Kaiser-Therme: Kein Geld von Bezirk und Markt für Sanierung – Finanzspritze fürs Inselbad

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) hat ohne privaten Investor keine Zukunft. Das steht nach Beschlüssen von Bezirkstag und Marktgemeinderat fest. Beide Gremien lehnten am Donnerstag, 4. Juli 2024, die Mittelbereitstellung für eine Sanierung ab. Eine unerwartete Finanzspritze erhält aber das Inselbad.
Ein 50-Millionen-Euro-Paket für Sanierung und Modernisierung könnte die Kaiser-Therme in ihrer jetzigen Form erhalten. Doch seit Donnerstag ist diese Option vom Tisch. Der Bezirk Niederbayern, der wie der Landkreis Kelheim und der Markt im Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach – dem derzeitigen Betreiber – sitzt, könne angesichts einer sich „stark zuspitzenden finanziellen Situation“ den Anteil von gut 30 Millionen Euro nicht aufbringen, sagte Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich bei der Sitzung im Kurhaus.
Sinkende Einnahmen bei der Bezirksumlage (2025: minus 19,9 Millionen Euro) und steigende Ausgaben im Sozialbereich belasteten den Bezirksetat, so Heinrich. Neue Investitionen in die Therme würden zur „Überforderung“ führen. Zugleich habe man aber „Interesse an einer Zukunft in Bad Abbach“ und werde intensiv daran arbeiten, einen Investor zu finden. Ein „strukturierter Verkaufsprozess“ soll binnen zwei Jahren den Übergang in private Hand bringen.
Bezirkstagspräsident sieht gute Chancen für Verkauf
Nach dieser Frist werde die Auflösung des Zweckverbands eingeleitet – selbst wenn kein neuer Betreiber gefunden wurde. Ohne Investor stünde die Therme dann vor dem Aus. Heinrich sieht aber gute Chancen, einen Investor zu gewinnen. „Eine boomende Region, wachsende Ballungsräume, freie Grundstücke und eine ideale Thermengröße sind starke Rahmenbedingungen“, so der Bezirkstagspräsident.
Im Bezirkstag wurde die Beschlussvorlage – keine Mittel für die Sanierung, Investorensuche und Zweckverbands-Auflösung in zwei Jahren – einmütig befürwortet und „als Chance für etwas Neues“ betrachtet, auch wenn man „Sorgen und Nöte“ verstehe. Einzig die AfD scherte aus. „Wir sehen uns bei den Informationen nicht eingebunden“, sagte Markus Hesse für die Fraktion. Was ihm prompt die Replik anderer Parteien einbrachte, alle Informationen seien immer transparent vorgelegen. Mit 19:3 Stimmen wurde letztlich die Entscheidung gefällt.
Bad Abbach steht vor riesigen Investitionen
Unmittelbar danach trat der der Marktgemeinderat im Kurhaus zusammen. Auch dort bestimmte seitens Bürgermeister Benedikt Grünewald die klamme Finanzlage den Tenor. Bad Abbach müsste rund zehn Millionen Euro für die Sanierung zuschießen. Grünewald rechnete vor, dass auf die Kommune in den nächsten Jahren Ausgaben von insgesamt gut 60 Millionen Euro zukämen – für Schulen, Turnhalle, Feuerwehr-Gebäude, Inselbad und Fußgängerbrücke zur Freizeitinsel. An diesen Projekten führe für die Gemeinde kein Weg vorbei.
Bei der Therme „kann das auch ein anderer machen“, leitete Grünewald zur Investoren-Lösung über. Er sprach ebenso von „validen und guten Chancen, auch dass mehr drumherum entsteht“, etwa Hotels. Der Bürgermeister ging auch auf den Zeitrahmen von zwei Jahren ein. „Bei einem längeren Prozess würde der Sanierungsbedarf weiter steigen.“ Der Belegschaft, die bei den Sitzungen nahezu geschlossen in den Besucherreihen saß, versprach der Bürgermeister: „In den nächsten zwei Jahren wird die Therme so weitergeführt wie bisher.“
Markträte: Keine leichte Entscheidung
Auch in diesem Gremium gab es überwiegend Zustimmung. „Niemand nimmt die Entscheidung auf die leichte Schulter“, so Andreas Diermeier von der CSU. Doch, so auch andere Fraktionen, die finanzielle Belastung sei nicht zu stemmen. Auch die „große Chance“ der Neuausrichtung hoben mehrere Räte hervor.
Siegfried Schneider (iNBA) hatte mit der Auflösung des Zweckverbands ein „Problem“. „Mir fehlt die Sicherheit, dass sich ein Investor auch positiv auf die Weiterentwicklung Bad Abbachs auswirkt.“ Die Freien Wähler sprachen sich gegen die zeitliche Vorgabe aus und werteten die Nichtbereitstellung der Mittel als „Schuldeingeständnis verfehlter Finanzpolitik“, so Christian Hanika. Mit dem Zeithorizont konnte sich auch Marina Markheim (Aktive Bürger) nicht anfreunden. „Ohne Investor stehen wir in zwei Jahren mit einer Anlage da, die schließen muss.“
Einige Gegenstimmen zu Beschlüssen
Daher gab es beim Beschluss zu Investorensuche und Zweckverbands-Auflösung in zwei Jahren sieben Gegenstimmen (17:7). Bei der Ablehnung der Sanierungsmittel votierten die FW dagegen (19:5).
Einstimmig wurde eine überraschende Finanzspritze für das Inselbad angenommen. Um die „Transformation von Bad Abbach zu unterstützen“, so Olaf Heinrich, stellen Bezirk (75 Prozent) und Landkreis (25%) sieben Millionen Euro für die Sanierung von Inselbad und Fußgängerbrücke zur Freizeitinsel bereit. „Beide Maßnahmen kosten zusammen 14 Millionen Euro. Die andere Hälfte erhalten wir über Förderungen. Daher belasten die Ausgaben unseren Haushalt nicht“, freute sich Grünewald. „Damit können wir das Inselbad angehen und für die Brücke die Planung aufnehmen.“
Beraterfirma „Project M“ steht zur Seite
Investoren: Die Suche nach neuen Betreibern könne erst nach den jetzt gefassten Beschlüssen beginnen, so Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich. Mit „ProjectM“ habe sich der Bezirk eine Beraterfirma in der Tourismuswirtschaft an die Seite geholt.
Landkreis-Part: Landrat Martin Neumeyer, in beiden Sitzungen anwesend, will die Kaiser-Therme nun auch in die Kreisgremien einbringen. „Wir wollen, dass es weitergeht. Aber auch wir stehen vor der Herausforderung: weniger Geld – mehr Aufgaben.“
