Ein Tattoo, das Leben retten kann: Paar lässt sich Organspende-Symbol stechen

Das leise rhythmisch surrende Geräusch verstummt. Vanessa Pocklitz legt die Tätowierpistole beiseite. Nicht ganz eine halbe Stunde hat es gedauert – jetzt ist Verena Hampel offiziell Organspenderin. Und jeder kann es sehen. Zumindest im Sommer, wenn keine Ärmel das neue spezielle Tattoo am Unterarm verdecken.
Auch die zehnjährige Zoey trägt das „Organ Donor“-Symbol auf ihrem Arm – sie hat es sich mit Filzstift auf die Haut gemalt, als sie von der Idee dahinter erfahren hat, lacht Mama Vanessa.
Der Verein Junge Helden mit Hauptsitz in Mainz hat es sich vor 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, das Thema Organspende in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit der Initiative Opt.Ink bietet der Verein nun auch eine Alternative zum Organspendeausweis – ein tätowiertes Symbol, das darauf hinweist, dass der Träger Organspender ist. Im Landkreis arbeitet Vanessa Pocklitz aus Rhanwalting mit dem Verein zusammen. In ihrem Tattoostudio „Goldene 13“ in Rhanwalting hat sie schon mehreren Kunden das Symbol in die Haut geritzt.
Rhanwaltingerin unterstützt Opt.Ink
Über eine Kundin ist die Tätowierkünstlerin auch vor ein paar Monaten zum ersten Mal mit dem Zeichen in Berührung gekommen. „Die Kundin hat mir die Vorlage geschickt, und neugierig, wie ich bin, habe ich mich gleich umfassend darüber informiert“, erzählt Pocklitz. Die 35-Jährige trägt sich gleich in die Unterstützer des Vereins auf deren Webseite ein. Nach den Vorgaben des Vereins nimmt sie für das Tätowieren des Symbols lediglich die Materialkosten oder die Kosten für ein Gesamttattoo, in das das Symbol eingebettet wird. „Das machen viele, dass sie das Symbol individualisieren.“
Opt.Ink: ein Variables Tattoo-Symbol
Im Internet finden sich bereits zahlreiche Abweichungen des Original-Symbols. Es wird mit Blumen oder Sonnenmotiven erweitert, in bestehende Tattoos integriert, mit verschiedensten Techniken in die Haut eingebracht.
„Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt auch die Rhanwaltingerin die sich das Tätowieren selbst beigebracht und dafür anderen Tätowierern über die Schulter geschaut hat. „Das ist ene sinnvolle Sache, ich bin ohnehin immer sehr sozial eingestellt“, sagt sie.
Paar ist schon lange Organspender
Auch Verena Hampel war schnell von dem Symbol überzeugt, als sie und ihr Mann davon erfuhren. „Wir haben dann ein bisschen dazu gegoogelt, und Verena hat uns direkt zu einem Termin angemeldet“, lacht Hagen Hampel. Gerade als junge Eltern sehen sich die gelernte Kauffrau und der Elektroniker in der Verantwortung. Beide haben bereits einen Organspendeausweis, sind auch als Stammzellenspender registriert, Hagen geht regelmäßig Blut spenden. Aber dass man direkt auf der Haut sehen kann, dass man seine Organe weiterverwendet haben möchte, hat die beiden von der Idee überzeugt.
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Werbung für Organspende
Hagen findet es sehr schade, dass in Deutschland nach wie vor nur als Organspender gilt, wer ausdrücklich zugestimmt hat. „In anderen Ländern ist es so, dass man erst einmal Organspender ist, und man muss sich dagegen aussprechen, wenn man das nicht will. Dort gibt es viel mehr Organspender als bei uns“, kennt Hagen Hampel die traurige Statistik. Die besagt auch, dass in Deutschland jedes Jahr tausende Kranke auf Organe warten. Dagegen, so heißt es beim verein Junge Helden, sei fast jeder vierte Deutsche tätowiert. „Das ist doch eigentlich ein schönes Gefühl, wenn man helfen kann“, sagt Verena. Und ihr Mann ergänzt: „Wenn ich tot bin, kann es mir doch egal sein, was mit meinem Körper passiert.“
„Organ Donor“-Symbol ist variantenreich
Im Tattoostudio von Vanessa Pocklitz gestaltet und verfeinert Vanessas Mann Andreas am Tablet die Vorlagen. Verena will ihr „Organ Donor“-Tattoo mit Lotusblüte und in Dotwork-Technik aufhübschen, Hagen hat sich für eine coole Rohversion des Symbols entschieden. Verena, als alter Tattoo-Profi – sie at bereits vier kleinere Tattoos – bekommt ihr Tattoo als erstes. Danach ist Hagen an der Reihe. Für ihn ist es das erste Tattoo. Die beiden sind inzwischen schon kunde Nummer fünf und sechs bei Vanessa, die sich das Symbol stechen lassen.
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Auch in Runding beim Tattoostudio Needles & Pins sind in den letzten Wochen bereits einige Anfragen nach dem Symbol eingegangen. „Leider weiß noch nicht jeder, was das Symbol bedeutet“, sagt Vanessa Pocklitz.
Sana-Kliniken: „Eine tolle Sache“
Eine Nachfrage beim den Sana-Kliniken ergibt: Zumindest im Chamer Krankenhaus kennt man das Tattoo, „das ist eine tolle Sache“, betont Unternehmenssprecherin Constanze Kumpf.
Im Herbst will Tätowiererin Vanessa Pocklitz sich übrigens auch selbst das Opt.Ink-Symbol stechen lassen. Und auch ihre Eltern haben sich schon dazu angemeldet, erzählt sie.
Junge Helden
Tattoo: Die geometrischen Formen des Opt.Ink-Tattoos bilden das Akronym für Organ Donor. Ein Halbkreis wird mit einem weiteren Halbkreis zu einem Ganzen. Es ist einfach und schnell zu tätowieren mit möglichst wenig Kostenaufwand für die Tattookünstler.
Organspende: In Deutschland warten rund 10000 Menschen auf eine Organtransplantation. Auch in diesem Jahr werden circa 1000 Menschen ihr lebensrettendes Organ nicht rechtzeitig bekommen. Das Tragen einer Einwilligung reicht als Hinweis für Angehörige und Ärzte. Die Idee hinter Opt.Ink: In Deutschland ist jeder Vierte tätowiert.
Info: Im Web unter https://junge-helden.org/optink
Goldene 13: Vanessa Pocklitz hat im Oktober ihr Tattoostudio in Rhanwalting eröffnet und arbeitet seit Kurzem mit dem Verein Junge Helden zusammen. Tel. 0179 4602406


