Dramatische Finanzlage bei Kaisertherme: Private Investoren klopfen an

50 Millionen würde die Sanierung des Bad Abbacher Bades kosten – bezahlen müssten das die Steuerzahler über den Bezirk, den Landkreis Kelheim und den Markt Bad Abbach. Doch die Kassen sind leer. Jetzt entscheiden die zuständigen Gremien, ob sie einen Schritt wagen, der die Therme retten kann: Eine Privatisierung wird greifbar. Eine Agentur ist eingeschaltet, die bereits eine andere Bäder-Privatisierung erfolgreich gestemmt hat.
Am Donnerstag wissen nicht nur die Bad Abbacher mehr. Auch Badegäste, die häufig auch aus der Oberpfalz in den Kurort fahren und die Kaisertherme dort besuchen, bekommen Gewissheit. Das Bad steht entweder vor dem Aus – oder beginnt eine völlig neue Zukunft.
Wie gut informierte Kreise der Mediengruppe Bayern bestätigten, planten die kommunalen Träger des Bades eine Privatisierung. Die Situation ist für die politisch Verantwortlichen extrem schwierig: Die notwendige Sanierung des Bades soll etwa 50 Millionen Euro kosten. Dabei müsste der Bezirk von Niederbayern etwa mit 30 Millionen Euro einspringen, der ohnehin finanziell angeschlagene Markt Bad Abbach müsste weitere zehn Millionen sowie der Landkreis Kelheim ebenfalls zehn Millionen Euro übernehmen. Eine Summe, die in den leeren kommunalen Kassen dem Vernehmen nach einfach nicht vorhanden ist.
Erste Weichenstellungen
Doch eine Schließung der Therme wäre auch ein politisch fatales Signal. Traditionell wird die Therme nicht nur von Abbachern oder Bürgern aus dem Landkreis Kelheim genutzt. Bad Abbach gilt für die Regensburger als ihr Kurort vor der Haustür. Schnell erreichbar über die Bundesstraße und seit jeher für Sommerfrischler ein Ausflugsziel. Doch die Kosten für die Sanierung, die zudem mit einer Schließung von bis zu 90 Wochen und damit entfallenen Einnahmen einhergeht, sind zu hoch.
Im Hintergrund arbeiten die Verantwortlichen deshalb an einer anderen Lösung. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern haben sich aufgrund der Berichterstattung über die Finanzierungsprobleme bereits mehrere mögliche Investoren gemeldet. Für ein solches Szenario gibt es Vorbilder: Eine ist schon einige Jahre alt. Das Erlebnisbad Trimini in Kochel am See (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurde bereits 2011 von der Kristallbäder AG übernommen. Auch damals ging es um eine Generalsanierung der in die Jahre gekommenen Anlage. Für Bad Abbach und die Kaisertherme viel interessanter ist aber die Privatisierung der Therme in Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen. Diese ist bereits in den 60er Jahren gebaut und 1974 erweitert worden. Bereits Anfang der 2000er Jahre musste die Therme dort umfassend saniert werden.
Die heutige VitaSol-Therme wurde 2023 von der Stadt Bad Salzuflen an die Kannewischer Holding verkauft. Dort plant der private Investor nun ein Vier-Sterne-Hotel mit 100 Zimmern, das ab 2025 gebaut werden soll.
Informationen der Mediengruppe Bayern zufolge ist die Agentur, die den damaligen Verkauf der VitaSol-Therme vermittelt und begleitet hat, auch in Bad Abbach bereits aktiv. Doch nun müssen die Kommunalgremien entscheiden.
„Süden wird zu heiß“
Am 4. Juli tagen Bezirkstag sowie Bad Abbacher Marktrat. Sie müssten zustimmen, dass der Zweckverband am 9. Juli grünes Licht für eine Auflösung gibt und damit den Weg in einer Privatisierung ebnet.
„Italien und Spanien werden durch den Klimawandel immer heißer“, sagt ein Politiker, der mit der Sache betraut ist. „Die Investoren sagen, sie finden den Standort Bad Abbach optimal: An den Toren zum Welterbe und jeweils eine Stunde von München und Nürnberg entfernt.“
Ausgerechnet der Klimawandel könnte somit der Kaisertherme eine Zukunft beschweren.