Vorstoß aus Neustadt: Überlegungen zum Gymnasium Rohr auf den Prüfstand stellen

16 Jahre nachdem für die Stadt ein Gymnasium gefordert wurde, kommt neuer Schwung in die alte Diskussion. Anlass sind Überlegungen, wonach der Landkreis Kelheim die Trägerschaft für das Rohrer Gymnasium übernimmt. Neustädter Eltern äußern sich mit ganz anderen Überlegungen.
Es war nicht zuletzt die Mitteilung, dass der Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung über das Gymnasium Rohr beraten will, die Neustädter Eltern aufhorchen ließ. „Dazu kamen die Gerüchte, dass sich die Kirche aus Rohr zurückziehen wolle“, sagt Rebecca Liedl, die der Interessengemeinschaft (IG) Gymnasium Neustadt angehört. Die IG hat sich erst vorige Woche gebildet. Inzwischen gehören der Gruppe 36 Personen an.
Sie erinnern auch an Diskussionen insbesondere im Jahr 2008 in Neustadt a.d. Donau. Schon damals wurde ein Gymnasium für die Stadt gefordert. Die Parteien im Stadtrat waren sich einig und betonten, dass der Kommune eine solche Schule in Anbetracht wachsender Einwohnerzahlen und eines „Hinterlandes“, zu dem auch Pförring und Münchsmünster gehören, sowie aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Kommune die Stadt sinnvoll ergänzen würde.
Einer der Wortführer war damals der heutige Erste Bürgermeister Thomas Memmel. Auf dem Höhepunkt der Diskussionen kam Kultusminister Ludwig Spaenle zum Streitgespräch mit Thomas Memmel in den Bürgersaal und auf dem Kirchplatz fand eine von der Mittelbayerischen initiierte Versammlung statt.
Die Stadt wächst
An den grundsätzlichen Fakten, die damals bestanden, hat sich nichts geändert. Eher im Gegenteil. Die Zahl der Einwohner und insbesondere die der Kinder wächst in Neustadt a.d. Donau seit Jahren. Das wirkt sich auch auf die Kindergärten aus, bei den Stadtrat und Bürgermeister ständig neue Plätze schaffen müssen. Und das wird sich bei den Schulen fortsetzen, wie Bürgermeister Memmel derzeit bei Bürgerversammlungen betont.
„Neustadt hat schon jetzt die größte Grundschule im Landkreis Kelheim“, sagt Rebecca Liedl. „Und sie wächst weiter“, ergänzt Monika Weber, die ebenfalls der IG angehört. „Für das kommende Schuljahr wird mit sechs ersten Klassen gerechnet“, sagt IG-Mitglied Anja Kolb.
Und: Wer heuer ABC-Schütze ist, steht in vier Jahren vor dem Übertritt. Für die, die dann auf die Realschule oder aufs Gymnasium wechseln, kommt damit die Zeit der Fahrerei. Christian Bülters berichtet, was das für seinen Sohn bedeutet: „Unser Sohn steht um halb sechs auf, damit er um 6.15 Uhr an der Bushaltestelle steht. Das ist ein Zeitplan wie für Schichtarbeiter.“
Das hat wiederum weitere Folgen. Aus der Grundschulklasse von Bülters‘ Sohn gehen nur drei Kinder aufs Gymnasium. Das ist deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt. Der liegt bei 38 Prozent.
An den Noten liege es zumindest in der Klasse seines Sohnes nicht, dass Kinder nicht ans Gymnasium wechselten, betont Christian Bülters. Es gehe schlicht auch um die Fahrzeiten. Und um Chancengleichheit, wie Rebecca Liedl betont. So weiß sie von einem Klassenbesten, der allein aufgrund der Fahrzeiten nicht ans Gymnasium, sondern an die näher gelegene Realschule wechselte. Rebecca Liedl stellt daher fest: „Die Chancen der Neustädter sind eingeschränkt.“
Wenig förderlich, sagt Rebbeca Liedl weiter, sei die Aufteilung der Kinder beim Übertritt. Kinder aus dem Neustädter Ortsteil Heiligenstadt würden für das Gymnasium in Mainburg eingeplant, Kinder aus dem Nachbarort Bad Gögging jedoch ans Kelheimer Gymnasium. Dadurch werden bestehende Freundschaften aus Grundschulzeiten unterbrochen.
OTH ja, Gymnasium nein?
Schließlich müsse auch gesehen werden, dass es in Neustadt a.d. Donau eine Lücke gebe. Es gebe die Grundschule und die Mittelschule und dann den OTH Campus, erinnert Monika Weber. „Diese Lücke ist noch nicht geschlossen“, sagt sie. Außerdem teilt die IG mit, sei die Stadt weiter ein bedeutender Wirtschaftsstandort zwischen Regensburg und Ingolstadt. Auch das dürfte er zu einer höheren Nachfrage nach einem Gymnasium beitragen.
Damit ist der Wunsch nach einem Gymnasium genau an dem Punkt, an dem er schon vor über einem Jahrzehnt war – den zu erwartenden Schülerzahlen. Damals hatte Christian Hauber, seinerzeit Vorsitzender des Gymnasium-Fördervereins GribBs, gesagt: „Ein ausreichendes Schülerpotenzial von 1000 Schülern aus dem ‚Dreiländereck‘ der Landkreise Eichstätt, Pfaffenhofen und Kelheim ist nach dem Schulentwicklungsgutachten des Planungsinstitutes SAGS vorhanden. Diese Region hat 40.000 Einwohner und ist ohne weiterführende Schule.“ Hauber ging aufgrund des Gutachtens seinerzeit von circa 870 Schülern im Jahr 2024 aus.
Darum stellt sich für die Mitglieder der IG vor allem auch eine Frage: Warum sollte man nicht jetzt einen Neubau prüfen? „Auch ein Neubau ist nachhaltig“, sagt Rebecca Liedl, denn die Kinder müssten nicht mehr wie bisher zu weit entfernten Schulen gefahren werden. Zudem, so Christian Bülters, müsste eine für Rohr angedachte Sanierung während des Unterrichtsbetriebes durchgeführt werden. In Neustadt könnte die Kinder in einen Neubau einziehen.
„Und“, betont Rebecca Liedl, „keiner will Rohr was wegnehmen.“ Gleichwohl sind auch Eltern in der IG aktiv, die einst in Rohr aufs Gymnasium gegangen sind.

