Trotz starker AfD: Martina Englhardt-Kopf (CSU) hofft auf erneuten Einzug in den Bundestag

Die Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) kämpft um eine weitere Amtszeit in Berlin – und das unter verschärften Bedingungen. Der Wahlkampf ist kürzer als sonst, die Termine drängen sich dicht an dicht. Dennoch gibt sich die Direktkandidatin für den Wahlkreis Schwandorf-Cham gibt kämpferisch: „Ich gebe natürlich alles, um starke Ergebnisse einzufahren.“
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Infrastruktur im ländlichen Raum. Aus ihrer bisherigen Amtszeit, insbesondere als Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, weiß sie, dass bürokratische Hürden viele Projekte unnötig verzögern – allen voran beim Straßenbau.
Englhardt-Kopf setzt auch auf eine zukunftsorientierte Energieversorgung, die den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung gerecht wird. „Schaffen wir es, dass diese weiterlaufen können?“, fragt sie mit Blick auf Biomasseheizkraftwerke wie in Schäferei bei Waldmünchen. Energieversorgung müsse regional gedacht werden, ebenso der Ausbau des Mobilfunks. Als Präzedenzfall nennt die Abgeordnete den Funkmast in Lam, der als Erster über das Bundesförderprogramm errichtet wurde: „Das wollen wir im Landkreis Cham erhalten, um im ländlichen Raum für die beste Infrastruktur zu sorgen.“
AfD ist eigentlicher Herausforderer bei dieser Wahl
Ihre Position ist klar: Politik für den ländlichen Raum müsse nicht nur dort gemacht, sondern auch dort gedacht werden. „Ich stelle mich mit vollem Einsatz für die Heimat zur Kandidatur“, betont sie. Die Sorgen der Bürger seien ihr vertraut − nicht zuletzt, weil sie selbst aus einer landwirtschaftlichen Familie stammt. Gerade in Zeiten multipler Krisen gehe es darum, bürger- und praxisnahe Lösungen zu finden.
Zur Erststimmenkampagne ihrer Mitbewerberin Marianne Schieder (SPD) äußert sich die CSU-Politikerin gelassen. „Ich mache einzig Wahlkampf für die CSU“, stellt sie klar. Die Partei sei etabliert, ihre Ziele eindeutig. „Von der SPD sind wir inhaltlich klar abgegrenzt. Wofür die SPD steht, hat man in den vergangenen drei Jahren gesehen“, gibt sich die Schwandorferin geklärt.
Als eigentlichen Herausforderer sehe sie aktuell hingegen die AfD. Englhardt-Kopfs Mission sei es daher, möglichst viele Stimmen im bürgerlichen Lager zu halten: „Es gilt, die Wähler davon zu überzeugen, dass wir von der CSU korrigieren.“ Engl-hardt-Kopf spricht insbesondere Themen wie Migration, Technologie und Energie an – Politikfelder, in denen die Ampel-Regierung ihrer Meinung nach versagt habe.
Besonders am Herzen liegt ihr die Waldbewirtschaftung. Gerade im Bayerischen Wald sei diese von existenzieller Bedeutung. „Man muss die Sorgen und Nöte der Bürger ernst nehmen“, sagt sie und verweist darauf, dass etwa jeder zweite Haushalt in der Region einen Holzofen besitzt. Entsprechende politische Vorgaben aus Berlin stoßen ihrer Ansicht nach oft auf wenig Verständnis: „Man darf die Menschen nicht vor den Kopf stoßen.“
Es gilt, die Wähler davon zu überzeugen, dass wir von der CSU korrigieren.
MdB Martina Englhardt-Kopf
Wirtschaftlich setzt Engl-hardt-Kopf auf die Verflechtungen mit der Europäischen Union. „Wir brauchen die EU im Sinne des Exports und der Wertschöpfung“, sagt sie. Gleichzeitig weist sie der aktuellen Regierung eine zunehmende Distanz zur Bevölkerung zu: „Durch die links-grüne ideologische Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung ist Unmut gewachsen.“
Steigende Umfragewerte der AfD sind Warnsignal
Die steigenden Umfragewerte der AfD sieht sie als Warnsignal. Um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen, müsse die CSU ihr konservatives Profil wieder schärfen: „Wir haben in den letzten drei Jahren unsere Position in der Regierungsopposition genutzt, um unser Profil zu schärfen.“ Ihrer Ansicht nach sei die Partei in der Vergangenheit zu weit in Richtung Mitte-Links gerückt. Um diesen Fehler zu korrigieren, habe die CSU zuletzt besonders in der Migrationspolitik klare Kante gezeigt.
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Auch in der Verkehrspolitik sieht die Abgeordnete eine Schieflage zugunsten städtischer Strukturen. Das Deutschland-Ticket sei im ländlichen Raum von deutlich geringem Nutzen, als in den Städten – zahlen müssten dafür aber alle. Gleichzeitig werde das Autofahren immer teurer. Dennoch warnt Englhardt-Kopf vor einer zunehmenden Polarisierung: „Es darf nicht sein, dass das eine gegen das andere ausgespielt wird.“
Mögliche Koalitionen: Konservative Erneuerung notwendig
CSU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz verspricht eine spürbare Begrenzung der Migration. Doch wie soll das gelingen, wenn CDU und CSU eine Koalition mit der AfD ausschließen und stattdessen mit SPD oder Grünen regieren müssten? Englhardt-Kopf gibt sich kämpferisch: „Grundsätzlich müssen wir so stark wie möglich werden.“ Gleichzeitig hoffe sie auf eine konservative Erneuerung innerhalb der politischen Landschaft: „Es muss Erneuerungen geben, damit CDU/CSU etwa mit der SPD koalieren kann.“ Nur so könne Englhardt-Kopfs deutliche Vision in Berlin Wahrheit werden: „eine knallharte Politik an der Realität“.