Kaiser-Therme in Bad Abbach vor dem Aus: 50 Millionen Euro nötig – Schock für Mitarbeiter

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Lkr. Kelheim) steht vor einem möglichen Aus. Wenn in den nächsten 15 Jahren nicht 50 Millionen Euro aufgebracht werden, droht die Auflösung des Zweckverbands – und damit die Schließung. Die Mitarbeiter sind verunsichert, die Politik bemüht sich um eine Rettung.
Ein teure Sanierung oder das Ende: Vor diesen Optionen steht die Kaiser-Therme. Ohne Umschweife benannte Franz Altmannsperger, strategischer Geschäftsführer der Therme, bei der jüngsten Versammlung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach, die benötigten Finanzmittel: „In den kommenden 15 Jahren gilt es, eine Gesamtsumme von rund 50 Millionen Euro zu stemmen.“
Im Kurbad, das vor 30 Jahren eröffnet wurde, ist vor allem die „Technik in einem kritischen Zustand“, sagt Geschäftsleiterin Katrin Landes gegenüber der Mediengruppe Bayern. Allein hierfür seien 22 Millionen Euro zu veranschlagen. „Zahlreiche, wenn nicht alle Gewerke“ sind zu erneuern. Gebäudeleittechnik, Lüftung, Wasserleitung und -aufbereitung – „das komplette Herzstück“ (Landes) – müssten überholt werden.
Weitere 13 Millionen Euro wären für neue Attraktionen vorgesehen. „Man kann nach einer Sanierung nicht ohne neue Angebote starten“, so Altmannsperger.
Bezirk, Landkreis und Marktgemeinde am Zug
Die übrigen 15 Millionen Euro müssten laut Landes für das jährliche Defizit (2023: 1,4 Millionen) und die Finanzierungskredite eingeplant werden. Aufzubringen hätten die Gesamtsumme der Bezirk Niederbayern, der 60 Prozent am Zweckverband hält, der Landkreis Kelheim (20 Prozent) und der Markt Bad Abbach (20 Prozent). Ob diese „Gewährsträger“ der Therme die finanzielle Last schultern können, wird nun in Gesprächen geklärt.
Bad Abbachs Bürgermeister: „Die Summe erschlägt einen“
„Die Zahl von 50 Millionen Euro erschlägt einen“, sagt Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald. Der Markt müsste nach seinen Angaben 10,5 Millionen Euro einbringen. „Und das in einer Zeit, wo wir hohe Investitionskosten etwa bei der Schule haben.“ Auch die Sanierung des Inselbads steht mit geschätzten Kosten von drei bis vier Millionen Euro auf der Agenda. Für Grünewald ist es vor allem eine Frage der Zeitschiene, „ob, was und wann wir Mittel aufbringen können“.
Auch der Landkreis, der gerade mit Gymnasium Rohr und Lehrschwimmhalle Mainburg zwei große Baustellen hat, müsste beispringen. Landrat Martin Neumeyer erklärt auf Anfrage: „Die Ausgangssituation ist herausfordernd. Über das weitere Vorgehen bin ich mit Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich und Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald im Austausch.“ Vor dem Hintergrund dieser laufenden Gespräche könne und wolle er sich nicht äußern.
Bei Sanierung 90 Wochen lang zu
Mit rund 90 Wochen Dauer rechnet der Zweckverband bei einer Modernisierung – unter Vollschließung der Therme. „Das Gebäude ist so konstruiert, dass alles zusammen hängt. Man kann nicht einzelne Abschnitte sanieren und den übrigen Thermenbetrieb währenddessen weiterlaufen lassen“, sagt Landes.
Somit wäre das Bad fast zwei Jahre geschlossen. „Die Mitarbeiter könnte man in dieser Zeit anderswo beschäftigen und dadurch halten“, sind Grünewald und Altmannsperger überzeugt. Aktuell zählt die Therme rund 50 Beschäftigte. Als möglichen Sanierungsbeginn nennt Altmannsperger das Jahr 2027.
Mitarbeiter in der Zwickmühle
Die andere Option, die geprüft wird, lautet: Auflösung des Zweckverbands und Einstellung des Bade- und Saunabetriebs. Die Kaiser-Therme hätte keinen Träger mehr – und müsste schließen. Die Mitarbeiter wurden nach der Verbandssitzung über die Szenarien informiert. „Natürlich sind wir verunsichert. Wir sitzen in der Zwickmühle und können nur abwarten“, sagt eine Mitarbeiterin. „Noch ist nichts entschieden und wir versuchen, positiv zu bleiben.“ Vom Personalrat der Therme war am Freitag niemand erreichbar.
„Ich kann mir vorstellen, dass es ein Schlag für die Beschäftigten ist. Manche arbeiten seit der Eröffnung dort und identifizieren sich mit dem Bad“, sagt Grünewald. Geschäftsführer Altmannsperger strengt – unabhängig vom Ausgang der Gespräche – „ein zukunftssicherndes Personalkonzept“ an. Fachkräfte wie Bademeister oder Physiotherapeuten hätten gute Aussichten auf einen anderen Job, auch vorübergehend, käme es zur 90 Wochen langen Modernisierung.
Entscheidung noch im ersten Halbjahr 2024
Auch mit Blick auf das Personal drängt Grünewald auf eine baldige Entscheidung über die Kaiser-Therme, „um Klarheit zu schaffen“. Noch im ersten Halbjahr 2024 soll sie fallen, sagt auch Zweckverbands-Geschäftsleiterin Landes. Ob das Pegel in Richtung Fortbestand oder Schließung ausschlägt, kann und will keiner der Verantwortlichen abschätzen. „Es ist eine riesige Herausforderung“, sagt der Bürgermeister.
Die wirtschaftliche Lage der Kaiser-Therme
Defizit: Im Vorjahr verzeichnete die Kaiser-Therme ein Minus von 1,4 Millionen Euro. Gegenüber 2022 (1,8 Mio.) verbesserte sich die Bilanz. „Alle Thermen bis auf die Europa-Therme sind defizitär“, sagt Katrin Landes, Geschäftsleiterin aller fünf Thermen-Zweckverbände im Bezirk Niederbayern.
Besucher: 2023 zählte das Kurbad in Bad Abbach 191.453 Gäste. Das ist eine Steigerung von knapp 27 Prozent gegenüber 2022, in dem es allerdings noch Corona-Einschränkungen gab. Verglichen mit der Vor-Corona-Zeit (2019) ist es ein Rückgang um 16 Prozent. „Aber wir holen stark auf“, erklärt Landes.