Der elfjährige Kristof leidet an Autismus und benötigt Geld für eine neue Therapie

Der elf Jahre alte Kristof leidet an Autismus. Eine neuartige Stammzellentherapie könnte ihm laut Ärzten helfen, seine Kommunikation mit der Umwelt zu verbessern. Weil die Kosten dafür nicht erstattet werden, hat Christian Wagner nun eine Spendenaktion für den Jungen ins Leben gerufen. Der Chamer hofft, dass auf der Spendenplattform GoFundMe 9500 Euro für die Therapie zusammenkommen.
„Kristof ist der Sohn eines guten Bekannten“, erläutert Wagner. Der Freund wolle nicht an die Öffentlichkeit treten – „ihm ist es peinlich, dass er quasi nicht für die Gesundheit seines Kindes sorgen kann“, schüttelt der 58-Jährige den Kopf. Dabei habe die Familie von Kristof in den letzten zehn Jahren mehr als genug durchmachen müssen. Die Behandlung von Kristof sei wegen seiner verschiedenen Symptome sehr kostenaufwendig. Kristof benötigt eine besondere Diät und stetige Förderung, um seine Fähigkeiten zu verbessern.
Kein Geld mehr übrig
„Das hat praktisch die finanziellen Möglichkeiten meines Bekannten aufgezehrt“, sagt Wagner, der bei der Firma Zollner als Qualitätsmanagement-Leiter arbeitet und sich sofort einverstanden erklärte, nach außen hin den Kontaktmann für die Spendenaktion zu machen.
„Da meint man immer, man startet eine Spendenaktion, und dann sieht das die ganze Welt, und innerhalb von zwei Tagen hat man eine Million Euro zusammen“, schüttelt Wagner über seine eigene Naivität den Kopf. „Das war natürlich bei weitem nicht so.“ Von den 9500 Euro, die als Spendenziel angegeben wurden, sind nach gut zwei Wochen gerade einmal 1040 Euro zusammen. Wagner: „Ich bekam einen Anruf von einer GoFundMe-Mitarbeiterin, weil die Aktion so schleppend anlief. Die Frau hat Tipps gegeben, was man machen könnte, und unter anderem hieß es, man könnte sich an die lokale Zeitung wenden oder über soziale Medien wie Instagram oder WhatsApp die Spendenseite teilen.“
Weil Wagner in den sozialen Medien nicht allzu aktiv ist, hat er telefonisch Bekannte und Freunde um Hilfe gebeten. „Aber das geht eben auch nur bis zu einem bestimmten Grad. Jeder muss für sich selber entscheiden, ob und wofür er spendet“, räumt Wagner ein.
Kristofs Vater schildert auf der Spendenseite im Internet den Leidensweg seines Sohnes. „Seine ersten Symptome traten im Alter von 1,5 Jahren auf, als er fast über Nacht introvertiert wurde und nicht mehr so viel lächelte. Seine Kommunikation, die anfangs nur aus wenigen Worten bestand, wurde durch einen verschlossenen Ausdruck ersetzt, und er nahm die Außenwelt nicht mehr wahr. Er schlief nachts stundenlang nicht, entwickelte Durchfall (IBS) und nahm weder zu noch ab.“ Kristof musste auf eine glutenfreie, milchfreie und eifreie Ernährung umgestellt werden. Es dauerte lange, bis sich die Beschwerden besserten, aber er muss bis heute Diät halten.
Zahlreiche nicht-pharmakologische Behandlungen folgten – unter anderem mit Vitaminen, Mineralien, Prä- und Probiotika zur Korrektur von Defiziten – , auch Therapien zur Sprachanbahnung, Frühförderung und Neurofeedback wurden begonnen. Inzwischen kann Kristof deshalb über grundlegende nonverbale Zeichen kommunizieren, aber seine Entwicklung ist seit einiger Zeit ins Stocken geraten. „Auf Anraten unseres Arztes, der ein Experte auf diesem Gebiet ist, sollten wir eine Stammzellentherapie ausprobieren, die keinen drastischen Eingriff darstellt und weniger gefährlich ist als die Injektion von gezüchteten Stammzellen in das Rückenmark“, begründet Kristofs Papa die Bitte um Hilfe bei der Finanzierung der neuartigen Therapie.
Die Idee dabei ist es, Stammzellen an den Ort der problematischen oder abgestorbenen Zellen zu bringen. Eine Behandlung dauert etwa fünf bis sechs Monate, bis sie eine spürbare Verbesserung bringen soll.
Ziel: Selbstversorgung
„Unser Ziel ist es, Kristofs Sprachentwicklung in Gang zu bringen und ihn nach Möglichkeit so weit zu bringen, dass er sich selbst versorgen kann und einigermaßen in die Gesellschaft integriert ist.“ Kristof soll am Leben teilhaben und seine Talente und Fähigkeiten entwickeln können. „Wir müssen jetzt an seine Zukunft denken, denn wir werden nicht ewig für ihn da sein können, so sehr wir uns das auch wünschen würden.“
Christian Wagner weiß: Kristofs Familie hat Angst, vor Bekannten oder Arbeitskollegen zuzugeben, dass ihre Mittel erschöpft sind. Kristofs Vater sagt: „Mit all den anderen Behandlungen und speziellen Diäten können wir uns diese neue Therapie nicht mehr leisten.“ Er bittet um Hilfe: „Wenn Sie uns hierbei unterstützen würden, würde uns und vor allem Kristof dies sehr viel bedeuten. Wie sind für jede Spende sehr dankbar.“
Wagner ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat bereits für die gute Sache gespendet. Er ist einer von zwölf Spendern bisher. „Ein paar mehr sollten es schon noch werden, das wäre schön“, sagt der Zollner-Mitarbeiter.
Hintergrund
Krankheit: Autismus ist eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Häufig bezeichnet man Autismus beziehungsweise Autismus-Spektrum-Störungen auch als Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltensrepertoires auswirken. Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Im Bereich der Kommunikation sind die Entwicklung des Sprachgebrauches und die des Sprachverständnisses gleichermaßen betroffen.
Häufigkeit: Autismus-Spektrum-Störungen treten bei sechs bis sieben von 1000 Personen auf.
Ursachen: Trotz umfangreicher Forschungsergebnisse hat sich bislang noch kein umfassendes Erklärungsmodell herausgebildet, das vollständig und schlüssig die Entstehungsursachen autistischer Störungen belegen kann. So unterschiedlich sich die ursächlichen Faktoren für das Syndrom bisher darstellen, so vielfältig und an den Bedürfnissen des Einzelnen ausgerichtet sind pädagogische und therapeutische Ansätze.
(Verband zur Förderung von Menschen mit Autismus)
Spendenseite: https://www.gofundme.com/f/spende-fur-kristof-autismus

