So hat der Landkreis Cham gewählt: Englhardt-Kopf (CSU) holt Direktmandat – AfD landet auf Platz zwei

Die Bundestagswahl hat im Wahlkreis Schwandorf für deutliche Veränderungen gesorgt. Während die CSU erneut das Direktmandat holt, legt die AfD massiv zu und erreicht in mehreren Kommunen Spitzenwerte. Die SPD-Politikerin Marianne Schieder verpasst den Wiedereinzug in den Bundestag.
Für CSU-Kandidatin Martina Englhardt-Kopf endete der Wahlabend mit gemischten Gefühlen. Mit 42,2 Prozent der Erststimmen sicherte sie sich souverän das Direktmandat und konnte ihr Ergebnis im Landkreis Cham deutlich verbessern. Zufriedenheit über ihren eigenen Erfolg wich jedoch schnell der Sorge angesichts der starken AfD-Zweitstimmen.
Martina Englhardt-Kopf (CSU) verteidigt Direktmandat
Schon früh am Abend zeichnete sich das Ergebnis ab. Gemeinsam mit Landrat Franz Löffler, MdL Dr. Gerhard Hopp und Ex-Bundestagsabgeordnetem Karl Holmeier analysierte Englhardt-Kopf die Lage. Holmeier erklärte die AfD-Zuwächse mit der „Unzufriedenheit über ungelöste Probleme“, insbesondere bei Migration, Wirtschaftsfragen und Sicherheitspolitik. Landrat Löffler fügte hinzu, der Landkreis Cham habe „immer schon etwas besser dabei“ abgeschnitten, wenn es um rechte Parteien gehe.
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Trotz der Erfolge bei den Erststimmen zeigte sich Englhardt-Kopf auch selbstkritisch: „Wir haben einen klaren Regierungsauftrag und müssen das Land schnell in den Griff bekommen.“ Die hohen AfD-Ergebnisse wertete sie als Zeichen tiefer Verunsicherung vieler Wähler und forderte eine „praxistaugliche Politik“ als Antwort.
MdL Gerhard Hopp lobte den engagierten Wahlkampf von Englhardt-Kopf und Listenkandidat Stephan Tomas: „Wir haben schwere Zeiten für die Demokratie. Gerade jetzt muss eine Volkspartei wie die CSU dagegenhalten.“ Auch Landrat Franz Löffler betonte, dass die Sorgen der Bürger ernst genommen werden müssten. „Das AfD-Ergebnis kann niemanden zufriedenstellen“, sagte er mit Blick auf die Zweitstimmen.
Englhardt-Kopf versprach in ihrer Ansprache, auch weiterhin Politik für die Heimat zu machen. Besonders kritisierte sie die „ideologische Politik“ der Ampel-Regierung, etwa bei der Diskussion um Holzheizungen: „Man kann nicht Gegenliebe erwarten, wenn man den Menschen im Wald-Landkreis das Holzheizen verbieten will.“
Marianne Schieder (SPD) scheidet aus dem Bundestag aus
Für Marianne Schieder (SPD) verlief der Wahlabend wie erwartet enttäuschend. Ihre Partei hatte sie auf den aussichtslosen Listenplatz 24 gesetzt, weshalb sie sich im Wahlkampf auf Erststimmen konzentrierte. Doch mit 14 Prozent im Wahlkreis – und nur 11,5 Prozent im Landkreis Cham – verpasste sie den Wiedereinzug in den Bundestag. „Ich habe mit diesem Ergebnis gerechnet, aber die hohen AfD-Zahlen schockieren mich“, sagte Schieder. Die SPD kam bei den Zweitstimmen im Landkreis Cham auf rund acht Prozent und verlor über sieben Prozentpunkte. Schieder will sich weiterhin kommunalpolitisch engagieren.
AfD: „Bombastisches Ergebnis“ – Mixl bangt um Einzug
Die AfD verzeichnete einen deutlichen Zuwachs und landete auf Platz zwei hinter der CSU. Direktkandidat Reinhard Mixl sprach von einem „bombastischen Ergebnis“ und kündigte an, künftig der CSU den Spitzenplatz streitig machen zu wollen. In mehreren Kommunen wurde die AfD sogar stärkste Kraft, etwa in Roding (30,4 Prozent), Furth (29,5 Prozent) und Cham (26,6 Prozent). Ob Mixl über den 19. Listenplatz den Einzug in den Bundestag schafft, war am Wahlabend noch unklar.
Freie Wähler, Linke und ÖDP: Zufriedenheit trotz niedriger Resultate
Die Freien Wähler erreichten im Wahlkreis 7,3 Prozent der Erst- und 7,8 Prozent der Zweitstimmen. Direktkandidat Fabian Schmid zeigte sich zufrieden, obwohl die Ergebnisse hinter denen von 2021 zurückblieben. Die Partei will bei den kommenden Kommunalwahlen gezielt als Gegengewicht zur AfD auftreten.
Der Direktkandidat der Linken, Tobias Mainka, freute sich vor allem über das bundesweite Ergebnis seiner Partei. Persönlich hatte er im Wahlkreis mit einem schwachen Abschneiden gerechnet, betonte aber den positiven Wahlkampf: „Wir haben uns verdoppelt, was die Mitgliederzahl angeht.“
Bianca Heistrüvers von der ÖDP kam auf rund 0,5 Prozent und sprach von einem „erwartbaren Ergebnis“. Sie sieht die Hürden für kleine Parteien als Hauptproblem und betont: „Die Leute müssen aufwachen!“
Fazit: Ein Wahlkreis im Wandel
Die Bundestagswahl hat im Wahlkreis Schwandorf deutliche politische Verschiebungen offenbart. Während die CSU ihr Direktmandat verteidigt, verpasst die SPD den Wiedereinzug in den Bundestag. Der massive Zuwachs der AfD sorgt für Sorgenfalten bei den etablierten Parteien. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie diese Veränderungen die politische Landschaft der Region prägen werden.
Grüne zufrieden mit Ergebnis – BSW blickt optimistisch nach vorn
Tina Winklmann von den Grünen zieht über Listenplatz 7 sicher wieder in den Bundestag ein und zeigt sich mit dem Wahlergebnis zufrieden. Trotz Regierungsbeteiligung seien die Grünen im Wahlkreis stabil geblieben. Für Winklmann ein Zeichen, dass „die Leute uns dabei haben wollen“. Sie sieht das Ergebnis als Auftrag, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, und kritisiert die ablehnende Haltung von Markus Söder gegenüber den Grünen: „Bayern ist auch grün!“ Gleichzeitig warnt sie vor den starken AfD-Ergebnissen: „Blau ist keine Lösung.“ Winklmann betont die Notwendigkeit, AfD-Wähler besser aufzuklären, um populistischen Falschinformationen entgegenzuwirken.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erreichte im Wahlkreis 2,5 Prozent. Für den Regionalverantwortlichen Dr. Stefan Scheingraber ein solider Start: „Die AfD hat auch mal mit 4,7 Prozent begonnen.“ Da die Bundestagswahl überraschend kam, konnte das BSW keinen Direktkandidaten aufstellen – das soll sich zur Kommunalwahl ändern. Scheingraber zeigt sich zuversichtlich, dass die Partei weiter wachsen wird, unabhängig davon, ob der Einzug in den Bundestag gelingt.




