In Bad Gögging ist eine Baufirma in der Insolvenz – Das erlebten die Wohnungskäufer

Von Jochen Dannenberg · 8. März 2024 um 05:00

Es sollte der Traum von einem schöneren Leben in den eigenen vier Wänden werden. Doch dieser Traum ist – vorerst – geplatzt. Die Baufirma ist in die Insolvenz gerutscht. Rund 50 Kunden sind in Bad Gögging (Lkr. Kelheim) betroffen. Was die Insolvenz für sie bedeutet, erzählen mehrere Wohnungskäufer erstmals in dieser Zeitung.

Den 16. Oktober 2023 werden die Käufer wohl nie vergessen. Da schickte ihnen die Bauwerk Bad Gögging GmbH eine Mail, wonach die „Firma Bauwerk Bad Gögging GmbH Insolvenz angemeldet hat“. Weiter hieß es in dem Schreiben: „Wir bitten Sie um Verständnis, dass bis dahin keine weiteren Arbeiten und den Arbeiten wie am Gemeinschaftseigentum vorgenommen werden können.“

„Ich war wütend“, sagt eine 67-Jährige, die wie andere Beteiligte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Tatsächlich war zuletzt wenig geschehen“, sagt sie und meint die Bauarbeiten. Der Verdacht etlicher Wohnungskäufer in der Straße Am Sandfeld, dass etwas auf der Baustelle nicht stimmte, war mit dem Schreiben Realität geworden. „Das ‘Kind‘, warum nichts mehr passierte, hatte jetzt einen Namen“, beschreibt ein 41-Jähriger die Situation.

Wenig Hoffnung

Seither leben rund 50 betroffene Eigentümer beziehungsweise deren Mieter auf einer Baustelle. „Wir sind vor einem Jahr hier eingezogen“, sagt eine 62-Jährige. „Am Übergabetag hatten wir noch keinen Strom und kein Wasser und auch die Klingel fehlte.“ Auch die Tiefgarage sei noch nicht fertiggestellt gewesen. Und vieles weitere ist bis heute eine Baustelle – beispielsweise die Außenanlagen. Wo Rasen wachsen sollte, liegen Steine. Es gibt keine festen Wege, die zu den Mehrfamilienhäusern führen.

„Kleinkram“ könnte man sagen, aber es geht um mehr und die Angelegenheit ist komplizierter, als die Wohnungserwerber zunächst ahnten. „Wir können und dürfen nicht selbstständig was machen“, sagt die 67-Jährige. Die Situation ergibt sich aus dem Insolvenzrecht. „Wenn wir was machen, kommt der Insolvenzverwalter und will das restliche Geld“, sagt die Frau. Tatsächlich seien die meisten Wohnungen nicht vollständig bezahlt. Die letzte Rate stehe bei den meisten Erwerbern aus. Die, so eine der Frauen, werde aber erst fällig, wenn auch die Außenanlagen und die anderen Arbeiten fertig gestellt sind.

Der Insolvenzverwalter hat den Erwerbern bisher kaum Hoffnung machen können, dass die Restarbeiten schon bald erledigt werden könnten. Im Gegenteil. Bei einer Informationsveranstaltung unlängst im Vereinsheim des TSV Bad Gögging betonte er, dass das Verfahren lange dauern könne. Von drei bis acht Jahren sei gesprochen worden. Vorerst müsse jedoch geprüft werden, ob überhaupt ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.

Die rechtliche Stellung der Erwerber bleibt deshalb schwierig. Derzeit haben die Banken „die Hand drauf“ – auf den Wohnungen. Die Erwerber sind regelmäßig nicht Eigentümer, sondern „wirtschaftliche Besitzer“, sagt eine der Frauen im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das bedeutet: Wir müssen Grundsteuern zahlen und Müllabfuhr und all die anderen Dinge auch“, erklärt sie.

Sorgenfrei im Alter

Frei verfügen können die Erwerber nicht über ihre Wohnungen und das Gemeinschaftseigentum. Und mit all den bestehenden Mängeln müssen sie leben, bis klar ist, was aus der Insolvenz wird.

Gedacht war das alles ganz anders. Den 41-Jährigen – er ist verheiratet und hat ein Kind – lockte die Lage und die Umgebung. Wohnen mit Blick auf die Felder am Rande des Kurortes, zugleich aber Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, die ruhige Lage und dazu die Ausstattung der Wohnungen. „Das war für mich stimmig“, sagt er. „Ich wollte eine Wohnung fürs Alter“, sagt die 67-Jährige. „Mit Fahrstuhl, barrierefrei.“

Und vor allem sorgenfrei wollten sie leben. Davon sind sie noch weit entfernt.

Der Eingang ist eine Behelfslösung. Über Schotter und eine Palette geht es für diese Frau ins Haus. Foto: Dannenberg
So stellten sich die Erwerber ihre neue Heimat vor. Foto: Bauwerk BG GmbH