Projekte in Bad Gögging und Langquaid: Großer Bauträger im Landkreis Kelheim in der Insolvenz

Jahrelang gab es bei der Bauwerk-Gruppe, die sich auf Neubauprojekte sowie die Renovierung historischer Gebäude und Betriebsstätten spezialisiert hatte, nur eine Marschrichtung – aufwärts. Doch jetzt sind einige Projekte in ein Insolvenzverfahren gerutscht.
Die ehemalige Brauerei und der frühere Gasthof Keim in Neustadt an der Donau waren der Anfang. Vier junge Geschäftsleute – Harry Eberl, Werner Reichl, Christian Rossbauer und Andreas Treffer – übernahmen als ERRT-Gruppe die alten Anwesen und bauten sie zu Boardinghäusern und Wohnungen um. Später investierten die Geschäftsleute auch in Neubauprojekte.
Eines der großen Projekte wurde die Neubebauung des ehemaligen Siebig-Geländes in Bad Gögging. Hier waren unter anderem 108 Wohnungen geplant. Außerdem wurden Vorhaben in Kelheim und Langquaid entwickelt und der Vertrieb gestartet. „Auf Wunsch und Empfehlung der Bank wurde für jedes Vorhaben aus Risikoabgrenzungsgründen eine eigene GmbH gegründet“, sagt Werner Reichl. „Wir haben uns dann für einen Generalunternehmer aus Augsburg entschieden, nachdem wir die Referenzen geprüft hatten. Mit der ERRT GmbH haben wir die Kundenbetreuung und Baubegleitung für die Projekte gemanagt.“
Pandemie und Baukosten
Doch dann kam, womit niemand hatte rechnen können – die Pandemie und ein rasanter Anstieg der Baukosten. „Während der Zeit hat der Generalunternehmer im Oktober 2021 Insolvenz anmelden müssen“, erklärt Andreas Treffer. Außerdem verließ Christian Rossbauer die Firma, weshalb die ERT GmbH gegründet wurde.
Die Situation war schwierig. „Wir hatten in vier Bauprojekten 100 Wohnungen fertigzustellen“, sagt Andreas Treffer. Bei den Projekten sei es um Vorhaben in Bad Gögging, Langquaid und Kelheim gegangen, für die eigene GmbHs gegründet waren. Drei Projekte sind von der Insolvenz betroffen – in Langquaid die Bauwerk IN GmbH sowie in Bad Gögging die Bauwerk BG GmbH BA 1 und BA 2.
Es folgten Gespräche mit den finanzierenden Banken „und weil wir unseren Käufern eine fertige Immobilie versprochen hatten, begannen wir, eine Baufirma mit den entsprechenden Kompetenzen und Mitarbeitern aufzubauen, um die Aufgaben bewältigen zu können“, sagt Treffer. Dahinter, erklärt Reichl, steckte auch der Gedanke, dass üblicherweise kein Bauunternehmer in einen fremden Rohbau einsteigt, um ihn dann fertigzustellen.
Aufgrund der Vielzahl der Projekte und der vielen Probleme, räumen die beiden Geschäftsleute ein, sei jedoch „einiges schief gelaufen“. Allerdings sei es auch gelungen, „alle Projekte am Laufen zu halten und weiter zu bauen“.
„Wir hatten zu der Zeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie die gesamte Branche, Baumaterial war kaum verfügbar, es gab keine Firmen und dadurch konnten wir den kommunizierten Zeitplan nicht einhalten“, beschreiben die beiden Unternehmer die Situation. „Wir schafften es aber, die Projekte Stück für Stück fertig zu stellen.“
Kaufpreisraten einbehalten
Da tauchte ein neues Problem auf: „Die Kommunikation mit den Käufern wurde immer schwieriger und wir versuchten die Wohnungsübergaben so gut wie möglich zu moderieren und die Mängel noch abzustellen.“ Aber die Arbeit wurde dadurch erschwert, weil unter anderem durch das Einbehalten der letzten Kaufpreisraten die Vereinbarung mit den Banken nicht eingehalten werden konnte.
„Im August blieb uns dann aufgrund der Gesamtsituation leider keine andere Möglichkeit als Insolvenz anzumelden“, stellt Andreas Treffer fest. „Wir haben es aber geschafft, dass alle Käufer ihre Wohnungen beziehen oder vermieten können. Bei zwei Projekten fehlen noch Teile der Außenanlagen. Wir sind mit dem Insolvenzverwalter und den Banken im Austausch und versuchen, die Projekte fertig zu stellen.“
Unterm Strich sieht die Rechnung so aus: „In Summe haben wir durch die Insolvenz des Generalunternehmers einen Schaden von circa sieben Millionen Euro erlitten. Weitere 1,5 bis 2 Millionen haben wir noch an Leistungen von der ERT GmbH in die Fertigstellung gesteckt.“
Werner Reichl betont: „Wir sind nicht tot. Wir haben unser Möglichstes versucht, unser Versprechen gegenüber unseren Kunden zu erfüllen. Es war uns leider nicht möglich, dies zu 100 Prozent zu erreichen.“

