Adam (16) aus Tschechien sucht seit Monaten eine Gastfamilie im Landkreis Cham

Von Tanja Fenzl · 12. August 2024 um 11:00

Adam (16) aus der Nähe von Pilsen in Tschechien sucht seit Monaten eine deutsche Gastfamilie im Landkreis Cham. Schon in einem Monat soll sein Stipendien-gefördertes Auslands-Schuljahr beginnen, und noch immer weiß er nicht, ob er es überhaupt antreten kann.

Juli aus Obertrübenbach, die Adam im März bei einem zweiwöchigen Schul-Aufenthalt in Tschechien kennengelernt hat, hofft, dass er auf diesem Weg doch noch seinen Traum erfüllen kann.

Gerade ist Adam auch in Obertrübenbach bei Roding bei Juli und ihrer Familie zu Besuch. „Eigentlich hat sich unsere ganze Familie seit März angefreundet“, sagt die 17-jährige Juli, die ab September die zwölfte Klasse am Fraunhofer-Gymnasium besucht. Adam campt im Wohnzimmer auf einer Matratze, Juli und ihre zwei Geschwister leben mit ihren Eltern in einer Wohnung auf recht engem Raum.

„Um das Stipendium zu bekommen, braucht Adam Gasteltern, die ihm ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen können“, erklärt Juli, wieso Adam von September bis Mai nicht einfach bei ihrer Familie leben kann. Das ist eine der Bedingungen des Stipendiums der Europaregion, die sich seit 1958 für den Aufbau und die Stärkung einer grenzenlosen Zusammenarbeit im deutsch-niederländischen Grenzgebiet einsetzt. Gute Noten und eine Empfehlung der Schule sind eine weitere. Zusammen mit fünf weiteren Schülern seines Gymnasiums in Pilsen hat Adam diese Hürde bereits genommen. Doch nur eine Schülerin hat bisher eine Gastfamilie gefunden. „Sie wird in der Nähe von Passau ihr Auslandsjahr verbringen“, weiß Adam.

Anlaufstation gesucht

Auch er kann sich im gesamten Euregio-Gebiet entlang der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze eine Familie suchen. Weil er Julis Familie bereits kennt und hier einige Bekannte hat und viel Gutes vom Fraunhofer-Gymnasium gehört hat, würde er gerne im Landkreis Cham bleiben. Seine Gastgeber müssen nicht einmal eigene Kinder haben. „Es geht nur darum, dass da eine Anlaufstation ist, auf die man sich verlassen kann, weil ich ja minderjährig bin“, sagt Adam.

Ein Elternbrief von Fraunhofer-Schulleiter Uwe Mißlinger in einem Elternbrief hatte leider ebenfalls keinen Erfolg. „Dabei unterstützt Herr Mißlinger uns voll und ganz, auf jeden Fall in schulischer Hinsicht“, sagt Juli. Adam würde in Deutschland in die zehnte Klasse eingestuft, um sich auf den Spracherwerb konzentrieren zu können. Seit fünf Jahren lernt der Schüler, der nach einem Test bereits nach der vierten Klasse ans Gymnasium wechseln durfte, bereits die deutsche Sprache. Auch Englisch kann Adam gut, eines seiner Lieblingsfächer ist außerdem Biologie.

Der Schüler hat viele Hobbys

Adam, der in seiner Freizeit gerne Rad fährt, schwimmt und Tennis spielt oder Formel 1 schaut, hofft, über die Zeitung doch noch jemanden zu finden, der ihm ein Zimmer zur Verfügung stellen will. Kosten entstehen dem Gastgeber dabei kaum. Das Stipendium in Höhe von 5000 Euro ist quasi für Essen und Unterkunft und für ein Taschengeld für Adam vorgesehen. „Die Gastgeber müssen auch nicht unbedingt super viel mit ihm unternehmen, meine Eltern haben schon versprochen, sich auch mit um ihn zu kümmern, und dass er mit in Urlaub fahren kann“, sagt Juli, die Adam auch unter ihre Fittichen genommen hat.

Am Nachmittag wollen die beiden zu einer Geburtstagsfeier einer Freundin von Juli am Pösinger Weiher, zwei Tage später fahren sie mit einer Gruppe nach Regensburg, um Adam die Weltkulturerbe-Stadt zu zeigen. „Deutschland und Bayern gefällt mir einfach“, sagt Adam. „Bayern und Tschechien haben viel gemeinsam, sogar einige Wörter sind ähnlich, zum Beispiel Kübel“.

Das Nachbarland besser kennenlernen und die Sprache noch besser lernen, das will Adam vor allem während seines Auslandsjahres schaffen. Während er mit Juli am Küchentisch von seinen Zielen spricht, wird aber ganz schnell deutlich: Er spricht schon sehr gut deutsch – Gasteltern müssten keinesfalls befürchten, dass sie sich nicht mit Adam verständigen könnten.

Adam reist gern mit seiner Familie

Im Urlaub ist Adam mit seinen Eltern schon viel herumgekommen. „Spanien, Griechenland, Italien, eigentlich ganz Südeuropa haben wir schon bereist“, sagt Adam, der noch eine zwei Jahre jüngere Schwester hat. „Sie ist auch schon bei Juli zu Besuch gewesen“, lacht der 16-Jährige. Seine Mutter, eine Anästhesistin, ist Chefärztin, sein Vater arbeitet als Werkleiter in einer deutsch-tschechischen Firma. „Zu unserer Familie gehört aber auch noch unser Border Terrier Ares“, beschreibt Adam seinen Alltag in einem kleinen Dorf in Tschechien. „Wir leben in einem Haus mit großem Garten, da hat Ares viel Platz.“

Adam möchte Arzt werden, wie er sagt. An seine künftigen Gasteltern gerichtet, sagt er: „Ich hoffe, dass ich einen guten Eindruck bei Ihnen hinterlassen habe und dass ich mit euch ein Schuljahr durchleben kann. Ich will das Leben, Kultur, neue Leute und Freunde in Bayern kennenlernen, und mein Deutsch verbessern.“

Das Stipendium von Euregio

Euregio: Mit dem EUREGIO-Gastschuljahrprogramm, gefördert von der Bayerischen Staatskanzlei, der Stiftung Internationaler Jugendaustausch Bayern, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der EUREGIO Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn, kommen bereits seit 28 Jahren interessierte tschechische Gymnasiasten im Alter von 16 bis 18 Jahren nach Bayern, um hier ein Schuljahr - insgesamt 8,5 Monate - zu verbringen. Sie besuchen täglich den Unterricht an einem bayerischen Gymnasium und wohnen in Gastfamilien. Info: 0151 46244592

Kontakt: Gastfamilien, die Adam kennenlernen möchten, können uns unter Tel. (09971) 85 22 15 kontaktieren oder ihm an seine Schule eine E-Mail schreiben: adam.zdenek.sysel.198a@mgplzen.cz.

Adam mit seiner Schwester Erna und seinem Vater im Urlaub
Adam mit Juli aus Obertrübenbach, die bei einem Schüleraustausch im März bei seiner Familie gewohnt hat Foto: Fenzl
Auch beim Besuchim Landkreis fährt Adam gerne mit dem Rad.