Geldautomaten gesprengt: Laut Bewohner „wie ein Erdbeben“ – Teil der Beute unbrauchbar

Von Martin Rutrecht, Verena Roider, Bernd Limmer · 8. März 2024 um 16:37

Kurz nach 4 Uhr flogen sie in die Luft: Gleich zwei Geldautomaten sprengten bisher unbekannte Täter Freitagfrüh in zwei nebeneinander liegenden Banken in Elsendorf. Eine groß angelegte Fahndung blieb ohne Erfolg. Ein Teil der Beute ist für die Täter unbrauchbar – weil die Sprengung ein Färbesystem auslöste.

Ein lauter Knall riss die Anwohner in der Nacht auf Freitag, 8. März 2024, im Elsendorfer Ortskern mitten aus dem Schlaf. Ziel der Täter war eine Filiale der Kreissparkasse Kelheim sowie eine Filiale der Raiffeisenbank Hallertau. Die beiden Geldinstitute grenzen an der Ecke Mainburger/Mallmersdorfer Straße fast aneinander. „Es hat sich angefühlt wie ein Erdbeben", beschreibt ein Mann die Situation, als die Täter zuschlugen.

Mieter flüchten durch Rauch im Treppenhaus

Der Elsendorfer wohnt in dem Gebäude, in dem im Erdgeschoss die Sparkassenfiliale untergebracht ist. Er wurde durch die Detonation ebenso wie die anderen Bewohner – im Gebäude sind laut Kreissparkasse mehrere Wohnungen – zum Glück nicht verletzt. Sie konnten sich durch das Treppenhaus, in dem noch Rauch von der Explosion waberte, ins Freie retten.

Im ehemaligen Gasthof einer Metzgerei kamen die Menschen unter. Die gute Nachricht für die Bewohner war, dass die Statik des Gebäudes nicht gefährdet ist. Somit konnten sie im Lauf des Tages wieder ins Haus zurückkehren. Eine Praxis für Zahnerhaltung im ersten Stock der Sparkassen-Filiale blieb geschlossen.

Passanten: Damit war zu rechnen

Der Mitarbeiter einer gegenüber liegenden Pizzeria sagte: „Ich bin erst durch die Sirenen wach geworden. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn so etwas nebenan passiert. Ich weiß nicht, was im Kopf solcher Täter vorgeht.“ Dass die beiden Geldautomaten in Elsendorf einmal Ziel von Automatensprengern werden könnten, diese Befürchtung hatte der Elsendorfer Bewohner des Gebäudes schon länger. „Damit haben wir gerechnet", ist auch von anderen Passanten zu hören.

Ein halbes Dutzend Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) aus der „Tatortgruppe“ und die Spurensicherung untersuchten den Ort des Geschehens. „Wir gehen von mindestens drei Tätern aus“, sagt BLKA-Pressesprecher Alexander Groß. Die Automaten seien wohl mit Festsprengstoff zur Explosion gebracht worden.

Zeitgleich gesprengt – wie in Bad Königshofen

Die Ermittler nehmen an, dass die Geldautomaten zeitgleich gesprengt wurden. „Bei einem Fall am 19. Februar in Bad Königshofen gab es ein ähnliches Vorgehen“, so Groß zu einer Tat im Landkreis Rhön-Grabfeld. Als Zeitpunkt der Sprengungen in Elsendorf nennt Niederbayerns Polizeipräsidium „gegen 4.07 Uhr“.

Obwohl Polizeikräfte rasch vor Ort waren, konnten die Täter unerkannt flüchten. Groß spricht von einem „schwarzen, hoch motorisierten Fahrzeug der Marke Audi aus der RS-Reihe“. Wie bei den heuer schon bisher sechs Geldautomatensprengungen nutzten die Täter mutmaßlich eine nahe Autobahn (hier die A93) als Fluchtroute. „Der Standort der Banken wird vorher entsprechend ausgekundschaftet“, so Groß.

Vorstände der beiden Banken „geschockt“

Eine unmittelbar eingeleitete Fahndung mit mehreren Streifen und auch einem Hubschrauber blieb ergebnislos. Der Beuteschaden ist bisher nicht bekannt und wird von Ermittlern und Banken üblicherweise auch nicht angegeben. „Geschockt“ zeigte sich Florian Maier, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Hallertau. „Ich bin überrascht, dass sich die Täter gleich zwei Banken vorgenommen haben“, sagte er im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Maier machte sich selbst ein Bild vor Ort. Im Gebäude gibt es sonst keine Parteien. „Die Inneneinrichtung ist zerstört, aber der Schaden überschaubar.“

Eine Schadenshöhe könne er noch nicht beziffern. In der Bank befindet sich eine Videoüberwachung. Der Automat waren laut dem Vorstandsvorsitzenden noch nicht mit einem Färbesystems versehen, das die Geldscheine bei gewaltsamen Öffnen einfärbt und unbrauchbar macht. „Wir sind dabei, alle Automaten damit auszurüsten, aber in Elsendorf war das noch nicht der Fall.“ Die Filiale werde wieder instand gesetzt. Ob auch der Automat wieder in Betrieb geht, werde erst entschieden.

Einfärbung durch Sprengung ausgelöst

Auch in der Kreissparkassen-Filiale wurde Videomaterial sicher gestellt. In dieser Bank gingen die Täter de facto leer aus. „Unsere Geldausgabeautomaten sind nach den aktuellen Standards mit Färbesystemen ausgestattet“, erklärt Vorstandsmitglied Erich R. Utz, der mit Gebietsdirektor Florian Krinninger vor Ort war, auf Anfrage. Damit sei die Beute wertlos. Das Vorgehen der Täter bezeichnet Utz als „skrupellos und dreist. Der Schock sitzt tief und wir sind einfach nur froh, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind.“

Neben dem Geldautomaten wurde der komplette Schalterbereich zerstört. Zudem sind die Büroräume unbrauchbar. Des Weiteren wurden die Scheiben hinausgedrückt, fasst Kreissparkassen-Sprecher Niklas Neumeyer die Folgen zusammen. Gedanken über einen Wiederaufbau der Filiale und eine Wiederinbetriebnahme des Automaten habe man sich noch nicht gemacht.

Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts und die Spurensicherung untersuchten den Tatort.