Neues Messerschmitt-Flugzeug wurde zum Fiasko für die Wehrmacht

Von Jochen Dannenberg · 13. November 2023 um 19:00

Peter Schmoll, früherer Leiter der Bayernoil-Werkfeuerwehr und leidenschaftlicher Hobbyforscher zu Messerschmitt-Flugzeugen hat ein neues Buch über den Rüstungsgiganten des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Darin geht es um den wohl größten Flop der Luftwaffe im Dritten Reich. Dessen Spuren reichen tief in die Region.

Es ist das siebte Buch, das Peter Schmoll geschrieben hat. Der 71-Jährige aus Herrngiersdorf widmet sich darin einmal mehr seinem Lieblingsthema – den Messerschmitt-Werken und ihren Flugzeugen. In diesem Band, der im MZ-Buchverlag in der Battenberg Gietl Verlag GmbH erschienen ist, geht es um die Messerschmitt Me 210. Sie war das Nachfolgemodell der Me 110. „Mit der Konstruktion der Me 210 hatte Willy Messerschmitt ein Flugzeug auf die Beine gestellt, das eine zu große Zahl an Schwachpunkten aufwies“, stellt Schmoll lapidar fest.

Dabei sollte genau diese Maschine angesichts der Kriegslage 1941/42 und den damals riesigen Fronten helfen, die Kriegslage auf Seiten der Wehrmacht zu entspannen. Das führte schlicht zu einem Fiasko für die Wehrmacht. 2000 Maschinen waren in Auftrag gegeben worden. Tatsächlich wurde die schon angelaufene Produktion nach 261 gebauten Maschinen gestoppt und die Fertigung der Me 110 musste wiederaufgenommen werden. Ein „Totalausfall“, konstatiert Peter Schmoll.

Auf einem Hügel zerschellt

Sowohl die Me 110 als auch ihr Nachfolgemodell haben ihre Spuren in der Region hinterlassen. Eine Me 110 ist während des Krieges im Dürnbucher Forst bei Mühlhausen abgestürzt, eine Me 210 am 27. Juli 1943 in Straßberg bei Geisenfeld. Der Pilot hatte eine Notlandung versucht, dabei war die Maschine auf einem Hügel zerschellt. Der Pilot kam dabei ums Leben.

Anders die Situation bei Mühlhausen: „Die Maschine hatte Triebwerksprobleme, ein Motor hatte Feuer gefangen“, erzählt Peter Schmoll. Brennend flog die Me 110 noch über das Dorf hinweg, ehe sie im Wald abstürzte. Fritz Goosmann, der Flugzeugführer, und Werner Springen als Bordfunker überlebten den Absturz nicht.

Zwei Abstürze in der Region – gibt es Gemeinsamkeiten? Die Me 110 war auf einem Übungsflug gewesen. Es handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um eine neue Maschine, die wurden nämlich an die kämpfenden Truppen geliefert. Die Übungsmaschine könnte schon mehrere Einsätze hinter sich gehabt haben und anschließend für den Schulbetrieb hergerichtet worden sein. Die Me 210, das Nachfolgemodell, war dagegen neu und befand sich noch in der Erprobungsphase. Doch die Mängel der Maschine waren bereits offenkundig: Die konsequent auf Leichtbau getrimmte Maschine war schwierig zu fliegen und das Material hielt den Beanspruchungen nicht stand. Außerdem gab es Probleme mit den Motoren, was unter anderem daran lag, dass Willy Messerschmitt die Öl- und Wasserkühler zu klein ausgelegt hatte.

„Ölhaltiger Film“

Die Absturzstelle im Dürnbucher Forst wurde unmittelbar nach dem Unglück von der Wehrmacht aufgeräumt. Peter Schmoll meint jedoch, dass dies nicht besonders sorgfältig geschehen sein könnte. Einer der Motoren des abgestürzten Kriegsflugzeugs könnte noch im Erdreich stecken. Daraus könnten Gefahren für das Trinkwasser entstehen. Immerhin gehört der Wald zu einem Trinkwasserschutzgebiet.

„Bei Regen ist an der Absturzstelle ein ölhaltiger Film erkennbar“, sagt er. „Es wird auch berichtet, dass der Boden nach Sprit riecht. „Ich halte es daher noch immer für notwendig, dass man den Boden untersucht.“

Die Messerschmitt Me 210 wurde für die Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg zum Fiasko. Foto: Sammlung Peter Schmoll