Nach Strafzetteln in Neumarkt: Auch in Berching Ärger mit der Verkehrsüberwachung

Von Bernhard Neumayer · 17. Januar 2025 um 05:00

In Neumarkt vermisst der frühere Polizeichef Fingerspitzengefühl bei den Verkehrsüberwachern, in Berching appelliert ein Bürger an die Menschlichkeit. Nachdem er während des Weihnachtsmarktes einen Strafzettel über 30 Euro erhalten hatte, holt ein Standbetreiber aus Berching zur Generalkritik aus. Doch die Stadt wehrt sich.

Der eine hält sie für sinnvoll, der andere für Schwachsinn: Die Parkraumüberwachung in Berching spaltet die Bürger auch drei Jahre nach dem Start. Jetzt rückt ein Standbetreiber die Parkregeln während des Weihnachtsmarktes in den Fokus – und holt zur Generalkritik aus.

„Die Parkplatzsituation in Berching ist katastrophal“, sagt Norbert Günther. Am Wohnmobilstellplatz gebe es nicht mehr so viele Stellplätze wie früher, die kostenlosen und zeitlich unbegrenzten Parkplätze an der Europahalle und bei der BayWa seien oft belegt und der Volksfestplatz zu weit weg von der Altstadt. Die Stellplätze am Friedhof und im Zeißlgässchen listet der Imker gar nicht auf.

Parken in Berching: Zwei Stunden kostenlos mit Parkscheibe

Seit der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz den ruhenden Verkehr in der Innenstadt kontrolliert, darf man in den ausgewiesenen Stellflächen mit Parkscheibe maximal zwei Stunden parken. „Vorher war es einfacher, einen Platz zu bekommen“, sagt Günther. Da habe es mehr Parkplätze in der Altstadt gegeben. Auch, weil Autos teilweise kreuz und quer gestanden haben.

Zweckverband: Quote der Parksünder steigt in Berching

Damit ist seit 2022 Schluss. Seitdem überwachen Kontrolleure die parkenden Wagen in Berching – und seitdem steigt auch die Quote der Parksünder, wie die aktuellen Zahlen des Zweckverbandes zeigen. Setzt man die Anzahl der Verstöße und die Überwachungsstunden ins Verhältnis, wurden 2024 in Berching pro Stunde 2,66 Falschparker aufgeschrieben (Statistik noch nicht abgeschlossen). Zum Vergleich: 2023 lag die Quote bei 2,5, im Jahr 2022 bei 2,1.

Dass es verhältnismäßig mehr Parksünder werden, damit ist Berching nicht allein. Der Durchschnitt aller Gemeinden, in denen der Zweckverband kontrolliert, ist gestiegen – von 2,12 (im Jahr 2022) über 2,73 (2023) auf jetzt voraussichtlich 2,96.

In Berching verteilten die Kontrolleure im abgelaufenen Jahr 1399 Strafzettel, die meisten davon (263) in der Bahnhofstraße, gefolgt von Pettenkofer- (213) und Reichenauplatz (178). In 623 Fällen registrierte der Zweckverband Parkscheibenverstöße in Zonen mit eingeschränktem Haltverbot. Auch Halten auf dem Gehweg (128 Fälle) und Parken im eingeschränkten Haltverbot (116 Fälle) zählen zu den häufigsten Verstößen.

525 Stunden überwachten Kontrolleure in Berching 2024

Insgesamt überwacht der Zweckverband die Autos in Berching aber seltener als noch zu Beginn. 2022 hatte die Stadt 100 Überwachungsstunden pro Monat gebucht. Seit Juni 2023 hat sie die Stadt auf 65 Stunden reduziert. Die Kontrolleure waren 2022 noch 959 Stunden unterwegs (2023: 725). Im vergangenen Jahr waren es nur mehr 525 Stunden.

Dennoch haben verhältnismäßig viele Bürger einen Strafzettel erhalten. Auch Norbert Günther. Er muss 30 Euro zahlen, weil er am Weihnachtsmarkt-Sonntag zu lange in einer Anwohner-Parkzone geparkt hatte.

Der Imker betreibt einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und transportiert seine Honig-Produkte vom Auto in die Bude. Deshalb habe er an der Stadtpfarrkirche und damit nahe an seinem Stand geparkt. Er habe keinen Geh- oder Rettungsweg behindert, aber von etwa 12 bis 22 Uhr dort geparkt.

Weihnachtsmarkt: Stadt Berching kündigte Kontrolle an

„Ich kann nicht verstehen, warum man gerade beim Weihnachtsmarkt kontrolliert“, sagt Günther und vermisst dabei die Menschlichkeit in der vorweihnachtlichen Zeit. An den beiden Tagen des Weihnachtsmarktes sei es in Berching ohnehin schwierig, einen ausgewiesenen Stellplatz zu ergattern, findet der Imker.

Wie schon 2023 hat die Stadt auch vergangenes Jahr den Zweckverband beauftragt, am Wochenende des Weihnachtsmarktes zu kontrollieren. Das hat die Stadt auch vorab im Mitteilungsblatt angekündigt.

Deshalb wird Markus Amon, der Leiter des Ordnungsamts, auch deutlich: „Irgendwann ist unser Zutun erschöpft, die Bürger auf die Parkregeln hinzuweisen.“ Dass kontrolliert werde, sei mitgeteilt worden. Zudem sind die Parkregeln ausgeschildert und die Händler durften laut Amon während des Aufbaus ohnehin solange in der Stadt parken, bis sie ihre Buden befüllt hatten. „Erst, als der Markt losging, haben wir aufschreiben lassen“, so Amon, der Bürger auffordert, sich bei Problemen zu melden.

6000 Euro Defizit: Das kostet Berching die Verkehrsüberwachung

Denn der Imker, der findet, dass die Parkraumüberwachung den Geschäften Kunden vergrault, hatte im Gespräch mit unserer Zeitung eine Ausnahmegenehmigung gewünscht. Günthers Abrechnung: „Die Überwachung hat nichts mit Verkehrssicherheit zu tun.“ Sie bringe mehr Fluch als Segen für die Stadt und lohne sich finanziell nicht.

Das sei auch nicht das Ziel, betonen Zweckverband und Verwaltung. Die Stadt muss für vergangenes Jahr gut 6000 Euro an den Zweckverband zahlen. Denn die Kosten für die Überwachung (41 000 Euro) übersteigen die Einnahmen aus den Verwarnungs- und Bußgeldern (35 000 Euro).