So bereitet die Fastenzeit Freude: Perfekte Show und viel Witz, Humor und Ironie beim Grenzlandstarkbierfest

Von Josef Kastl · 3. März 2024 um 15:00

Eine Warnung vor Stroboskop- und Lasereffekten vor Beginn der Veranstaltung ließ bei den rund Gästen der Premiere des 26. Grenzlandstarkbierfestes in der Appel-Seitz-Stiftung in Schwaig eine Überraschung erahnen.

Zusammen mit Laura Wigand lud Andreas Schmidt im Namen der Schwoagara Dorfbühne, des Katholischen Burschenvereins und der Freiwilligen Feuerwehr zu einer „Reise durch die kloane und große Politik“ ein. Bereits im ersten Liedblock war die Leidenschaft aller Mitwirkenden zu spüren. Nach wenigen Takten sprang der Funke auf das Publikum über, das mit lautstarkem Klatschen seine Begeisterung zum Ausdruck brachte.

Für Beate Riepl war ihre Starkbierrede eine Premiere. „Seit Weihnachten habe ich in der großen und kleinen Politik recherchiert, getextet und gedichtet und mit Christian Hauber die musikalischen Beiträge abgestimmt“, zeigte sie keine Anzeichen von Nervosität. Dem Bundeskanzler, der Außenministerin, den grünen Politikern und den bayerischen Politikers hat sie „aufs Maul g‘schaut“ und so manche Widersprüche aufgedeckt. Schonungslos hatte sie aktuelle Gesetzgebungen und gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragt. Ihr Fazit lautete: „Mit einem ‘leistungsunabhängigen Selbstbewusstsein‘ kannst du heute in der Politik alles erreichen.“

Ungereimtheiten aufgedeckt

Auch im lokalen Umfeld fielen ihr Ungereimtheiten und Missstände auf. Hat Bürgermeister Thomas Memmel etwas gegen Schwaig, weil alle anderen Ortsteile auf seiner Facebook-Seite zu finden sind? Zur Verschönerung des Ortsbildes würde eine Mariensäule an Stelle des Maibaums gut passen.

Das leerstehende Wirtshaus in der Ortsmitte wäre gut geeignet für ein „Mehrversorgungshaus“ mit PV-Anlage, Windrädern und Wasserkraftwerk zur energieautarken Versorgung. Die heimliche Sehnsucht der Schwoagara nach Münchsmünster brachten sie mit einem lautstarken, rockigem „Schwaog g‘hört ́‘nüber“ zum Ausdruck.

Nach einer kurzen Pause bei bayerischer Brotzeit und zünftiger Blasmusik der Donautaler Blaskapelle, die auch zum 26. Mal für Bierzeltstimmung sorgten, startete auf der Bühnenleinwand eine riesige Rakete wie in einem Science-Fiction-Film in die Weiten des Weltalls.

Mit dem (T)raumschiff „Sir Preuß“ machte sich die Bundesregierung „planlos“ auf die Suche nach der benötigten Energie, um die Erde zu retten. Doch als die „Bavaria One“ mit einer heftigen Erschütterung andockt und Ministerpräsident Söder, sein Stellvertreter Aiwanger und Ministerin Aigner unter den Klängen des Defiliermarsches die Kommandobrücke betraten, sollte der Kurs klarer werden. Söder riss den Steuerknüppel an sich und lenkte das (T)raumschiff statt auf den Mars zur Venus. Auf dem Weg galt es, diverse politische Oppositionspolitiker und antieuropäische Populisten „in Zaum zu halten“.

Auf der Venus sahen sie sich als „illegale eingeschleuste Migranten“ von den Eingeborenen mit Laserschwertern bedroht. Die Bürgermeister Thomas Memmel und Anderl Meyer, die die Politiker aus Bund, Land und Europa quer durch den Orbit beamten, holten sie wieder auf die Erde zurück. Allerdings hatte sich hier an der politischen Großwetterlage nichts geändert.

In dem Starkbierspiel haben Michael Bichlmaier, Karl Friedl, und Christian Hauber die aktuellen politischen Zustände, Krisen, Eigenheiten von Parteien, Personen in eine turbulente, chaotische Reise von einem Planeten zum anderen eingebaut. Die Darsteller schlüpfen perfekt in die Rollen ihrer „Vorbilder“ und sorgten für ein Feuerwerk an hinter- und vordergründigen Gags vor imposanten, effektvollen Bühnenbildern. Bunte, zuckende Laserstrahlen brachten beim temperamentvollen Showtanz zum Abschluss die Appel-Seitz-Stiftung „zum Kochen“.

Gäste waren begeistert

Eine andere Atmosphäre verbreiteten fünf „betagte“ Männer, die in Schlafanzügen mit Rollator und anderen Gehhilfen, gestützt von jungen gut aussehenden Pflegerinnen sich durchs Publikum auf die Bühne kämpfte. Sie nahmen kein Feigen-Blatt vor dem Mund und gaben „pudelnackert“ ihre persönlichen, altersbedingten Befindlichkeiten preis. Natürlich waren die jungen Damen auch nicht „auf den Mund gefallen“ und sorgten für einen Lach-Marathon bei den Gästen.

Mit den Liedern „Gebt‘s Frieden a Chance“, „Der moderne Trick“ und „Schwoag ist Schwoag“ hat Christian Hauber für den abschließenden Liederblock wieder kritische, nachdenkliche, aber auch motivierende Texte gefunden.

Der Ruf der 250 begeisterten Gäste nach einer Zugabe wurde mit einem fulminanten Feuerwerk und einem herzlichen gesungenen „Dankeschön“ belohnt. Hans Bauer, Initiator der Appel-Seitz-Stiftung, freute sich über die strahlenden Gesichter der Besucher. Für den Vorsitzenden Roland Bauer ist das Geheimnis ihres Erfolgs: „Wir haben Spezialisten, die Spaß haben, an den Details zu arbeiten, sei es der Liedtexter, die Darsteller, der Tontechniker, die Bildprojektionen und der Bühnentechnik“.