JBM und Fraunhofer: Schüler aus der ganzen Welt werden in Cham in Deutschklassen unterrichtet

Insgesamt rund 30 Schüler aus aller Welt lernen seit September in zwei Klassen gemeinsam die deutsche Sprache. In den neu etablierten Deutschklassen am Fraunhofer-Gymnasium und an der Johann-Brunner-Mittelschule sollen die Kinder in einem Jahr auf ihre weitere Schullaufbahn in Deutschland vorbereitet werden. Nach einigen Monaten wird sich herauskristallisieren, welche Schule sie im kommenden Jahr besuchen. Eine riesige Herausforderung für die Lehrkräfte – manche Kinder müssen erst einmal das ABC lernen.
Und genau darin liegt auch die besondere Herausforderung, sagt Klassenleiterin Ruth Meissner, die am Fraunhofer knapp 20 Mädchen und Buben aus sechs Ländern unterrichtet. Die Kinder kommen aus den verschiedensten Ländern mit unterschiedlichstem Vorwissen und kulturellen Differenzen, und die Klassenzusammensetzung ändert sich darüber hinaus auch während des Schuljahres immer wieder. „Das passiert zum Beispiel, wenn Flüchtlinge zu uns kommen, oder wenn Kinder mit der Familie hierherziehen, weil der Vater hier Arbeit gefunden hat“, erklärt Meissner. Gleich mehrere Kinder in der Klasse stammen aus Tschechien.
Von Grund auf Deutsch lernen: das ABC beherrschen
Andere Kinder müssen erst alphabetisiert werden, weil sie aus Ländern mit anderer Schrift kommen, „wir haben Schüler aus Ländern, wo Farsi, kyrillisch oder arabisch geschrieben wird“. Viele Kinder sprechen außerdem noch kein Englisch – schon allein die bloße Verständigung ist schwierig. „Die Kinder sind oft einfach noch zu jung und hatten noch kein Englisch, sodass man sich auch nicht damit behelfen kann“, erklärt Meissner. Mit Händen und Füßen, ganz viel Visualisierung, der Hilfe von Mitschülern und älteren Austauschschülern am Gymnasium und der moderner Technik klappt der Unterricht am Ende doch. „Der Google-Übersetzer hilft manchmal ungemein“, nimmt es Meissner mit Humor.
„Nach den positiven Erfahrungen mit den Brückenklassen war für uns ganz schnell klar, dass wir etwas Ähnliches auch weiterhin anbieten wollen“, sagt stellvertretende Schulleiterin Sigrid Schiedermeier. Während die Brückenklassen in den vergangenen Jahren ausschließlich ukrainische Flüchtlinge ins deutsche Schulleben integrieren wollten, sind die Deutschklassen für Kinder aus aller Herren Länder geöffnet. „Wir können jetzt endlich allen Schülern, die das möchten, Chancen bieten“, sagt sie. Die deutsche Sprache ist dabei nur eine der Herausforderungen, die die Kinder meistern müssen. Auch andere Fächer wie Mathematik und Englisch stehen auf dem Stundenplan, darüber hinaus auch kulturelle Bildung und Werteerziehung.
Manche Schüler mussten auch erst Respekt lernen
„Am Anfang des Schuljahres ging es auch darum, den Kindern Respekt und die richtige Arbeitsweise beizubringen, Pünktlichkeit, oder dass man sich erst meldet, bevor man spricht“, sagt stellvertretende Klassenleiterin Miriam Neubert. Sie macht die krassen Unterschiede in der bisherigen Lebensweise der Kinder deutlich: Ein syrisches Mädchen beispielsweise sei schon froh darüber gewesen, dass es an einem Tisch arbeiten und lernen darf, anstatt am Boden zu sitzen.
Ganzheitliche Hilfe
Die Lehrer helfen den Kindern nicht nur beim Lernen. Die Betreuung der Familien ist vielmehr ganzheitlich. Neubert ist vielen beim Schriftwechsel mit Behörden und Ausfüllen von Anträgen oder bei der Wohnungssuche behilflich. „Es ist ja klar, wenn da eine Familie zu zwölft in einem Zimmer lebt, dass dann schon allein die Erledigung der Hausaufgabe schwierig ist“, erklärt Meissner.
Ähnliche Erfahrungen macht man auch an der Mittelschule in Cham, wo laut Rektorin Irene Träxler knapp 15 Schüler aus fünf Ländern in der Deutschklasse zusammenkommen. „Gott sei Dank haben wir eine zusätzliche Kraft, die syrisch beherrscht“, sagt Träxler. Nur so sei es möglich, zügig mir dem Stoff voranzukommen.
Völlig unterschiedliche Voraussetzungen erschweren Unterricht
Nach wenigen Monaten sollen die Kinder zumindest soweit Deutsch beherrschen, dass sie sich in Alltagssituationen zurechtfinden. Bis zum Frühjahr sollen die Lehrer bereits in der Lage sein, mit den Eltern gemeinsam die künftige Schulart festzulegen, „In der Klasse sind Kinder, die vielleicht vom Gefühl her eher auf eine Förderschule gehören, aber auch Kinder, die später am Gymnasium bleiben werden“, sagt auch Irene Täxler.
Deutschklassen: Reaktion auf Flüchtlingszahlen
Deutschklasse: Um adäquat auf die hohen Schülerzahlen insbesondere aus Flucht- und Asylherkunftsländern reagieren zu können, wurde in Bayern mit den schulartunabhängigen Deutschklassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 ab dem Schuljahr 2024/25 ein neues Instrument der schulischen Erstintegra- tion geschaffen, in dem die weiterführenden Schularten neu zugezogenen Kindern ein erfolgreiches schulisches Ankommen in Bayern ermöglichen.


