Entscheidung über Kaiser-Therme in Bad Abbach naht – Ein 69-Jähriger kämpft für das Bad

Von Martin Rutrecht · 24. Mai 2024 um 19:00

Aus oder Weiterführung: Die Zukunft der Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) hängt am seidenen Faden. Während hinter den Kulissen um eine Lösung gerungen wird und bald entscheidende Sitzungen anstehen, macht sich ein 69-jähriger Thermen-Gast für das Kurbad stark.

Ein Paket von 50 Millionen Euro muss geschnürt werden, um die Kaiser-Therme zu erhalten. Diese Zahl liegt seit einer Sitzung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach Mitte März 2024 auf dem Tisch. Die Gewährsträger im Verband – Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Markt Bad Abbach – müssten die Mittel aufbringen. Noch ist unklar, ob die finanzielle Last gestemmt werden kann.

„Dieses wunderschöne Bad muss weiter bestehen“, fordert Jochen Wollenweber. Der 69-jährige Regensburger besucht das Heilbad regelmäßig und kann „nicht nachvollziehen, dass man nur nach ökonomischen Gesichtspunkten vorgeht“. Vor allem für Menschen aus der Region sei mit den Heilwasserbecken, Saunen und der Gastronomie eine Struktur vorhanden, die „wohnortnahe Erholung bietet und das gesundheitliche Wohlbefinden steigert – ich brauche keinen Urlaub in der Karibik“.

Verteilen mit dem Fahrrad

Wollenweber will einem möglichen Aus nicht tatenlos zusehen. „Sollte sich eine Schließung abzeichnen, werde ich eine Flugblatt-Aktion starten“, kündigt er an. Mit seinem Fahrrad werde er in Bad Abbach Flyer verteilen und wolle dabei mit den Bürgern ins Gespräch kommen. „Es muss doch gerade den Abbachern ein Anliegen sein, das Bad zu erhalten“, so der 69-Jährige, der erklärt: „Mir liegt die Kaiser-Therme sehr am Herzen.“

Getroffen wird die Entscheidung über die Gelder in Gremien von Bezirk, Landkreis und Marktgemeinde. Ohne Fortbestand der Therme hätte der Zweckverband ausgedient, dessen Aufgabe (Betreiben eines öffentlichen Kurmittelhauses und Abgabe von Heilmitteln) hinfällig wäre. „Wir stellen für die anstehenden Sitzungen auch die Auflösung dar. Grundstück und Gebäude gehören dem Zweckverband und müssten abgewickelt werden“, sagt Katrin Landes, Geschäftsführerin des Zweckverbands.

Wer würde die Immobilien übernehmen?

Um den Verkehrswert der Immobilien zu ermitteln, wurde ein Gutachter eingeschaltet. Letztlich bliebe die Frage, „wer die Liegenschaften übernimmt“, so Landes, ein Rückbau der 30 Jahre alten Therme sei die „denkbar schlechteste Idee“. Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald schließt einen Abriss aus. Die Markträte der Kommune machten sich an zwei Tagen vor Pfingsten ein Bild von der Therme. „Jeder sollte einen Eindruck bekommen, über was wir reden“, sagt Grünewald.

Auch er spricht von derzeit intensiver Prüfung möglicher Optionen. „Ich persönlich bin hoffnungsvoll, dass es weitergeht. Ob das dauerhaft in öffentlicher Hand sein wird, muss man sehen.“ Auf Privatinvestoren zuzugehen, macht für den Bürgermeister jetzt noch keinen Sinn. „Erst müssen wir uns im Klaren sein, welche Lösung wir wollen.“

Bezirkstag geht in eine Sondersitzung

Im Juni, so die Beteiligten, soll die Entscheidung über die Therme fallen. Vom Bezirk müssten 30 Millionen Euro für die Fortführung aufgebracht werden. Landkreis und Marktgemeinde wären mit je zehn Millionen Euro gefordert. Der Bezirkstag will in einer Sondersitzung beraten, sagt Landes.

Anders der Kreistag: Aus Landkreis-Sicht „liegen bezüglich der Zukunft der Kaiser-Therme aktuell keine konkreten Informationen vor, die einer Entscheidung der Kreisgremien bedürften“, teilt die Pressestelle im Landratsamt mit. Wie das zu verstehen ist, erläutert Grünewald, selbst Kreisrat: „Erst wenn sich der Zweckverband zur Sanierungsvariante entschließt, wird der Kreistag über die notwendigen Mittel beraten.“ Das könnte in der Haushaltsdebatte erfolgen, ergänzt das Landratsamt.

Außerordentliche Verbandsversammlung gibt Weg vor

Die nächste reguläre Sitzung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach ist für den 9.Juli anberaumt. Geschäftsführerin Landes geht aber „von einer außerordentlichen Verbandsversammlung noch im Juni“ aus. Selbst wenn man sich für eine Fortführung des Betriebs ausspricht – über die Bereitstellung der 50 Millionen Euro können nur die drei Gewährsträger entscheiden.

Tritt das Schließungsszenario ein, müsste der Verband seine eigene Auflösung beschließen. Die Kaiser-Therme in Bad Abbach in seiner jetzigen Form wäre Geschichte.

Ein Mammutprojekt

Geldmittel: 22 Millionen Euro sind für die Sanierung der Gebäudetechnik erforderlich, weitere 13 Millionen für eine Attraktivierung, 15 Millionen für Defizitausgleich und Kredite.

Sanierung: Für die Baumaßnahmen wäre die Therme bis zu 90 Wochen komplett geschlossen.

Jochen Wollenweber will eine mögliche Schließung des Kurbads nicht widerspruchslos hinnehmen. Foto: Wollenweber