Spatenstich für neues Schuman-Gymnasium in Cham mit Blitz und Hammerschlag

Von Johannes Schiedermeier · 26. Juli 2023 um 19:00

Das Robert-Schuman-Gymnasium (RSG) hatte schon immer eine etwas freiere Interpretation der Dinge. So war das auch beim Spatenstich für die 35 Millionen Euro schwere Generalsanierung: Der Spatenstich entpuppte sich als Hammerschlag, und Petrus lieferte dazu eine ganz eigene Auslegung zum Thema Geistesblitz, der die Scheiben der neuen Mensa erzittern ließ.

Just als die Ehrengäste anhoben, zum Thema Bildung zu referieren, entlud sich am Mittwoch nämlich ein Gewitter in einem grellen Blitz und einem ohrenbetäubenden Donnerschlag. Und das gleich zwei Mal. Nach dem ersten Schreck nahmen es alle gelassen, und der Schülerchor unter Leitung von Florian Simeth intonierte zu Recht: „Oh happy day!“

Das Fundament Bildung

55 Jahre lang haben die Schumanisten auf diesen Tag gewartet, rechnete Landrat Franz Löffler den zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Verwaltung und Schule vor. Auch wenn es immer wieder Erweiterungen und Sanierungen gegeben habe (siehe Info), hätten diese bei Weitem nicht ausgereicht, um die Schule langfristig attraktiv zu halten. „Hier entsteht ein neues Bildungszentrum“, so Löffler. Trotz der steigenden Baukosten sei der Kreistag sich einig gewesen, keine Abstriche machen zu wollen.

Die Tatsache, dass der Landkreis in seiner wirtschaftlichen Entwicklung derart an Tempo zugelegt habe, sei auch der Bildung als tragendes Fundament zu verdanken. „Da kann man eigentlich nie zu viel investieren“, so Löffler.

Der Landkreis als Bauherr habe von Anfang an die Schulfamilie in die Raumplanung eingebunden und wertvolle Ratschläge angenommen. Dabei sei auch berücksichtigt worden, dass das RSG immer einen besonders großen Wert auf Kultur, Musik und Theater gelegt habe. Der Geist des RSG mit Kultur als Herz der Schule finde sich auch in den neuen Plänen wieder.

Regierungsvizepräsident Florian Luderschmid fand es wichtig, in der Schule den Grundstock für Musik und Kultur zu legen. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, an der Grenze zu Tschechien den Namen eines europäischen Visionärs für das Chamer Gymnasium zu wählen. Auch in Zeiten künstlicher Intelligenz könne die Gesellschaft auf Wissensträger nicht verzichten. Deswegen sei dieser Spatenstich wichtig.

Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp hat das RSG neun Jahre lang selbst erlebt. „Die Entwicklung der Persönlichkeit und die Vorbereitung auf das Leben waren damals schon die Stärken dieser Schule“, so Hopp. Der europäische Gedanke an der Schule sei heute aktueller denn je. „Wir müssen wieder lernen, für unsere demokratischen Werte einzutreten“, so der Abgeordnete.

Bürgermeister Martin Stoiber hatte das Pech, dass seine Vorredner seine Rede bereits gehalten hatten, und stellte im Kern ein Zitat von Kennedy in den Raum: „Es gibt nur eines, was auf die Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung!“

RSG-Schulleiter Rudolf Zell hatte ein wenig Wehmut für die alten Räume, die er so gut gekannt habe, aber eine große Vorfreude auf das neue RSG. Für schwierige Schritte im Leben brauche man Unterstützung, die man in vollem Umfang vom Landkreis und seinem Landrat erhalten habe. Er kritisierte die Beschwerde-Mentalität im Hinblick auf Architektenlösungen und Bildung. „Man muss sehen, unter welchen Umständen das Beste erreicht wurde und auch einmal bedenken, was wir haben. Und das alles umsonst. Wir sind der Beweis, dass viel in Bildung investiert wird“, so der Schulleiter.

Der Schmetterling RSG

Architekt Robert Brunner aus Viechtach stellte die neuen Pläne vor. Er versprach, dass die Raupe RSG sich nach der völligen Entkernung als Schmetterling entpuppen werde und prophezeite: „So mancher ,der beim Anblick des Rohbaus meint, man hätte dann ja gleich abreißen können, der wird später sagen: Hätt’ ich mir nie gedacht ...“ Auf 9000 Quadratmetern werde man 35 Gewerke ausschreiben und in die sieben Etagen der Schule eine durchblickbare Ordnung bringen, so Brunner, der unter anderem eine offene Bühne und einen eigenen Dachaufbau aus Holz für Zeichensäle mit eingeplant hat.

Ein Bild mit Symbol-Charakter: Musik und Kultur nehmen in den Bauplänen für das neue RSG viel Raum ein.
Der Kopf hinter den Plänen: Architekt Robert Brunner aus Viechtach verantwortet das Sanierungskonzept.