Zwischen Schule und Verein: Birgit Heigl-Venus leitet die Jazzdance-Abteilung des 1. FC Miltach

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Birgit Heigl-Venus die heutige Jazzdance-Abteilung des 1. FC Miltach ins Leben gerufen hat. Seitdem bietet die Sparte mit vier Trainerinnen und weiteren Club-Assistentinnen jungen Mädchen vorwiegend aus dem Umkreis der Gemeinde Miltach die Möglichkeit, sich durch Tanz und Bewegung selbst zu verwirklichen. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt die Miltacherin auf die bisherige Entwicklung der Abteilung zurück und erklärt, was den Jazzdance so besonders macht.
Frau Heigl-Venus, was macht Jazzdance beim 1. FC Miltach so besonders und erfolgreich?
Birgit Heigl-Venus: Als Trainerin und Choreographin habe ich habe immer versucht, alle Kinder in eine Tanzgeschichte miteinzubeziehen. Darin sollte jedes einzelne Kind vorkommen. Angefangen haben wir damals mit Choreographien zu Liedern von Michael Jackson. Ich habe dabei immer versucht, den Kindern Folgendes klarzumachen: „Ihr seid die Geschichte.“ Jeder bekommt eine passende, auf ihn zugeschnittene Rolle, mit der er Teil eines Ganzen ist. Dabei steht auch die Stärkung des Selbstbewusstseins der Mädchen im Vordergrund. Ein solches gemeinsames Tanztheater mit allen Kindern und Jugendlichen macht eben auch unsere Abteilung aus.
Kurzer Rückblick auf das Jahr 2024: Welche waren die Höhepunkte in der Jazzdance-Abteilung des 1. FC Miltach?
Heigl-Venus: Ein Höhepunkt für uns war ganz klar die Auszeichnung mit dem Jugendpreis in der Kategorie „innovative und kreative Projekte“ des Landkreises Cham im Dezember. Das zeugt von Wertschätzung gegenüber dem, was wir machen.
Auftritt bei der Landesgartenschau in Furth im Wald
Aber auch der in Kooperation mit der Gesundheitsbotschafterin aus Miltach erstmalig durchgeführte Aktionstag rund um das Thema „Frauengesundheit“ hat das vergangene Jahr in unserer Abteilung geprägt. Für die Gestaltung des Tages waren federführend Eva Kleber und Kathrin Martin zuständig. Da wir eine solche Veranstaltung in der Art bis dahin noch nie organisiert hatten, waren wir gespannt, wie die Nachfrage sein wird. Letztlich wurde der Tag sehr gut angenommen. Etwa 50 Frauen und Mädchen sind gekommen, und das sogar teils von außerhalb des Landkreises. Wir möchten diesen Aktionstag daher auf jeden Fall beibehalten und weiterentwickeln. Ebenso wichtig im vergangenen Jahr war die Teilnahme unserer Abteilung am Sommerfest des 1. FC Miltach.
Welche Rolle spielen junge Trainerinnen für die Zukunft der Abteilung?
Heigl-Venus: Generell ist es bei uns wie in einer großen Familie, in der es natürlich ab und zu auch Reibereien gibt. Was unsere Abteilung aber zu einem großen Teil ausmacht, ist, dass die Trainerinnen die Mädchen teils seit deren Kindheit bis in die Jugend und das Erwachsenenalter begleiten. Die Beziehungsarbeit ist ganz wichtig. Dabei spielt es natürlich auch eine Rolle, dass wir eine reine Frauentruppe sind. Darauf sind die Mädchen stolz.
Welche Projekte oder Veranstaltungen stehen im Jahr 2025 bei der Jazzdance-Abteilung an?
Heigl-Venus: Da der Tag zur Frauengesundheit so gut angenommen wurde, möchten wir von der Abteilung dieses Projekt auf jeden Fall weiterführen, vielleicht auch mit ein paar Neuerungen. Unsere Mädchen zeigen außerdem wieder bei einigen Veranstaltungen in der Umgebung ihr Können, etwa bei den Faschingsbällen, beim Talentabend „It's Showtime“ des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting oder natürlich beim Sommerfest des 1. FC Miltach. Außerdem sind wir heuer mit Auftritten bei der Landesgartenschau in Furth im Wald vertreten.
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Sie haben die Abteilung über 24 Jahre aufgebaut. Was war der Anstoß dafür und was motiviert Sie, weiterhin so engagiert zu bleiben?
Heigl-Venus: Ich habe schon als Kind und Jugendliche selbst gerne getanzt. Eine meiner Sportlehrerinnen hat mich damals in der Hinsicht stark geprägt. Ich hatte damals so viele Ideen im Kopf, die ich unbedingt umsetzen wollte. Das ist mir bis heute eine Herzensangelegenheit. Gerade der Jazzdance lebt von der Musik.
Musikstücke verschmelzen zu ganz neuer Tanzgeschichte
Das Trainer-Team führt verschiedene Musikstücke zusammen und entwickelt daraus eine eigene, ganz neue Tanzgeschichte. Nachdem es außerdem damals beim FC in Miltach eher Angebote für Buben gab, wollte ich etwas für Mädchen schaffen. Aufgebaut habe ich die damalige Sparte vor allem in der Zeit, als ich meine erste Planstelle als Lehrerin am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Cham angetreten habe. Dazu habe ich parallel unter anderem eine Ausbildung zur Übungsleiterin absolviert. Erst später wurde die Sparte zur Abteilung, so wie es sie heute gibt.
Sie leiten auch das Sonderpädagogische Förderzentrum in Viechtach. Wie schaffen Sie es, diese Aufgabe mit dem Engagement zeitlich zu vereinbaren?
Heigl-Venus: Natürlich ist es nicht immer zeitlich einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber für mich war es immer wichtig, anderen Menschen Zeit und Gehör zu verschaffen. Es tut gut, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen. Und man bekommt definitiv etwas zurück, wenn man mit Menschen arbeitet. Das ist ein Grund, warum ich das Engagement neben meinem Beruf beibehalte.
Mit Sicherheit gibt es gewisse Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Arbeit in der Schule und der Tätigkeit als Abteilungsleiterin...
Heigl-Venus: Auf jeden Fall. So wie im Verein ist es auch in der Schule. Ich kann Impulse setzen und in meiner Position – ob als Trainerin oder Schulleiterin – viel weitergeben. Mein persönlicher Leitsatz dabei lautet: „Wenn ich Menschen führe, versuche ich, hinter ihnen zu gehen.“ Ich versuche den Kindern immer zu vermitteln, dass sie sich selbst ausprobieren können und sich selbst erleben sollen. Nachdem unsere Schule mittlerweile auch Kulturschule ist, haben unsere Schüler etwa beim szenischen Lernen Gelegenheit dazu, sich als Teil eines Ganzen zu begreifen. Genauso ist es bei der Entstehung eines Tanzprojektes im Verein.

