Dank des kleinen Roboters sollen Fehlzeiten in der Schule kürzer werden

Der Name stammt aus dem Hinduismus und bedeutet dort die Verkörperungen eines Gottes auf der Erde. Die meisten jedoch, die den Namen der Neuanschaffung des Landkreises hören, werden an die bläulichen. spitzohrigen Digitalfiguren in 3D aus „Avatar – Reise nach Pandora“ von 2009 erinnern. Künftig werden sich Chams Schüler zudem an einen kleinen, weißen Roboter in Mixergröße mit diesem Namen erinnern, der in der Klasse den Platz einnimmt, wo sonst ein Mitschüler sitzt.
Ein solcher Avatar ist am Dienstag von Landrat Franz Löffler im Beisein des Schulamtschefs Andreas Lindinger begrüßt worden und wird künftig die Bildungslandschaft im Landkreis bereichern. Maximilian Popp von der Firma No Isolation hatte ihn im Gepäck. Und der Name des Unternehmens zeigt schon, wofür der Kleine da ist: Er soll längerfristig kranke Schüler das gute Gefühl geben, nicht allein zu Hause zu sein, sondern weiter in der Klasse sitzen zu können und mitzumachen.
Der Avatar, praktisch ein Roboter mit allerlei Funktionen, wird für den Mitschüler live am Unterricht teilnehmen und kann sogar mit auf Schulausflug gehen. Gelenkt wird er vom Tablet oder dem Handy des kranken Mitschülers von zuhause. Der Avatar kann dabei hin- und herfahren, überträgt über eine Kamera die Klassenatmosphäre und kann sich auch – per farbigem Lichtsignal – im Auftrag des Schülers melden, der dann, wenn er vom Lehrer aufgerufen wird, über einen Lautsprecher eine Antwort geben kann.
Über die leuchtenden Augen des Roboters kann er zudem der Klasse seine Stimmung vermitteln. Nicht nur eine gleichwertige Teilhabe am Unterricht, sondern auch eine soziale Interaktion zwischen Klasse und krankem Mitschüler sei nun möglich, die wichtig sei, betonte Löffler. Etwa ein Prozent der Schüler in Deutschland würden im Schuljahr länger wegen Krankheit ausfallen, erläuterte Maximilian Popp.
Der Landkreis Cham hat etwa 14000 Schüler, so dass da einige Betroffene über die Jahre zusammenkommen. Hier zu helfen, sei Aufgabe des Avatars, der woanders schon einige Jahre im Einsatz sei, so Popp. Der Roboter sei einfach zu bedienen und auf jedes Gerät wie beim Onlinebanking per Pin sicher aufzuschalten. Es sei sicher eine gute Lösung, fand Schulamtsdirektor Lindinger. Hausunterricht, der bisher für kranke Schüler infrage komme, gebe es nur drei oder vier Stunden pro Woche.
Der Landkreis sei auch bereit, einen zweiten Avatar anzuschaffen, wenn es nötig sei, betonte Landrat Franz Löffler.
Der Avatar als Mitschüler
Avatar: Der Avatar ist ein Roboter, der den Platz eines kranken Schülers im Klassenraum einnimmt und ihn live am Unterricht teilnehmen lässt. Der Schüler kann über die Kamera die Klasse und den Lehrer sehen und auch sprechen. Der Einsatz muss medizinisch begründet sein.
Schule: In Bayern müssen Lehrer und Mitschüler der Nutzung zustimmen. Die Datensicherheit sei gegeben, so der Hersteller. Das Gerät kostet 4000 Euro und ist einfach zu bedienen. Beim Landkreis ist Erwin Winter von der Kreisbildstelle Ansprechpartner.