Adam aus Tschechien fand nach einem Zeitungsbericht ein vorübergehendes Zuhause in Cham

Monatelang hatte Adam (16) aus Tschechien eine Gastfamilie für ein Schuljahr in Deutschland gesucht – nach einem Bericht in unserer Zeitung kurz vor Schuljahresbeginn meldeten sich innerhalb weniger Stunden gleich mehrere potenzielle Gasteltern. Seit September besucht Adam nun das Fraunhofer-Gymnasium. Und hat dabei wohl einen der kürzesten Schulwege überhaupt.
„Gleich am Morgen, an dem der Bericht erschienen ist, hat mich Juli angerufen und mir gesagt, dass eine Familie gefunden wurde“, erinnert sich Adam. Juli aus Obertrübenbach, mit der er nach ihrem Tschechien-Aufenthalt befreundet ist, hatte ihm bei der Suche nach einer Gastfamilie geholfen. Jetzt hat Adam einen Schulweg von wenigen hundert Metern von Cham-West bis zum Fraunhofer Gymnasium, wo er die zehnte Klasse besucht. „Ich brauche sieben Minuten zu Fuß zur Schule“, grinst Adam.
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Adam ist sehr glücklich mit seiner Gastfamilie
Mit seinen Gasteltern, lässt er durchblicken, habe er den Hauptgewinn gemacht. Im Haus von Wolfgang Seefried und seiner Familie hat Adam ein Zimmer mit eigenem Bad zur Verfügung und wird vollkommen ins Alltagsleben integriert. „Ich hätte sogar eine kleine eigene Wohnung im Haus haben können, aber das brauche ich ja gar nicht“, sagt der 16-Jährige bescheiden. Bei den Gasteltern wird er regelmäßig von seinem „Gastvati“, wie Adam Seefried nennt, bekocht. „Wir gehen aber auch oft essen“, erzählt er. Das sei bei hm zuhause in Tschechien so gar nicht verbreitet, „das ist ganz anders als hier“, sagt der Sohn einer Anästhesistin und eines Werkleiters.
Gut eingelebt in Cham
In der Schule hat er sich ebenfalls bereits gut eingelebt, sagt Adam. Ganz spontan habe er sich beispielsweise auch noch für den Tanzkurs anmelden dürfen. Nachmittags hat sich der sportliche Gastschüler für Tennis und Klettern angemeldet. Mit Juli und deren Freunden verbringt er seine Freizeit. „Die haben mir sogar eine Geburtstagsparty mit Spieleabend organisiert“, kann es Adam kaum fassen. Auch Regensburg hat Adam bereits besucht, und bei einer Fahrt nach Pilsen hat er den Bekannten aus Deutschland quasi in seiner Heimatstadt – Adam stammt aus einem kleinen Dorf ganz in der Nähe – eine Stadtführung gegeben. „Ich habe schon viele Leute kennengelernt, und mein Deutsch hat sich auch bereits verbessert“, sagt Adam.
Wie berichtet, hatte der 16-Jährige sich über ein Euregio-Stipendium für das Gastschuljahr beworben. Neben einer Empfehlung der Schule sind dafür auch gute Noten notwendig. Kein Problem für Adam, der später Arzt werden will und dessen Lieblingsfach Chemie ist.
Am Fraunhofer hat er sich bereits bestens etabliert. Schulleiter Uwe Mißlinger hat nur Lob für den jungen Mann, der während der Lateinstunden in der Deutschklasse tschechischen Fünftklässlern im Unterricht hilft.
Monatelange Gasteltern-Suche
Wieso es so lange gedauert habe, bis Adam eine Gastfamilie finden konnte, erklärt Mißlinger sich damit, dass das Gastschuljahr doch recht lange dauere. „Für drei, vier Monate hätte sich schneller jemand gefunden“, ist Mißlinger überzeugt. Immerhin gebe es am Fraunhofer bereits seit fast 20 Jahren einen intensiven Austausch mit dem Nachbarland. Nicht umsonst wurde das Gymnasium erst kürzlich vom Ministerium in München zur bilingualen Schule ausgerufen – hauptsächlich wegen des langjährigen Kontakts mir einer Partnerschule in Pilsen.
Drei tschechische Schüler über Euregio
Neben Adam besuchen übrigens derzeit zwei weitere tschechische Schüler das Fraunhofer. Die beiden hatten wie Adam lange nach einer Gastfamilie gesucht. Und weil sich auf den Zeitungsaufruf von Adam mehrere Gasteltern gemeldet hatten, vermittelte Adam seinen Schulkameraden den Kontakt zu ihnen. Beide wohnen jetzt gemeinsam in Pösing. Und Adam freut sich, dass er mit ihnen alte Freunde am Fraunhofer hat.
Mit dem EUREGIO-Gastschuljahrprogramm kommen bereits seit 28 Jahren interessierte tschechische Gymnasiasten im Alter von 16 bis 18 Jahren nach Bayern, um hier ein Schuljahr – insgesamt 8,5 Monate – zu verbringen. Sie besuchen täglich den Unterricht an einem bayerischen Gymnasium und wohnen in Gastfamilien.

