Kaiser-Therme in Bad Abbach: Sanierungsfall sucht Geldgeber – 2025 wird zum Schicksalsjahr

Was geschieht mit der Kaiser-Therme? Diese Frage wird auch in 2025 die Gemüter über Bad Abbach hinaus bewegen. Eine Zukunft in öffentlicher Hand gibt es nicht mehr – ein privater Investor soll übernehmen. Dieser muss aber erst gefunden werden und einen Sanierungsfall von 50 Millionen Euro stemmen. Das ist der aktuelle Stand.
Der Schock saß tief. Mitte März 2024 wurden im Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach – dem aktuellen Betreiber aus Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Markt Bad Abbach – besagte 50 Millionen Euro für die nächsten 15 Jahre genannt, um die Kaiser-Therme zu erhalten. Marode Gebäudetechnik, erforderliche Attraktivierung sowie Defizitausgleich und Kreditaufnahmen gingen in diese Kalkulation ein, „die einen erschlägt“, erklärte Bürgermeister Benedikt Grünewald damals.
In den Wochen darauf wurde bald deutlich, dass die aktuellen Träger die dafür nötigen Mittel angesichts knapper Kassen nicht aufbringen können und wollen. Eine Investorenlösung wurde aufs Tableau gehievt. Der Zweckverband beschloss seine Auflösung zum 30. September 2026. Bis dahin muss ein privater Käufer gefunden werden. „Wir freuen uns darauf, diesen Prozess in 2025 erfolgreich abschließen zu können“, geben sich Grünewald und die Zweckverbands-Geschäftsführerin Katrin Landes hoffnungsvoll.
Wunschzettel an Investor: Hotel, Chalets oder Familienpark
Von einer Handvoll Interessenten ist bis dato die Rede, konkret benannt wurden sie nicht. Im neuen Jahr beginnt das formelle Verkaufsverfahren, begleitet von der Beraterfirma „Project M“. Diese hatte im Herbst gemeinsam mit dem aktuellen Träger ein Exposé für potenzielle Interessenten erstellt und darin auch mögliche Konzepte für den Standort und die freien Grundstücke rundherum aufgezeigt: Vier-Sterne-Resort mit Hotel, Chalets, Baumhäuser, Saunadorf, Familienpark – diese und ähnliche Ideen wurden skizziert.
Dafür müsste ein privater Betreiber, abgesehen von der Sanierung der Therme, etliche Millionen Euro in die Hand nehmen. Nicht zuletzt die vage Aussicht auf einen potenten Geldgeber rief die Aktionsgruppe „ProTherme“ auf den Plan. Zunächst nur ein kleines Grüppchen um die Initiatoren Jochen Wollenweber und Josef Geitner wuchs die Zahl ihrer Mitstreiter. Sie lehnen den Verkauf ab, wollen weiterhin ein öffentlich geführtes Heilbad, auch weil Gesundheitsvorsorge nicht einem Privatier überlassen werden dürfe.
50 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft
Mit Protesten bei Sitzungen sowie Info-Ständen machte „ProTherme“ auf seine Ziele aufmerksam. Auch viele der 50 Thermen-Mitarbeiter waren zugegen. Ihnen will Bad Abbach eine Zukunft sichern: Im Exposé wird der „Erhalt der Arbeitsplätze“ als Bedingung an den Verkauf geknüpft.
Die Aktionsgruppe sieht eine außerordentliche Bürgerversammlung am 20. November als ihren größten Erfolg an. „Durch über 1000 Unterstützer-Unterschriften haben wir diese Veranstaltung ermöglicht“, sagt ein Sprecher von „ProTherme“. Am eingeschlagenen Weg der Investorensuche änderte die Versammlung im rappelvollen Bad Abbacher Kursaal nichts.
„ProTherme“ verfolgt Alternative: Als Genossenschaft führen
Dennoch verfolgen die Verkaufs-Gegner andere Lösungsansätze. „Wir planen Gespräche mit dem Genossenschaftsverband Bayern, um eine Fortführung der Kaiser-Therme als Genossenschaft zu etablieren.“
Noch unklar ist, was mit der Therme passiert, wenn sich kein Investor findet. Bei der außerordentlichen Bürgerversammlung forderte ein Teilnehmer, „eine Stilllegung grundsätzlich auszuschließen“. Könne man nicht, entgegnete der Bürgermeister, da alle Entscheidungen zur Therme der Zweckverband treffe. Auch ein Rückbau liege in dessen Verantwortung. Kostenschätzungen für einen Abbruch gibt es nicht.
Bürgermeister trotz Gegenwind „sehr zufrieden“
Grünewald will sich mit diesem Szenario nicht befassen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des gesamten Prozesses im Jahr 2024. Dass so etwas nie völlig reibungslos ablaufen kann, ist völlig selbstverständlich.“ In vielen Gesprächen mit Bürgern habe er „eine übergroße Zustimmung zur beschlossenen Lösung“ erfahren.
Die Initiative „ProTherme“ erwartet „ein spannendes Jahr 2025“. Das Bemühen, die Therme für die Gesundheitsvorsorge zu retten, behalte man weiterhin im Auge. Dieses Ziel verfolgt auch der Bürgermeister. Ob es gelingt, werden die nächsten Monate zeigen.
Die Chronologie
14. März 2024: In der Sitzung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach wird das Sanierungsvolumen von 50 Millionen Euro benannt.
4. Juli 2024: Bezirkstag (19:3 Stimmen) und Marktgemeinderat (17:7) lehnen jeweils Mittel für eine Sanierung der Kaiser-Therme ab und bereiten der Investorensuche den Weg.
9. Juli 2024: Der Zweckverband spricht sich ebenso dafür aus und beschließt seine Auflösung zum 30. September 2026. Im Kreistag fällt später aufgrund dieser Entscheidung kein eigener Beschluss.
20. November 2024: Im übervoll besetzten Kursaal in Bad Abbach geht eine außerordentliche Bürgerversammlung über die Bühne. Schon Ende Juli hatte es eine Info-Veranstaltung der Gemeinde gegeben.
