Geldautomaten-Sprengungen in Elsendorf: Halbe Million Euro Schaden – Banken rüsten um

Von Martin Rutrecht · 14. März 2024 um 19:00

Das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) hat erstmals die Schadenshöhe der beiden Geldautomaten-Sprengungen am vergangenen Freitag in Elsendorf (Lkr. Kelheibem) beziffert und spricht von einer halben Million Euro. Kelheimer Banken verstärken die Sicherheitsmaßnahmen gegen derartige Fälle.

Eine Geschäftsstelle der Kreissparkasse Kelheim und eine der Raiffeisenbank Hallertau waren am Freitag, 8. März 2024, kurz nach 4 Uhr das Ziel von Automaten-Sprengern in Elsendorf. „Wir gehen von jeweils 250.000 Euro Sachschaden aus“, sagt BLKA-Pressesprecher Alexander Groß jetzt der Mediengruppe Bayern. Den Beuteschaden beziffert er ebenso wie die Banken nicht. „Wir wollen keine Nachahmer animieren.“ Die Täter flüchteten unerkannt.

Zusammenhang wird untersucht

Zwei Tage später konnte die Polizei nach einem weiteren Vorfall in Konradsreuth (Landkreis Hof) vier Tatverdächtige nahe einer Autobahn stellen. Ob sie auch für die Sprengungen in Elsendorf verantwortlich sind, „wird weiterhin untersucht“, so Groß. Bei den vier Männern handelt es sich laut BLKA um zwei niederländische, einen türkisch-niederländischen und einen afghanischen Staatsangehörigen im Alter zwischen 22 und 26 Jahren mit Wohnsitzen in den Niederlanden.

Tatverdächtige auch wegen versuchten Mordes belangt

Gegen sie wurden Haftbefehle erlassen. Vorgeworfen wird ihnen versuchter Mord (in Konradsreuth wohnte eine Familie neben dem betroffenen Gebäude), schwerer Bandendiebstahl, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung von Bauwerken und Diebstahl.

Dieselben Delikte kämen auch für Elsendorf in Frage. Über der Filiale der Kreissparkasse befinden sich mehrere Wohnungen. Die in dieser Bank erzielte Beute ist für die Täter wertlos: Bei der Sprengung wurde ein Färbesystem ausgelöst, das die Geldscheine durch Einfärbung unbrauchbar macht. „Unsere Geldausgabeautomaten sind nach den aktuellsten Standards ausgestattet“, sagt Kreissparkassen-Sprecher Niklas Neumeyer auf die Frage, ob diese Farbindikation auch in den anderen Filialen vorhanden ist.

In einer Filiale in Elsendorf fehlte das Färbesystem

Die Raiffeisenbank Hallertau stellt ihre Geldautomaten derzeit darauf um – in Elsendorf fehlte das Färbesystem noch. Die Raiffeisenbank im Kreis Kelheim, deren mittlerweile still gelegte Filiale in Herrnwahlthann Ende Oktober 2021 von Geldautomaten-Sprengern heimgesucht wurde, „hat alle Automaten mittlerweile umgerüstet“, erklärt Vorstandsvorsitzender Christoph Schweiger auf Anfrage. Die aktuellen Fälle würden am Versorgungsnetz nichts ändern, setzt er hinzu.

Die Kreissparkasse will ihren Geldautomaten in Elsendorf „nach jetzigem Stand“ nach dem Wiederaufbau wieder in Betrieb nehmen, so Neumeyer. Das Geldinstitut wird auch wie vorgesehen den Ausgabeautomaten in Bad Gögging im Lauf des März wieder reaktivieren. Dieser war im November 2023 vom Netz genommen worden.

Weitere Prävention: Nachtschließzeiten verlängern

Das BLKA bewertet die Färbesysteme „sehr positiv“, um „weitere Hürden für das Vorgehen der skrupellosen Täter zu schaffen“. Ein probates Mittel sind laut Groß auch Nachtschließzeiten. „Seit Automaten in vielen Filialen von 0 bis 4 Uhr nicht mehr zugänglich sind, haben wir in diesem Zeitraum kaum Sprengungen.“

Die Kriminellen passen sich jedoch an, was die jüngsten Tatzeitpunkte knapp nach 4 Uhr belegen. „Würden die Banken die Nachtschließzeit auf 6 Uhr verlängern, hätten es die Täter noch schwerer.“ Das Landeskriminalamt empfiehlt, die präventiven Maßnahmen konsequent weiter zu verfolgen.