Ansturm auf Versammlung zu Kaiser-Therme – Neue Details und ein „unerklärbarer“ Fehler

Der Kursaal in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) war zum Bersten voll bei der außerordentlichen Bürgerversammlung zur Kaiser-Therme. Zumeist sachlich wurde über den eingeschlagenen Weg des Verkaufs diskutiert – spannende Details kamen ans Licht.
An die 300 Besucher fanden sich am Dienstagabend (19. November 2024) im Bad Abbacher Kurhaus ein, unter ihnen auch Thermen-Mitarbeiter um Personalratsvorsitzender Marianne Rieger. „Die politischen Entscheidungen sind gefallen. In der Sache wird sich nichts mehr ändern, jetzt hoffen wir das Beste für die Mitarbeiter“, sagte sie vor Betreten des Kursaals.
Bürgermeister Benedikt Grünewald unterstrich, dass „alle das gleiche Ziel haben: den Erhalt der Kaiser-Therme“. In der Beantwortung mehrerer Anträge im Vorfeld ging er auf den Investitionsbedarf von 52 Millionen Euro ein, der sich aus Sanierung der Technischen Gebäudeausstattung (22 Mio.), Attraktivierung (13 Mio./Austausch Bodenbeläge, Sanierung von Kuppeldach, Fußbodenheizung, Wildwasserkanal) und Betriebskosten bzw. jährlichem Defizit (17 Mio.) ergebe.
Angesichts angespannter Haushalte bei Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Marktgemeinde, die als Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach die Therme tragen, sei diese finanzielle Last nicht zu schultern. „Die einzig realistische Option ist die Privatisierung“, sagte Grünewald.
Verkaufsabschluss wird bis Ende 2025 angepeilt
Aktuell laufe ein Markterkundungsverfahren zur Ermittlung potenzieller Interessenten. „Das Vergabeverfahren einschließlich einer gegebenenfalls europaweiten Ausschreibung beginnt Anfang 2025.“ Ziel sei ein Abschluss Ende des kommenden Jahres.
Jochen Wollenweber von der Initiative „ProTherme“, die einem Verkauf kritisch gegenüber steht, warf ein, dass der Werkausschuss des Zweckverbands im März 2024 „nur sechs Seiten“ des 106 Seiten zählenden Gutachtens zum Sanierungsbedarf zu sehen bekam. „Dass es Förderprogramme gibt, wurde dabei nicht kund getan.“ Selbige seien „unsicher und nicht seriös“, antwortete Grünewald.
Alternative zum Verkauf von Thermen-Technikern
Siegfried Schneider, ebenfalls von „ProTherme“, brachte ein Sanierungskonzept der Technik-Mitarbeiter der Therme ins Gespräch. Auch dieses läge seit März 2024 vor. „Mit zwei Millionen Euro wäre der Weiterbetrieb für die nächsten zehn bis 15 Jahren möglich. Doch mit den Technikern im Haus wurde nie gesprochen.“ In einem Antrag an die außerordentliche Bürgerversammlung – 255 anwesende Bad Abbacher konnten mit grünen Kärtchen abstimmen – forderte er, diesen Entwurf weiterzuverfolgen.
Zuvor klärte der Bürgermeister aber auf, dass es sehr wohl Gespräche gegeben habe. „Ich habe allein Protokolle von fünf Besprechungen.“ Das Konzept sei von Fachstellen auch als „umsetzbar bewertet“ worden. „Den Sanierungsumfang haben aber auch die Techniker im Haus nicht in Frage gestellt.“ Man würde zwar eine zeitliche Verschiebung erreichen, aber letztlich würde „uns dieser Ansatz 62,5 Millionen Euro kosten. Deshalb ist der Zweckverband diesem Vorschlag nicht näher getreten.“
Kein einziger Antrag erfährt eine Mehrheit
Schneiders Antrag fiel mit 67 Ja-Stimmen (von 255) durch. Hätte die Eingabe eine Mehrheit erhalten, wäre der Antrag dem Marktgemeinderat vorgelegt worden. Auch für die übrigen Anträge galt dieses Prozedere – allein kein einziger wurde im Kurhaus angenommen.
Zum Teil erledigten sich die Anfragen durch die Antworten des Bürgermeisters. Etwa als Sieglinde Wasöhrl beantragte, eine verpflichtende Übernahme der Thermen-Mitarbeiter im Exposé festzuhalten, das derzeit an potenzielle Investoren geht. Im Papier stand bisher, dass „keine Verpflichtung dazu“ bestehe.
Keine Mitarbeiter-Übernahme: Lapsus im Exposé
Da sei ein „nicht erklärbarer Fehler“ passiert, sagte Grünewald. Er habe in einer Mail an die Beraterfirma „Project M“, die das Exposé erstellte, den „Erhalt der Arbeitsplätze“ als Vorgabe an Investoren genannt. „Warum dann da stand, es bestehe keine Verpflichtung, weiß niemand.“ In einer Neuauflage des Papier sei das nun korrigiert worden. Schneider warf ungläubig ein: Bezirk und Markt hätten das Exposé abgezeichnet „und keinem fällt’s auf“. Der Antrag war durch die entsprechende Abänderung aber hinfällig.
Die Frage, was mit der Therme geschehe, sollte bis 30. September 2026 (Auflösung des Zweckverbands) kein Investor gefunden werden, trieb die Besucher auch um. Willi Stolte stellte den Antrag, der Marktgemeinderat möge „eine Stilllegung grundsätzlich ausschließen“. Das könne man nicht, entgegnete Grünewald, „da alle Entscheidungen zur Therme die Versammlung des Zweckverbands trifft“. Stoltes Antrag erfuhr nur 32 Ja-Stimmen.
Wie teuer wäre ein Rückbau?
Elfriede Bürckstümmer wollte wissen, wie teuer ein Rückbau wäre. „Dieses Geld hat der Markt auch nicht“, sagte sie. Auch das, so der Bürgermeister, wäre Aufgabe des Zweckverbands. Eine Kostenschätzung nannte er nicht. „Ich befasse mich nicht mit einem Rückbau, weil ich die begründete realistische Chance sehe, die Therme zu verkaufen.“
Die Verpflichtung zur Gesundheitsvorsorge, wie sie von Sabine Kaspari gefordert wurde, könne man einem Investor rechtlich nicht auferlegen, beantwortete Grünewald einen weiteren Antrag, der mit 26 Stimmen auch nicht angenommen wurde. Rechtlich unbedenklich sei die Ausgleichszahlung von sieben Millionen Euro von Bezirk und Landkreis an den Markt, führte er zu einem anderen Punkt aus. Das gehe aus einer Mail des Bayerischen Innenministeriums hervor.
Zusätzliche Fragen gab es am Ende der über drei Stunden dauernden Versammlung keine. Ein treuer Badegast aus München lobte die Kaiser-Therme und deren Team. „Sie muss unbedingt erhalten bleiben. Aber es ist doch immer alles eine Frage des Geldes“, sagte ein älteres Paar beim Verlassen des Kursaals.
Wert der Therme wird ermittelt
Immobilien: Zwei Anträge zielten auf eine aktuelle Wertermittlung von Therme, Tiefgarage und des umliegenden Baulands ab.
Gutachten: Ein Sachverständiger sei beauftragt, antwortete Bürgermeister Grünewald.
