Ob weiß oder grün: Der heimische Abensberger Spargel steht in den Startlöchern

Ab Ende nächster Woche könnte es den ersten Spargel aus Abensberg geben. Vorausgesetzt, die Witterung spielt mit.
Der Wind rüttelt heftig an der großen Folie, die sich über das Feld zieht. Ende nächster Woche, so hofft Spargelbauer Stefan Blümel, wird die Folie abgedeckt. Sie speichert über Nacht die Wärme.
Während in der Pfalz schon der erste Spargel geerntet wurde, müssen sich die Abensberger noch gedulden. Auch in der Schrobenhausener Gegend seien sie immer eine Woche früher dran, so Blümel, „da sind eben die klimatischen Bedingungen ein bisschen anders“. Aber Ende nächster Woche könnten eben auch hier, in Sandharlanden, die ersten weißen Stangen geerntet werden. Wäre es im Herbst zu nass gewesen, dann würde der Spargel noch ein bisschen auf sich warten lassen. Zu viel Regen im Herbst hindert den Spargel nämlich am Wachstum.
Preis noch nicht klar
Wie viel der Verbraucher dann für das erste Kilogramm frisch gestochenen Spargel zahlen muss, dazu äußert sich Blümel derzeit noch nicht, „der Markt regelt sich ja immer nach Angebot und Nachfrage, deshalb kann ich das momentan noch nicht fix sagen“.
Zudem komme es zumindest beim grünen Spargel noch darauf an, dass es keinen Frost mehr mit Temperaturen um minus vier oder fünf Grad gibt, „sonst erfrieren mir die Spitzen“, der grüne Spargel wachse ja außerhalb der Erde, diese Kilos wären dann unwiederbringlich verloren für diese Saison.
Der Spargelanbau sei insgesamt schwieriger geworden in den vergangenen Jahren, sagt Blümel, und dürfte damit auch für seine Berufskollegen sprechen. „Wir werden wieder eine seltene Spezies werden“, ist Blümel überzeugt. Im vergangenen Jahr hätten deutschlandweit 150 Spargelbauern aufgehört, also etwa zehn Prozent von den rund 1500 Betrieben, die es deutschlandweit laut Blümel gebe. Einer der Gründe: Die Kosten würden immer höher, zum Beispiel beim Mindestlohn.
Dazu kommt der Kostendruck durch Importware aus dem Ausland. Der griechische Spargel, ehemals Hauptkonkurrent zur deutschen Ware, verlor an Anbaugebieten. Dafür kam in den vergangenen Jahren mehr Ware aus Spanien. Blümel hat aber auch schon Spargel aus Mexiko oder Peru entdeckt und fragt sich, wo das Ganze hinführen soll.
Nicht zuletzt deshalb hängt so mancher Spargelbauer seinen Job an den Nagel. Weniger Konkurrenz im Inland könnte eigentlich nicht schaden, möchte man meinen. Doch wenn die Nachfrage zu groß ist und Großhändler vermehrt billigeren Spargel aus dem Ausland importieren lassen, sei das wiederum schlecht für die Preisentwicklung, sorge das für zusätzlichen Kostendruck bei den heimischen Spargelbauern.
Gestiegene Kosten sind das Eine. Sorgen bereitet Spargelbauern wie Blümel auch, dass es immer schwieriger werde, Arbeitskräfte zu finden. Blümel setzt bei der Ernte auf Kräfte aus Rumänien, etwa die Hälfte davon seien Erntehelfer, mit denen Blümel schon seit vielen Jahren arbeitet. Aber selbst bei denen könne man sich nicht 100-prozentig darauf verlassen, dass sie wirklich kämen. Auch Angestellte für den Verkauf zu finden, sei keine leichte Aufgabe. Rund 180 Menschen beschäftigt Blümel in der Ernte und im Verkauf.
Die ersten Helfer sind schon seit Mitte Januar da, Blümel baut auch Erdbeeren an. Mitte Februar werden die ersten Erdbeerpflanzen gesetzt, Ende März kommt der Spargel dran. Folien müssen über die Bifänge gezogen werden, ein Mäntelchen aus bis zu drei Folien, eine davon als Schwarz-weiß-Folie, hilft, die Qualität zu steuern. Die schwarze Folie filtert das UV-Licht, Spitzen verfärben sich nicht violett. Sie wärmen aber auch das Gemüse.
Anbau erfordert langen Atem
Wenn es dann im Mai oder Juni zu heiß werden sollte, dann kann man die Folien auf die weiße Seite drehen. Die Pflanzen, die bis zu zwei Meter in die Erde wurzeln, brauchen vor allem im Juli oder August Wasser, „zumindest die Jungpflanzen“, heiße Temperaturen ohne Nässe, die seien hingegen schlecht, sagt Blümel.
Die Folien halten im Übrigen lange, „wir haben eine, die ist 22 Jahre alt“. Folien, die gar nicht mehr verwendet werden können, werden recycelt.
Spargelanbau erfordert einen langen Atem. Erst ab dem dritten Jahr ist er erntereif, „ab dem fünften Jahr ist der Break Even Point erreicht (der Punkt, an dem Gewinn erzielt wird, Anm. der Redaktion)“, sagt Blümel. Zuvor habe man vor allem Kosten: Zum Anlegen dürfe man pro Hektar Spargel etwa mit 35.000 Euro rechnen, sagt Blümel – Geld für Arbeitskräfte, Pflanzen, Folien, Pacht und Pflanzenschutz. Ernten kann man dann maximal sechs Jahre.
Spargel ist das erste heimische Gemüse, das geerntet wird:
Start der Saison: Der offizielle Start der Abensberger Spargelsaison ist a m 6. April. Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird auf dem Hof der Familie Blümel zusammen mit der Spargelkönigin den ersten „offiziellen“ Spargel stechen.
Deutscher Spargel: Blümel ist auch im Verband der Süddeutschen Erdbeer- und Spargelbauern. Am 3. Mai, zwei Tage vor dem Spargelmarkt in Sandharlanden, ist wieder der Tag des Deutschen Spargels. Damit will man die Werbetrommel für das Qualitätsprodukt aus Deutschland drehen. Auch einen Tag der deutschen Erdbeere soll es analog dazu geben. Der ist am 24. Mai.
Spargelmarkt: Am 5. Mai rüstet sich Sandharlanden zudem für den Spargelmarkt. „Das ist der 30. Spargelmarkt“, so Blümel.

