Chamer Schüler lassen sogar Handys und Markenkleidung in den Fundkisten liegen

Von Tanja Fenzl · 23. Februar 2024 um 19:00

Mützen, Schals, Handschuhe, Jacken, Schuhe, Sammelkarten, Stifte, Schmuck – was in den Chamer Schulen im Lauf des Jahres so alles liegenbleibt, könnte einen Secondhand-Laden füllen. Selbst hochwertige elektronische Geräte werden oft nicht mehr abgeholt. Nur: Was machen die Schulen mit den vielen Fundsachen?

Ob Grundschule oder weiterführende Schulen: Überall bleiben täglich Sachen liegen. In allen Schulen hat die Verwaltung Fundkisten oder -ecken eingerichtet, wo die verlorenen Dinge aufbewahrt werden. Indes: Vieles verbleibt dort bis zum Schuljahresende. Die Schulleiter können es kaum fassen, dass selbst teuerste Gegenstände nie zurückverlangt werden.

„Ich könnte inzwischen selbst eine Pokemon-Sammlung starten“, sagt Grundschul-Rektorin Stefanie Brunner. Nahezu täglich würden Sammelkarten im Schulhaus gefunden, die keiner zu vermissen scheint. Auch Stifte könnten inzwischen mehrere eigene Federmäppchen füllen.

Pokemonkarten und Stifte

Daneben sind in der hölzernen Fundkiste zu finden: Sportsachen, Socken, Brotdosen, Schuhe – auch ein Unterhemd sei einmal dabei gewesen, erinnert sich Brunner. „Da fragt man sich dann schon, wann sich das Kind so entblößt hat“, lacht Brunner. Kettchen oder Geldbeutel werden im Sekretariat verschlossen aufbewahrt. „Wir legen die Sachen immer wieder wie bei einem Flohmarkt in der Pausenhalle auf, im Vorbeirennen findet dann das ein oder andere Kind wieder ein Teil“, sagt Brunner. An der Grundschule gehen sogar ab und an ältere Schüler mit Fundsachen von Klasse zu Klasse. Bei Elternsprechtagen werden die Dinge ebenfalls in der Pausenhalle ausgelegt. „Trotzdem bleibt am Ende des Jahres immer noch viel übrig“, wundet sich Brunner. Diese Schen werden in die Kleiderkammer gegeben. Wieso bleibt so vieles liegen? „Ich glaube, bei den Kleinen ist es einfach so, dass der Drang nach draußen am Ende des Tage soft so groß ist, dass sie Sachen vergessen. Denn ordentlich sind unsere Kinder eigentlich schon. Die Spielkiste für die Pause ist immer aufgeräumt und vollständig“, verteidigt Brunner ihre Schützlinge.

Verlieren Schüler absichtlich Dinge?

Bei den größeren Kids in den weiterführenden Schulen bietet sich jedoch ein ähnliches Bild: „Bei uns bleiben im Lauf des Schuljahres kleiderständerweise Sachen liegen“, weiß Fraunhofer-Schulleiter Uwe Mißlinger. Bis dato seien im laufenden Schuljahr bereits zwei, drei Kleiderständer rappelvoll. „Das holt niemand“, ärgert sich Mißlinger. Skurril: Selbst Handys werden oft nicht abgeholt. Der Schulleiter hegt den Verdacht, dass manch einer zuhause sein Handy als gestohlen meldet, um vielleicht ein neueres Modell zu bekommen. „Du rufst hochwertige Sachen sogar aus, und es meldet sich keiner.“ Selbst bei den Klamotten seien viele teure Dinge dabei, da könne er sich nur wundern: „Ich weiß ja, wie viel Markensachen oder teure Sportklamotten kosten. Da sind Bayern-Trikots dabei, und bleiben liegen“, weiß Mißlinger. „Unglaublich!“

Auch im Robert-Schuman-Gymnasium wurden bereits teure Vereinstrikots gefunden. „Da weiß man ja, was das kostet, da wundert man sich schon, wenn das nicht abgeholt wird“, wundert sich auch der dortige Schulleiter Rudolf Zell. „Sachen, die eine Stange Geld gekostet haben, bleiben liegen.“ Am Ende werden auch hier die Fundsachen in die Kleiderkammer abgegeben.

Trinkfalschen und ein einzelner Schuh

Auch in der Johann-Brunner-Mittelschule gibt es ein so genanntes Fundbüro, erzählt Rektorin Irene Träxler. „Das wissen die Kinder und schauen nach, wenn sie etwas vermissen. Aber vieles bleibt auch bei uns liegen“. Am Elternsprechtag oder an den Tagen vor den Ferien werden die Sachen in der Pausenhalle ausgelegt. „Man wundert sich trotzdem, wie teuerste Schuhe und Jacken, T-Shirts Thermos-Trinkflaschen und vieles mehr einfach nicht vermisst werden. Oder wie ein Kind mit einem einzelnen Schuh nach Hause kommt, wenn bei uns nur einer liegenbleibt.“

Dinge wie Handys oder iPads würden dagegen sofort als vermisst gemeldet, weiß Träxler aus Erfahrung. Auch Geldbeutel oder Ausweise kämen natürlich sofort wieder zum rechtmäßigen Besitzer zurück. Die übriggebliebenen Fundgegenstände werden auch an der JBM mindestens bis Schuljahresende aufbewahrt – „dann geben wir die Sachen normalerweise zur Caritas.“ Erstmalig will man an der JBM heuer neue Wege gehen: „Wir planen eventuell einen Flohmarkt“, sagt Träxler.

Sogar iPods bleiben liegen

„Auch wir haben alles, vom einzelnen Schuh bis hin zur hochwertigen Markenjacke“, berichtet Christian Haringer. Der Leiter der Marienrealschule betont ebenfalls, dass man auf verschiedenen Wegen versuche, die Fundsachen wieder zum Besitzer zu bringen – oft vergebens. „Wir haben sogar schon überlegt, dass die Schülermitverwaltung Fotos von den Dingen auf die Schulhomepage stellt, aber das würde alle überfordern.“ Vom Kaugummiautomatenring bis hin zur Haarbürste würde alles mögliche liegengelassen. Selbst Schmuck, Ringe, Kettchen, sogar teure iPods würden meistens nicht abgeholt. „Unvorstellbar“, schüttelt Haringer den Kopf.

Auch an der Marienrealschule werden die Fundsachen nach einer Weile zur Kleiderkammer gegeben.

Ausschnitt aus dem Fundus an der JBM. Foto: JBM
Volle Fundkiste Foto: Grundschule