Kaiser-Therme: Auch Teilbetrieb und Investor-Einstieg möglich – Bürgermeister schließt Abriss aus

Von Martin Rutrecht · 25. März 2024 um 19:00

In den nächsten Wochen entscheidet sich die Zukunft der Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim). Geprüft werden aktuell die Optionen einer 50 Millionen teuren Investition oder einer Schließung. Aber auch andere Szenarien kommen in Frage.

Es war ein Schock für Therme und Marktgemeinde: 50 Millionen Euro sind in den nächsten 15 Jahren erforderlich, um das Kurbad zu halten. Allein 22 Millionen Euro taxiert der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach für die Sanierung der Gebäudetechnik. Weitere 13 Millionen sollen in die Attraktivierung fließen; 15 Millionen sind für den jährlichen Defizitausgleich (2023: 1,4 Millionen Euro) und Kreditaufnahmen veranschlagt.

Ohne diese Mittel droht die Auflösung des Zweckverbands, in dem der Bezirk Niederbayern (60 Prozent), der Landkreis Kelheim und Bad Abbach (je 20 Prozent) als Träger sitzen, und die Einstellung des Bade- und Saunabetriebs – es wäre das Aus der seit 30 Jahren bestehenden Therme. Gespräche zwischen Bezirk, Kreis und Kommune gab es schon. Jetzt müssen die einzelnen Gremien wie Bezirks- und Kreistag sowie Marktrat entscheiden, ob der jeweilige finanzielle Anteil gestemmt werden kann.

Bad Abbacher Markträte gehen in Klausur

Auf Bad Abbach kämen 10,5 Millionen Euro zu, sagte Bürgermeister Benedikt Grünewald bereits. Eine ähnliche Summe müsste der Landkreis aufbringen und der Bezirk rund 30 Millionen Euro. Grünewald bereitet gerade eine Klausurtagung für die Markträte zur Therme vor. „Dabei steht auch eine Besichtigung auf dem Programm, damit wir genau wissen, um was es geht.“

Neben 50-Millionen-Euro-Paket oder Schließung gebe es weitere Möglichkeiten, sagt Katrin Landes, Geschäftsleiterin des Zweckverbandes, unserer Zeitung. „Diese Optionen sind aber reine Gedankenspiele“, betont sie ausdrücklich. Vorstellbar wäre, die Therme in Teilbereichen weiterlaufen zu lassen. „Man könnte den Saunabetrieb, der ein starkes Zugpferd ist, aufrecht erhalten und die Badebecken schließen. Oder umgekehrt.“

Ohne Bäderbetrieb kein Kurmittelhaus mehr

Problem bei der Schließung der Bäder wäre, dass der Zweckverband seine Aufgabe – Betreiben eines öffentlichen Kurmittelhauses und die Abgabe von Heilmitteln – verlieren würde. „Wir könnten das Haus nicht mehr weiter führen.“ Ein anderer öffentlicher Träger oder ein privater Investor müssten einspringen.

Selbst wenn man das Angebot der Kaiser-Therme reduzieren würde, „hätte es nur geringe Effekte auf die Sanierungskosten“, sagt Landes. Gebäudeleittechnik, Lüftung, Wasserleitung und -aufbereitung sind sanierungsbedürftig. Für diese Maßnahmen rechnet der Zweckverband mit einer Dauer von 90 Wochen unter Vollschließung der Therme. Theoretisch verzichten könnte man auf die Attraktivierung, die mit erwähnten 13 Millionen Euro zu Buche schlägt. „Aber nach fast zwei Jahren ohne neue Angebote wieder zu eröffnen, würde einen Rückgang der Gästezahlen bedeuten.“

Sanierung für den Erhalt unvermeidbar

Bürgermeister Grünewald möchte sich „die gesamte Palette möglicher Optionen offen halten“. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wolle er „weder etwas ausschließen noch etwas bejahen“. Damit sei auch gemeint, ob die Kommune die Therme – oder Teilbereiche – alleine schultern könnte. „Es ist immer eine Frage der Bedingungen und der Finanzierbarkeit.“ Eine Sanierung sei bei einem Erhalt unumgänglich.

Das gelte auch für einen privaten Investor. „Unsere Bemühungen gehen auch in diese Richtung“, so Grünewald. Auch die Zweckverbands-Geschäftsleiterin will „den Einstieg eines Investors nicht ausschließen“. Ein Interessent habe sich noch nicht gemeldet.

Marode Technik trat bei Prüfung zutage

Ein Versäumnis bei den Sanierungen sieht Landes auf Nachfrage nicht. „Es gab laufend Instandhaltungen.“ Im vergangenen Jahr lief im Zuge einer möglichen Energie-Umrüstung aller fünf niederbayerischen Thermen eine Prüfung der Technik in Bad Abbach an. „Dann ging es Schlag auf Schlag, was alles zu machen ist. Am 19. Februar 2024 lag das finale Ergebnis vor.“ Bereits am nächsten Tag befasste sich der Bau- und Werkausschuss des Zweckverbands damit.

Eine Frage ist auch, was mit dem Thermen-Gebäude bei einer Schließung geschehen würde. Grundstück und Liegenschaften stehen im Eigentum des Zweckverbandes. Einzig die Tiefgarage gehört nur dem Markt. „Die Gebäude sind in einem guten Zustand“, hält Landes fest. Dennoch sei ohne fehlende Nutzung ein Rückbau zu erwägen. Für Grünewald ist ein Abriss „undenkbar“. Er spricht sich „zwingend für eine Nachfolgenutzung aus“, wie immer diese aussehen könnte.

Personalrat will sich an Spekulationen nicht beteiligen

Die knapp 50 Mitarbeiter der Therme „sind weiterhin sehr zuversichtlich und sehr motiviert“, sagt Personalrats-Vorsitzende Marianne Rieger gegenüber der MZ. An Spekulationen über die Zukunft wolle man sich nicht beteiligen.

Für Mitte bis Ende Mai stellt Bad Abbachs Bürgermeister Grünewald eine Entscheidung in Aussicht.

Die Angebote der Kaiser-Therme

Thermalbäder: Die Kaiser-Therme bietet Therapie-, Entspannungs-, Schwimmer- und Außenentspannungsbecken und zudem einen Wildwasserkanal. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 28 und 36 Grad.

Wohlbefinden: Dampf- und Salzgrotte, fünf Saunen, Saunagarten und Panorama-Außenpool sind weitere Einrichtungen im Haus. Besucher können auch therapeutische Anwendungen und Massagen buchen.