Bad Abbacher Kaiser-Therme: Druck nimmt zu – Gerüchte um Bezirks-Ausstieg machen die Runde

Wie ein Damoklesschwert hängt das mögliche Aus über der Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim). Nur über eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro ist das Kurbad zu retten. Eine Sondersitzung des Bezirkstags wird demnächst die Richtung weisen. In Bad Abbach wächst der Widerstand gegen eine Schließung.
Seit der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach im März 2024 die gewaltige Investitionssumme für die Kaiser-Therme beziffert hat, wird hinter den Kulissen um eine Lösung gerungen. „Wir befinden uns in der Endphase des selbst gesetzten Ziels, bis zur Jahresmitte die Prüfaufträge des Zweckverbands abzuarbeiten“, sagt Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald.
Mit „Prüfaufträgen“ sind die unterschiedlichen Zukunftsszenarien gemeint: Schließung, Fortbestand über ein 50-Millionen-Euro-Paket, aber auch Teilbetrieb (beispielsweise nur Erhalt der Saunalandschaft) oder Einstieg eines privaten Investors. Grundsätzliches Problem ist die veraltete Gebäudetechnik der Therme, die 1991 eröffnet wurde. Allein 22 Millionen Euro würde die Sanierung verschlingen – und das Bad wäre währenddessen rund 90 Monate lang komplett geschlossen. Weitere 13 Millionen Euro fielen auf eine Attraktivierung, 15 Millionen in Kredite und Defizitausgleich.
Zweckverband hängt ohne Geldmittel in der Luft
Die Entscheidung, wohin die Reise geht, trifft der Zweckverband in einer Sitzung am Dienstag, 9. Juli 2024. „Aber davor müssen wir wissen, ob eine Sanierung überhaupt finanziert werden kann“, sagt Zweckverbands-Geschäftsführerin Katrin Landes. Bereit stellen müssten die Mittel der Bezirk Niederbayern (60 Prozent), der Landkreis Kelheim und die Kommune Bad Abbach (je 20Prozent), die mit den genannten Prozentzahlen als Gewährsträger im Zweckverband sitzen.
Entsprechend der Aufteilung müsste der Bezirk 30 Millionen Euro schultern (die übrigen beiden Gewährsträger je 10 Millionen). Für Landes steht außer Frage: „Der Bezirkstag muss vor der Verbandsversammlung eine Aussage treffen, ob die erforderlichen Mittel vom Bezirk zur Verfügung stehen.“ Dazu werde eine Sondersitzung einberufen, sagt Landes. Die Terminierung erfolge in Kürze.
Ausstieg wäre das Ende – außer es findet sich ein Betreiber
In Bad Abbach geht indes das Gerücht um, der Bezirk werde den Zweckverband verlassen – was das Ende der jetzigen Kaiser-Therme bedeuten würde. Ein anderer Betreiber, sei er öffentlich oder privat, müsste gesucht werden. „An Gerüchten beteilige ich mich nicht“, sagt Landes, die auch Referentin des Bezirkstagspräsidenten Olaf Heinrich ist. Auch Bürgermeister Grünewald will nicht Stellung nehmen, „insbesondere kann ich nicht für den Bezirk Niederbayern sprechen“.
Landkreis und Kommune können Therme allein schwerlich halten
Klar dürfte sein: Landkreis und Kommune könnten die Therme angesichts der hohen Kosten allein schwerlich halten. Der Kreistag wird sich mit dem Thema erst nach der Entscheidung in der Zweckverbandsversammlung befassen, lautete jüngst die Auskunft der Pressestelle im Landratsamt. „Aktuell liegen keine konkreten Informationen vor, die einer Entscheidung der Kreisgremien bedürften“, hieß es. Ändern würde sich dies, wenn es beispielsweise um eine Mittelbereitstellung für die Sanierung ginge. Der Marktgemeinderat will noch vor der Verbandsversammlung über die Therme beraten.
Zum Einstieg eines möglichen privaten Betreibers sagt Bürgermeister Grünewald: „Die Möglichkeit eines Investors war nur eine unter mehreren Fragen, die die Zweckverbandsversammlung zur Prüfung gestellt hat. Ein Beschluss in Richtung einer Investorenlösung müsste erst noch gefasst werden.“ Dass es lose Interessenten gebe, hatte der Gemeindechef schon angedeutet.
Früherer FW-Chef Josef Geitner will handeln
Im Markt wird das Unbehagen größer – und neuer Widerstand gegen eine Schließung regt sich. Neben Jochen Wollenweber, der sich als Privatmann und treuer Badegast für die Therme stark macht, will nun auch der frühere Bad Abbacher FW-Vorsitzende Josef Geitner handeln. Der 75-Jährige und der Regensburger Wollenweber (70) planen eine Flugblatt- oder Unterschriftenaktion im Ort.
„Wir wollen nicht, dass die Kaiser-Therme platt gemacht wird. Wir werden uns wehren", so Geitner, der zwölf Jahre lang 2. und 3. Bürgermeister in Bad Abbach war. Auch andere Heilbäder in Niederbayern seien in den vergangenen Jahren saniert worden. „Das sollte dann auch für Bad Abbach gelten."