Vorspielen in der Seniorenresidenz St. Benediktus in Bad Kötzting. „Ich mache das einmal im Monat ehrenamtlich, und das mache ich auch solange ich kann.“
Seit etwa 2018 spielt er den Senioren dort vor. Anfangs noch zusammen mit Matthias Baumgartner, nach dessen plötzlichen Tod nur mehr alleine. „Da solltest du die Gesichter der Leute sehen. Ich suche den Kontakt zu ihnen, gehe zu ihnen hin und spiele mit der Gitarre. Das macht mir Spaß und es ist eine schöne Sache. Ich gehe da jedes Mal mit einem guten Gefühl wieder raus.“
Seine Gage sei dabei immer ein Falter-Weißbier und eine Tasse Cappuccino – „mehr will ich dafür nicht“, sagt er. „Ich glaube, der Herrgott hat sich bei mir gedacht: ‚Den brauch’ ich noch, der kann im Altenheim vorspielen’, deswegen habe ich auch den Krebs so gut überstanden und dafür bin ich dankbar.“
